Es war ordentlich was los, als Bürgermeister Mario Storz am Mittwochabend die öffentliche Sitzung der Engstinger Gemeinderäte eröffnete. Neben zahlreichen Bürgern hatten sich auch viele der insgesamt 126 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr sowie Kommandant Anton Hummel im Sitzungssaal des Rathauses eingefunden. Und dies ist kaum verwunderlich, schließlich soll der Fuhrpark aufgerüstet werden und der Neubau eines gemeinsamen Feuerwehrgerätehauses für Kleinengstingen und Großengstingen in die Planung gehen.

Mannschaft top, Inventar flop

Zum einen ist es die Pflicht einer jeden Gemeinde, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr mit einem geordneten Lösch- und Rettungsdienst aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Zum anderen ist diese Institution lebenswichtig, wie Mario Storz mehrfach betonte. Daher holte man Ende letzten Jahres auch Ralf Hohloch, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz in Freiburg sowie der gesamten dortigen Wehr, als unabhängigen Gutachter an Bord. Dieser besuchte alle drei Feuerwehrhäuser der Gemeinde, um eine Ist-Analyse der gegenwärtigen Situation durchzuführen. Im Anschluss erstellten der Experte und sein Team einen 96 Seiten umfassenden Feuerwehrbedarfsplan für die Jahre 2020 bis 2025.

Das Einsatzgebiet der Einsatzkräfte erstreckt sich mit Großengstingen, Kleinengstingen und Kohlstetten über 31,51 Quadratkilometer Fläche. Dort gilt es, die Sicherheit von 5250 Einwohnern zu garantieren. Bei seiner Präsentation der Ergebnisse stellte Hohloch den ehrenamtlichen Rettern ein hervorragendes Zeugnis aus. Mannschaftsstärke, Durchschnittsalter mit 36,9 Jahren und Ausbildungsstand seien gut. „Unter den Kameraden sind 99 Atemschutzgeräteträger, das ist tipptopp“, zeigte er sich voll des Lobes. Denn neben der Ausbildung seien auch regelmäßige Arztbesuche zwingend erforderlich – bei denen die Fitness der Feuerwehrleute überprüft wird Es gilt, trainiert zu sein. 2018 wurden etwa 179 Übungsdienste ausgeführt, was 4420 Stunden der Aktiven in Anspruch nahm. Und der Fleiß hat sich bewährt, denn in diesem Jahr wurden 28 Einsätze erfolgreich durchgeführt. Elementar für die optimale Hilfe im Ernstfall ist das  schnelle Ausrücken. Spätestens zehn Minuten nach Absetzen des Hilferufs sollte der erste Trupp mit sechs Mann vor Ort sein – Tag und Nacht.

Gar nicht zufrieden zeigte sich Branddirektor Hohloch mit dem Zustand des Löschgruppenfahrzeugs in Großengstingen. Das Einsatzfahrzeug aus dem Baujahr 1983 sei zu teuer im Unterhalt, Ersatzteile seien schwer bis gar nicht mehr zu erhalten und bei der Untersuchung durch den technischen Wartungsdienst zeigten sich eine Anzahl an technischen Mängeln. Die Neuanschaffung eines Nutzfahrzeugs, das den heutigen Anforderungen entspricht, beispielsweise Abgasnorm Euro 6, Allrad, ergonomische Aspekte und Sicherheitsassistenzsysteme, sei zwingend notwendig.

Und schon kristallisierte sich die nächste Problematik heraus: das Feuerwehrhaus ist mit einer Einfahrtshöhe von 3,07 Metern Höhe und 7,45 Metern Länge zu klein für die modernen Fahrzeuge. „Hinzu kommt ein Sturz in der Halle. Es gibt etliche bauliche Hürden“, so Ralf Hohloch. Da am Standort keine Möglichkeit zur Erweiterung besteht und auch das Feuerwehrhaus in Kleinengstingen bei weitem nicht den heutigen DIN-Normen, Unfallverhütungsvorschriften und den Forderungen der Unfallkasse Baden-Württemberg entsprechen, lautet die Empfehlung des Spezialisten, ein neues gemeinsames Gerätehaus zu errichten. Dies begrüßte auch der Schultes: „Es ist lange gut gegangen. Nur durch das fleißige Engagement und die Tatkraft der Feuerwehrleute stehen die ehemaligen Farrenställe, die zu Gerätehäusern umfunktioniert wurden, heute noch so gut da.“ Nun beginnt also ein langer Weg: ein geeignetes Grundstück muss gefunden, der Bau geplant und die Finanzierung geklärt werden. Ziel ist es, dass beide Abteilungen in dem gemeinsamen Feuerwehrhaus – mit sehr guten energetischen Standards – ihre Eigeständigkeit behalten und weiterhin aktiv das Ortsleben bereichern.

Daumen hoch, lautete die Bewertung des Feuerwehrhauses in Kohlstetten. Nur der Umkleidebereich soll umorganisiert werden. „Die Frauen drohen sich an“, schmunzelte Hohloch.

Neben dem Mammutprojekt neues Feuerwehrhaus gibt es auch noch viele kleinere Maßnahmen zu stemmen. In den kommenden fünf Jahren soll Großengstingen einen Mannschaftstransportwagen, Kleinengstingen ein Löschgruppenfahrzeug und Kohlstetten ein Tragkraftspritzenfahrzeug bekommen. Der neue Gerätewagen Logistik 2, der das Altfahrzeug aus Großengstingen ersetzen soll, wird mit dem Bau des neuen Domizils angeschafft werden, etwa 2024.

„Wir waren nie anspruchsvoll, haben immer kleine Brötchen gebacken“, erläuterte Anton Hummel den Räten. „Nun muss einer von außen kommen und uns attestieren, dass wir nicht mehr zukunftsfähig sind“, appelierte er an die Räte, den Bedarfsplan anzunehmen. Erfolgreich, denn das gesamte Gremium stimmte zu. „Ein langer Weg liegt vor uns. Wir hoffen auf Zuschüsse von Bund und Land, dennoch wird dies ein finanzieller Kraftakt für die Gemeinde“, baute Storz geschickt eine Brücke zum nächsten Thema der Tagesordnung. Es raschelte ordentlich im Sitzungssaal,  als die Gemeinderäte in dem von Kämmerer Alexander Ott vorgelegten 264 Seiten dicken Entwurf für den Haushalt 2020 blätterten – erstmalig erstellt nach dem neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen. Dabei handelt es sich um einen ersten Blick in die Glaskugel: Im Ergebnishaushalt, der dem bisherigen Verwaltungshaushalt entspricht, stehen Erträgen in Höhe von 12,7 Millionen Euro Ausgaben in Höhe von 12,2 Millionen Euro gegenüber. Bei planmäßiger Entwicklung wird demzufolge ein ordentliches Ergebnis in Höhe von 550 750 Euro erreicht.

Der Zahlungsmittelüberschuss aus der laufenden Verwaltungstätigkeit liegt laut Planpapier bei 1,51 Millionen Euro. Für Investitionen sind im Finanzhaushalt 2,1 Millionen Euro vorgesehen. Der Schuldenstand verringert sich um 200 000 Euro und liegt damit bei 1,9 Millionen Euro. Pro-Kopf-Verschuldung: 360 Euro. Unterm Strich steht als Saldo des Finanzhaushaltes ein Minus in Höhe von 4700 Euro „Das müssen wir dem Sparbuch entnehmen“, so Ott. Die Planung sei insbesondere auf der Einnahmenseite verhalten. Der Umzug einer großen Firma etwa und der damit verbundene Wegfall der Gewerbesteuer sei nicht planbar. „Auch Risiken wie den Corona-Virus, den Brexit, den Sturm Sabine oder die wirtschaftliche Entwicklung, beispielsweise in der Automobilindustrie, müssen bedacht werden“, so der Finanzchef. Nach der Einbringung des Entwurfs haben die Räte nun Zeit bis Ende Februar, ihre Anträge und Änderungswünsche einzubringen. Diskussion und Beschluss sind am 11. März geplant.