Es war 1.49 Uhr nachts, als im Dezember 2013 das Ende der Vertreterversammlung der Volksbank Münsingen verkündet wurde. Damals stand die Bank ohne Aufsichtsrat da, lag buchstäblich am Boden. Zweieinhalb Jahre später ist sie zwar noch immer nicht wie Phönix aus der Asche auferstanden, aber die Lage hat sich merklich verbessert, die Zahl der Fragen aus den Reihen der Vertreter wird weniger, das Sitzungsende wieder zeitlich überschaubar. 20.40 Uhr war es am Dienstagabend, als Aufsichtsratsvorsitzender Werner Hagmaier die Versammlung beschloss.

Dennoch: Längst ist noch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Das wurde vor allem beim Verlesen des Prüfungsberichts des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes durch Verbandsdirektor Gerhard Schorr klar. Die Prüfung des Verbandes hatte es in der Tat in sich. Sage und schreibe 290 Tage lang waren Prüfer bei der Volksbank tätig, hatte zuvor Hagmaier informiert, was für Vorstand und Personal sehr belastend gewesen sei. Es entstanden Prüfungskosten im sechsstelligen Bereich.

Beanstandungen, so Schorr, habe es vor allem im Kreditgeschäft gegeben, bei der Risikoidentifikation. Schorr, der, wie er selbst ausführte die Münsinger Volksbank als langjähriger Begleiter längst ins Herz geschlossen hat, nannte die Prüfersprache „eigenwillig“. Im Kern sei das Ergebnis noch schlecht und müsse natürlich verbessert werden. Doch seit Dezember 2013 sei doch eine Menge passiert. Der Vorstand habe eine schwierige Aufgabe vorgefunden, sich dieser gestellt.

„Die Bank hat sich gefestigt“, betonte Schorr, und es werde anders als es seinerzeit Münsingens Bürgermeister Mike Münzing prophezeite keine zehn Jahre dauern, bis sie wieder gut dastehe. Andererseits machte Schorr keinen Hehl daraus, dass es aktuell riesige Herausforderungen für alle Banken gebe, zum einen im Bereich der Digitalisierung, vor allem aber wegen des Niedrigzinsumfelds. Deshalb sei es wünschenswert, wenn die Vergangenheit der Münsinger Volksbank zeitnah aufgearbeitet werde. „Wer zehn Prozent Eigenkapital hat, der steht gut da. Lassen Sie uns gemeinsam die Schwächen ausmerzen“, schloss der Verbandsvorsitzende seine Rede.

Vorstandsmitglied Christian Bückle begann seinen Bericht mit dem Satz „Die Null muss stehen“, der Fußballersprache entlehnt. Ihm ging es dabei aber nicht um eine gute Defensive, sondern um den 0-Prozent-Leitzins der Europäischen Zentralbank, eine für Geldanleger „katastophale Entscheidung“. Das Damoklesschwert der Niedrigzinsen belaste alle Banken. Geld sei zum Nulltarif erhältlich, was die Gefahr riskanter werdender Investitionen beinhalte.

Düstere Aussichten: „Einlagen bringen keine Erträge mehr. So werden marode Staatshaushalte aufgepäppelt“, meinte Bückle.

Die Zinsergebnisse werden sich bei der Volksbank reduzieren, weshalb der Gürtel enger geschnallt und zugleich neue Ertragsquellen erschlossen werden müssten. Auch sei die Umstrukturierung der Bank notwendig und in vollem Gange. Vergangenes Jahr seien viele Baustellen begonnen, viele Themen angestoßen worden: „Wir haben uns auf die intensive Abarbeitung der Prüfungmängel fokussiert – das gilt auch für die Risiko behafteteten Kreditengagements“. Es sei eine neue Organisationsstruktur aufgebaut, die Zuständigkeiten neu geordnet, eine neue Kundenbetreuungskonzeption erarbeitet worden. Eingestellt worden seien die Provisionszahlungen an die Kundenberater. Natürlich sei man mit den Prüfungsergebnissen nicht zufrieden, erklärte Bückle. Man habe aber schon viel umgesetzt und brauche einfach noch Zeit.

Sein Vorstandskollege Bruno Ragg ging konkret auf das vergangene Geschäftsjahr ein (siehe unten stehenden Kasten). Das Eigenkapital der Bank sei unverändert gut. Man habe derzeit stark erhöhte Aufwendungen für die Arbeitsprozesse. Die Versäumnisse der Vergangenenheit würden aufbereitet. Die Ertragslage sei noch ausreichend. Die Risikoentwicklung im Kreditgeschäft sei belastend gewesen. Raggs Ausblick: „Für den harten Wettbewerb im Kundengeschäft sind wir gut aufgestellt.“

Aufsichtsratsvorsitzender Werner Hagmaier berichtete von den Bemühungen, einen Konsens mit den ehemaligen Vorständen Werner Leichtle und Jürgen Ruff sowie den abgesetzten Aufsichtsratsmitgliedern zu finden, was leider nicht gelungen sei. Folge seien Schadenersatzklagen, wobei der erste Prozesstermin gegen die Ex-Vorstände bereits feststehe, und zwar am 27. September vor dem Landgericht Tübingen. Noch keinen Termin gibt es in Sachen Regressansprüche gegen die Aufsichtsräte, wobei hier die fristlose Kündigung der damaligen Vorstände Thema ist.

Hagmaier bekräftigte, dass der im Juni 2014 neu gewählte Aufsichtsrat seine Aufgaben mit großer Ernsthaftigkeit angegangen habe. Der Zeitaufwand sei immens gewesen, 17 Sitzungen dazu Weiterbildungen zählte er auf. Der Bericht der Verbandsprüfung habe nicht begeistert: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns“. Der Bericht gehe leider nicht auf die umfangreichen Fortschritte und die großen Anstrengungen im Haus ein. Was andernorts längst Routine sei, müsse in Münsingen erst aufgebaut werden.

„Wir sind auf dem richtigen Weg, werden auch künftig kein anonymes Institut in der Cloud sein, sondern wir bleiben ihre Bank mit Menschen für Menschen, mit stets offenem Ohr für ihre Herausforderungen“.

Dem Jahresabschluss wurde bei zwei Enthaltungen zugestimmt. Zum Bilanzgewinn gab es aus der Reihe der knapp 200 anwesenden Vertreter vier Nein-Stimmen. Der Vorstand wurde bei vier Enthaltungen entlastet. Erneut in den Aufsichtsrat gewählt wurden Alexander Bösch, Werner Hagmaier und Oliver Rupp.

In der Fragerunde erkundigte sich Richard Hekhorn, ob Erhöhungen der Kontoführungsgebühren angedacht seien. Christian Bückle antwortete, dass derzeit alle Gebühren überprüft würden. Wenn es Erhöhungen gebe, werde man versuchen, diese wo verträglich wie möglich zu gestalten.

Hekhorn sprach auch den Namen Fanderich an, der er als „Drahtzieher von allem“ bezeichnete: „Geht dieser Mann schadlos von der Bühne“. Fanderich sei fast nicht antastbar, jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand, antwortete Werner Hagmaier.

Volksbank Münsingen: Das Geschäftsjahr 2015 in Zahlen

Die Bilanzsumme der Münsinger Volksbank betrug 2015 knapp 380 Millionen Euro, rund 1,5 Millionen weniger als im Vorjahr (weitere Vorjahreszahlen in Klammern). Das betreute Kundenvoluömen stieg um sechs auf 710 Millionen Euro. Die Forderungen an Kunden beliefen sich auf 243,7 Millionen Euro (254,2).

Bei den Wertpapieren wurden 88,8 Millionen Euro betreut (76,6). Die Kundeneinlagen stiegen um neun auf 299,8 Millionen Euro. Der größte Zuwachs wurde dabei bei Sichteinlagen registriert, die um fast 18 auf 129 Millionen Euro stiegen. Hingegen deutlich rückläufig sind die befristeten Einlagen, die 33,4 Millionen Euro betrugen (46,3). Das bilanzielle Eigenkapital stieg von 37,9 auf 38,6 Millionen Euro.

Die Verwaltungskosten summierten sich auf 8,42 (8,31) Millionen Euro. Größter Posten sind dabei  die Personalaufwendungen in Höhe von 5,33 Millionen Euro (4,91). Der weitere Verwaltungsaufwand kostete 3,1 Millionen Euro (3,4). Negativ (minus 2,9 Millionen Euro) ist das Bewertungsergebnis, das 2014 noch bei 1,5 Millionen Euro gelegen hatte. Der Jahresüberschuss betrug 614 000 Euro (734 000 Euro). Die Vertreterversammlung beschloss die Ausschüttung von zwei Prozent Dividende (161 000 Euro) sowie die Zuweisung an Rücklagen in Höhe von 452 000 Euro) . rene