Am Montagabend kam es im Gewerbepark Haid zu einem Brandeinsatz: Gegen 20 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Engstingen mit allen drei Abteilungen und rund 40 Einsatzkräften zu einem gemeldeten Dachstuhlbrand alarmiert. Nach Dachdeckerarbeiten im Hydepark in der Eberhard-Finckh-Straße war es zu einem Schwelbrand gekommen, der eine entsprechende Rauchentwicklung nach sich zog. Neben der Engstinger Feuerwehr rückte auch die Freiwillige Feuerwehr Pfullingen mit ihrem Einsatzleitwagen, der Drehleiter und einem Löschgruppenfahrzeug zur Überlandhilfe aus, zur sanitätsdienstlichen Absicherung des Einsatzes wurde zudem die Bereitschaft des DRK-Ortsvereins Engstingen-Hohenstein alarmiert.

Durch die Feuerwehrleute wurde aus dem Korb der Drehleiter heraus die Dachhaut im Bereich der vermuteten Brandstelle auf dem Flachdach geöffnet. Gebrannt hatte ein Holzbalken unterhalb der Dachverkleidung. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden, anschließend wurden noch weitere Glutnester abgelöscht. Des weiteren wurde die Dachkonstruktion mittels einer Wärmebildkamera kontrolliert, um sicherzustellen, dass keine weiteren Brandstellen übersehen worden waren. Nach rund zwei Stunden konnten die Feuerwehrleute den Einsatz beenden.

Bürgermeister Storz erleichtert

Engstingens Bürgermeister Mario Storz, zugleich Vorsitzender des Zweckverbandes Gewerbepark Engstingen-Haid, machte sich noch am Abend selbst ein Bild von der Lage vor Ort. „Glücklicherweise ist alles glimpflich ausgegangen“, zeigte sich Storz ob der professionellen Arbeit der ehrenamtlichen Feuerwehrleute erleichtert. Wäre der Brand nicht schnell bemerkt und bekämpft worden, hätte der Dachstuhl nach einer Durchzündung komplett in Flammen stehen können. Wie fatal ein solcher Brand ausgehen kann, zeigte sich zuletzt etwa beim Brand der Rulamanschule in Grabenstetten, die derzeit komplett neu aufgebaut werden muss.

Dank an die Feuerwehr

Im Hydepark dagegen halten sich die Schäden in Grenzen, zumal derzeit ohnehin in dem Hotel- und Gastronomiebetrieb umfangreiche Sanierungsarbeiten im Gange sind. Verletzt wurde bei dem Brand niemand. „Wir haben richtig Glück gehabt“, bestätigt auch Hydepark-Inhaberin Anja Wolfframm, die der Feuerwehr für ihren schnellen Einsatz dankt. „Im Prinzip wurde alles gerettet. Am Gebäude ist kein Schaden entstanden – ein größerer Brand wäre ein Desaster gewesen.“ Die Sanierungsarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. „Mit Hilfe eines Leader-Zuschusses haben wir umfangreich umgebaut, auch die Decken und Lampen erneuert“, berichtet Wolfframm. Aufgrund des Umbaus und der Corona-Pandemie sei derzeit noch geschlossen. „Im Juli starten wir wieder mit Feiern“, berichtet die Inhaberin. Der Brand habe darauf keine Auswirkungen.

Dank Besprechung das Feuer rasch entdeckt

Im Gegenteil: Eben weil just am Montagabend eine Besprechung zu einer Hochzeitsfeier in den betroffenen Räumlichkeiten stattfand, konnte der Brand schon in der Entstehungsphase entdeckt werden. „Der Brautvater hat die Rauchentwicklung bemerkt, sodass wir die Feuerwehr schnell alarmieren konnten“, erzählte Wolfframm.

Gülle-Unfall vor drei Jahren

Glück im Unglück also für den Hydepark, welchen es in der Vergangenheit bekanntlich schon wesentlich schlimmer erwischt hatte: 2017 war es zu einem Gärsubstrat-Austritt in einer nahegelegenen Biogasanlage gekommen. 1,5 Millionen Liter Gärsubstrat waren aus einem defekten Tank der Biogasanlage der Firma Biga Energie GmbH im Engstinger Gewerbepark Haid geflossen und in sieben Gebäude eingedrungen. Dort richtete die braune Brühe schwere Schäden an. Am stärksten betroffen waren der Hydepark mit seiner im Untergeschoss eingerichteten Wirtschaft Per Du. Ein großer Teil der ammoniakhaltigen Flüssigkeit sammelte sich vor dem Kellerlokal, drinnen stand der Schlamm kniehoch.
Die finanziellen Einbußen für den Betrieb von Inhaberin Anja Wolfframm waren damals gravierend. Sechs Wochen lang waren sowohl das Restaurant wie auch das Kellerlokal komplett geschlossen. Wolfframm schätzte allein die Kosten für den Umsatzausfall und die erforderlichen Lohnfortzahlungen auf gut 100 000 Euro. Dazu kamen natürlich die materiellen Schäden, da zum Beispiel ein halbes Jahr vor dem Unglück die Küche komplett erneuert wurde. Im Erdgeschoss musste sie damals mit ihren Mitarbeitern die Reinigungsarbeiten komplett auf eigene Faust erledigen.

Neue Attraktion: Kunststoff-Eisbahn

Die Schäden des gestrigen Brandeinsatzes dagegen dürften wesentlich geringer ausgefallen sein. Die Freude auf den Neustart nach Umbau und Corona-Pandemie ist dagegen groß. Und im Herbst soll auch die Kellergaststätte „Per Du“, die seit dem Biogasunfall geschlossen ist, wieder eröffnen. Als neue Attraktion gibt es zudem eine ganzjährige „Eisbahn“ aus Kunststoff. Auf 100 Quadratmetern kann dort Schlittschuh gefahren oder Eisstockschießen gespielt werden. Eine Attraktion, die maßgeblich durch das europäische Förderprogramm Leader ermöglicht wurde.

Versicherung verweigert Schadensausgleich


Nach dem Gärsubstrat-Austritt 2017 hat sich nach Angaben von Hydepark-Inhaberin Anja Wolfframm nichts an der Haltung der Versicherung geändert, die für den Schaden nicht aufkommen will. Juristen seien in der Sache tätig. Hingegen lobt Wolfframm ausdrücklich die Gesprächsbereitschaft der Firma Biga Energie, mit welcher man lösungsorientiert zusammenarbeiten würde.