Welche Zukunft hat die Realschule? Eine glänzende, wenn man den Worten von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann glauben kann. Diese besuchte am Dienstagnachmittag auf Einladung des bildungspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion Karl-Wilhelm Röhm die Münsinger Gustav-Mesmer-Realschule, um sich vor Ort darüber zu informieren, wo den Lehrerinnen und Lehrern der Schuh drückt. Nicht nur denen in Münsingen, sondern auch den Pädagogen in Zwiefalten und Engstingen, waren doch auch Schulleiterin Sabine Heißel mit ihrer Stellvertreterin Monika Meng-Schwaibold (Münsterschule) sowie Schulleiter Uwe Stark (Freibühlschule) gekommen, ebenso die Bürgermeister Mike Münzing, Matthias Henne und Mario Storz. Eine illustre Schar – und es gab nicht nur warme Worte, sondern auch Kritik.

Röhm betonte in seiner Begrüßung, dass ihm die Realschulen sehr am Herzen liegen würden, weshalb er diese Gesprächsrunde auch initiiert habe. Mike Münzing stellte den Bildungsstandort Münsingen mit seinem breiten Angebotsspektrum vor, das von Förderschule bis Gymnasium reiche. Schulleiter Andreas Bosch und einige der Lehrer aus dem Kollegium präsentierten eine Realschule mit einen herausragenden Schulprofil, das Eisenmann ausdrücklich lobte: „Sie haben nicht ein, sondern mehrere Schulprofile“.

Die Ministerin unterstrich, dass es ihr wichtig sei, ins Gespräch zu kommen über die Frage, wo man stehe, wo konkreter Handlungsbedarf bestehe. Grundsätzlich sei Bildung vor Ort ein enorm wichtiger Faktor für die Ansiedlung von Unternehmen und Menschen. Gemeinden seien langfristig nur dann überlebensfähig, wenn sie lebendige Bildungsstandorte seien. In der laufenden Legislaturperiode sei die Stärkung der einzelnen Schularten das bildungspolitische Thema. Man habe die Schulstrukturdiskussion beendet, damit Unsicherheit aus dem Schulsystem genommen.

Eisenmann gab ein „klares Bekenntnis zur Realschule als starker und sehr beliebter Schulart“ ab. Diese sei in den vergangenen zehn Jahren zur Sandwichschule zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule geworden, weshalb es überfällig sei, sie zu stärken. In den vergangenen zwei Jahren habe man die Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 eingerichtet, den Hauptschulabschluss auch an Realschulen ermöglicht. Das sei gut angelaufen, es gebe aber noch Fragen bei der Umsetzung.

Nachholbedarf gebe es bei der digitalen Ausstattung der Schulen, räumte die Ministerin ein. Dass es jetzt vom Bund zusätzliche Mittel gebe, bezeichnete sie als längst überfällig. Umgerechnet seien es 530 Euro je Schüler. Allerdings dürfe man die Digitalisierung auch nicht zum Mantra werden lassen, Lesen nicht durch Wischen ersetzen, Bücher nicht durch den Laptop. Im Zentrum würden weiterhin Lesen, Schreiben, Rechnen und außerdem das Bilden einer eigenen Meinung stehen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Einführung des Hauptschulabschlusses und der Orientierungsstufe an Realschulen keineswegs problemlos über die Bühne geht. Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichem Niveau müssten gemeinsam unterrichtet werden. Man setze viel Energie ein, um auch Schüler mit grundlegendem Niveau (G-Niveau) mitzunehmen. In der Gustav-Mesmer-Realschule würden 87 Fünftklässler unterrichtet, von denen 15 Hauptschulempfehlung hätten. Diese Kinder hätten die Entscheidung Realschule natürlich nicht selbst getroffen, sondern deren Eltern, die dann sagen können, dass ihr Kind die Realschule besuche, so einer Lehrer. Diese Kinder seien aber überfordert, würden Schulängste entwickeln und die anderen Schüler stören. Gewarnt wurde vor der Einrichtung von „G-Klassen“ an den Realschulen: „Das sind schnell die Loserklassen“.

Welche Empfehlung denn die Lehrer bezüglich dieser Situation geben, wollte die Ministerin wissen und ob es denn richtig sei, den Hauptabschluss an Realschulen anzubieten: „Kleinere Klassen“, lautete die Antwort und mehrstimmig: „Nein“. Kleinere Klassen würden nur mit mehr Lehrern umgesetzt werden, „und die haben wir momentan nicht“, so Eisenmann. Karl-Wilhelm Röhm sagte, dass es für gute Schüler im G-Niveau die Möglichkeit gebe, nach dem Hauptschulabschluss in Klasse 9 zwei weitere Jahre an derselben Schule in vertrauter Umgebung dranzuhängen und den mittleren Bildungsabschluss zu erwerben. Thema war auch die Inklusion. Man habe deutlich mehr Kinder in der Regelinklusion als erwartet, räumte Eisenmann ein. Viele Eltern wollten nicht wahrhaben, dass ihre Kinder in bestimmten Bereichen Unterstützung bräuchten. In einer Gesprächsrunde mit den Schulleitern und Bürgermeistern ging es noch um die Aufgaben der Gemeinden. Matthias Henne berichtete von der anstehenden Sanierung des alten Realschulgebäudes, beklagte, dass Fördermittel an die Veränderung der Raumstruktur gekoppelt seien: „Wir können deshalb nur ein bisschen sanieren, statt grundlegend.“ Man habe sich an die Fördermodalitäten des Bundes angepasst, antwortete Eisenmann. Man müsse das künftig aber pragmatischer angehen, räumte sie ein.