Vor etwas mehr als 60 Jahren, am 16. Dezember 1958, feierte der Spielfilm „Helden“ mit O. W. Fischer, Liselotte Pulver, Ellen Schwiers und Jan Hendriks Premiere im UFA-Palast in Hamburg. Die Komödie von George Bernhard Shaw lockte seinerzeit rund 3,6 Millionen Zuschauer ins Kino. Der Streifen erhielt den „Deutschen Filmpreis“ sowie 1959 als „bester deutscher Spielfilm“ den Wanderpreis „Goldene Schale“. Zudem wurde „Helden“ als bester fremdsprachiger Film für den US-amerikanischen Oskar nominiert.

Dieser preisgekrönte Film läuft am kommenden Montag, 4. Februar, von 19 Uhr an im Tonfilm-Theater am Ost-Eingang zum Albgut. Einige ältere Auinger werden sich bestimmt diesen rund 100 Minuten langen Farbfilm auf der großen Leinwand ansehen, von dem Szenen Mitte 1957 auf dem Truppenübungsplatz Münsingen gedreht wurden.

Waltraud Vöhringer war damals 13 Jahre alt, als O. W. Fischer im Hardt-Hotel in Auingen logierte. Es hatte sich damals wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass der Frauenschwarm des deutschen Nachkriegsfilms im ersten Hause am Platze wohnte. „Mit meinen Freundinnen wartete ich damals vor dem Hotel, um einen Blick auf den Filmstar zu erhaschen“, erinnert sich Waltraud Ludwig, die Frau des Auinger Ortsvorstehers. Auch die zehnjährige Karin Lamm, die damals noch Heuser hieß und in der Rametshalde wohnt, konnte einen Blick auf den berühmten Mann werfen, der mit einer Limousine vorgefahren kam.

Die Pferde, die bei diesem Film, der während des Bulgarisch-Serbischen Krieges im Jahr 1885 spielt, mit dabei waren, standen während der drehfreien Zeit im Stall der Bäckerei Hellstern in Auingen, erinnert sich Bäckermeister außer Dienst Heinz Eyb. Ein paar Häuser weiter wohnten bei Heidi Benz, geborene Müssig, vier Männer, „die nach Pferden rochen“. Ob es die Betreuer oder Statisten waren, weiß die heute 77-Jährige nicht mehr.

Bernd Lubenow hatte als 14-Jähriger eine zufällige Begegnung mit O. W. Fischer und Teilen der Filmcrew. „Es war ein heißer Sommertag. Der Filmstar kam ins Naturbad nach Münsingen zum Baden, wo ich gerade meine Runden drehte.“ Lubenow ist sich sicher, auch Renate Ewert, die damals ebenfalls ein großer Filmstar war, im Badeanzug gesehen zu haben. Nur, die spielte im Film „Helden“ gar nicht mit. Die Boulevardpresse sagte ihr damals nach, sie habe wechselnde Beziehungen zu prominenten Kollegen gehabt . . .

Einen weiteren Namen hat Lubenow in Zusammenhang mit „Helden“ nicht vergessen. Im Kamerateam gab es einen gewissen Hans Namislow, der sich während der Dreharbeiten in eine Älblerin verliebte, die er dann später geheiratet habe.

Übrigens: Das Alte Lager und der Truppenübungsplatz nebenan, die durch ihre Abgeschiedenheit optimale Drehbedingungen bieten, werden seit Jahren immer wieder als historische Kulisse für verschiedene Fernseh- und Kinofilme genutzt. So zum Beispiel für die Streifen „Das Wirtshaus zum Spessart“ mit Liselotte Pulver und Carlo Thompson (1957), „Laible und Frisch“ mit Simon Licht und Winfried Wagner (2009), „Schuld sind immer die Anderen“ mit Edin Hasanović und Julia Brendler (2011) sowie „George“ mit Götz George und Burghart Klaußner (2012).

Das ehemalige Truppenkino selbst war im Jahr 2000 Kulisse für einen Videoclip der Gruppe „Mental Ground Zero“, die dort „Ridin‘ On The Moon“ performte.

Truppen-Kino-Eigentümer Hans-Jochen Kraft ist gerade dabei, die Filmrechte der genannten Filme zu bekommen, die er das Jahr über in der Serie „Regionale Filme aus Münsingen“ zeigen möchte. Dabei denkt er auch an zwei „Tatort“-Serien, die Anfang der 1990er-Jahre in der Region gedreht wurden. TV-Kommissar Bienzle – Dietz-Werner Steck – ermittelte damals im Landkreis Reutlingen. Für „Bienzle und die schöne Lau“ und „Bienzle und die Feuerwand“ stand er unter anderem im Hofgut Maisenburg in Hayingen, in Münsingen im Polizeirevier und der damaligen Diskothek Flying West sowie in Bad Urach vor der Kamera.

Krimi, Märchen und Kriegsfilm


Und es gibt dazu noch eine ganze Reihe an Streifen, von denen mehr oder weniger viele Szenen auf der Mittleren Alb gedreht wurden. So zum Beispiel 1958 in Urach die Filmkomödie „Kleine Leute – mal ganz groß“ mit Bibi Johns und Gustav Knuth, 2009 „Dornröschen“ mit Hannelore Elsner und Martin Feifel auf Schloss Lichtenstein und in der Umgebung von Bad Urach. Außerdem  im Jahr 2011 in Römerstein der Kriegsfilm „Rommel“ mit Ulrich Tukur und Benjamin Sadler.

Nicht zu vergessen ist die 16-teilige Vorabendserie „Heiter bis tödlich: Fuchs und Gans“, die 2011 bis 2012 in Bad Urach sowie unter anderem in Hohenstein produziert wurde. In den Hauptrollen: Mira Bartuschek und Peter Bongartz. Ebenfalls in Hohenstein und in Mehrstetten standen die Kameras für den Film „Die Büffel sind los“ mit Anna Unterberger und Marc Benjamin. lejo