In einem aufwendig inszenierten Freilichtspiel vor der Westkulisse des Zwiefalter Münsters lassen ab heute Abend in vier Aufführungen rund 150 Akteure die Vergangenheit des Klosters und, damit eng verbunden, der Braukunst lebendig werden. „Unser Ziel war es, die Zwiefalter Geschichte als audiovisuelles Spektakel auf die Bühne zu bringen“, erinnert sich Autor und Brauereichef Peter Baader. „Alle Schauspieler zeichnen ihre Texte vorab im Tonstudio auf und können sich so ganz auf die Darstellung der Szene konzentrieren“, erläutert Baader im Gespräch mit unserer Zeitung und verweist auf den Vorteil, dass so mancher die Berührungsangst vor den öffentlichen Auftritten verliert. Zudem unterstreicht das Verfahren nach Einschätzung von Regisseur Herbert Ott den Stellenwert der Texte. Die wiederum werden passgenau von der Technik eingespielt.

Autor Peter Baader

Als Autor hat Baader zunächst einmal die Handlung geschrieben, deren Grundgerüst sich natürlich an den historischen Fakten orientiert. „Vor 20 Jahren hatte ich erstmals die Idee, die Geschichte des Klosters und der Braukunst zu erzählen“, erinnert er sich. Folglich sammelte er Informationen – viele Fakten fanden sich auch in den Aufzeichnungen der Klosterbrauerei. In einem zweiten Schritt folgten die Texte. Das Stück soll ihm zufolge am Beispiel des armen Bauernjungen Benedikt, der von Florian Fischer gespielt wird, zeigen, dass nicht nur Adlige ins Kloster aufgenommen wurden. „Mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz konnte man es damals wie heute zu etwas bringen“, betont Baader.

Neben der Zwiefalter Ortsgeschichte bildet die Entwicklung der Braukunst einen zweiten roten Faden in der Aufführung, die mit der Übernahme der Zwiefalter Klosterbräu durch Baaders Urgroßvater endet. Alle Akteure tragen originalgetreue zeitgenössische Kostüme. Zudem werden landwirtschaftliche Arbeiten der vergangenen Jahrhunderte dargestellt. Rund 20 Akteure haben vor der Premiere heute Abend Gerste und Weizen gemäht und Gärten angelegt – die Koordination liegt in den Händen von Anita Bendel aus Sonderbuch.

Profisprecher Hans-Jörg Karrenbrock

Als Regisseur muss Ott, der seit vielen Jahren auch die Fäden beim Weihnachtstheater der Kolpingsfamilie in den Händen hält, sich auf eine andere Arbeitsweise einstellen, da er nicht allen 150 Akteuren direkt Anweisungen geben kann. Arbeiter, Bauern, Soldaten, Gaukler oder Klosterschüler sind in Gruppen organisiert, deren Spielführer im Austausch mit Ott stehen und dessen Vorstellungen an die Gruppe weitergeben. Die Akteure dürfen nur dann handeln, wenn ihre Szene an der Reihe ist, obwohl sie natürlich dauernd auf der „Bühne“ stehen. „Sonst wird der Zuschauer zu leicht abgelenkt“, gibt Ott zu bedenken. Spannend gestaltet sich für ihn die Zusammenarbeit mit Profisprecher Hans-Jörg Karrenbrock, der die historischen Fakten der Rahmenhandlung einzelner Szenen vorträgt. „Er ist richtig toll, man kommt prima mit ihm aus“, erzählt Ott, „es ist wirklich angenehm, mit ihm zu arbeiten“. Zudem freue dieser sich über die Sprecher-Rolle, da er im Unterschied zu seiner Arbeit im Studio direkt die Reaktionen des Publikums miterlebe. Im Unterschied zu den Akteuren spricht Karrenbrock allerdings live.

Große Beteiligung der Zwiefalter

Zwar stehen historische Begebenheiten im Vordergrund, aber nicht alle Szenen haben sich genauso in der Wirklichkeit zugetragen, räumt Baader ein. „Das ist der Dramaturgie und dem Wunsch, den Zuschauern ein imposantes Erlebnis zu bieten, geschuldet“. Allein schon die große Beteiligung der Zwiefalter wertet er wiederum als Indiz für die Identifikation mit dem Stück und dem Ort. So gab es nie Schwierigkeiten, die einzelnen Rollen zu besetzen. Oft regeln die Gruppen das selbst. Fast alle Akteure, die vor drei Jahren dabei waren, werden auch in den nächsten vier Tagen wieder die Zwiefalter Geschichte zum Leben erwecken. Ihre Premiere erlebten die Zwiefalter Festspiele 2012. Damals wie auch zwei Jahre später spielte Franz Hermanutz den Abt, in seine Fußstapfen trat Georg Tress.

Info Die Abendvorstellungen heute und am Freitag sind ausverkauft. Karten gibt es noch für die Vorführungen am Samstag und Sonntag (jeweils 15 Uhr). Vorverkauf unter (073 73) 200 90.

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