Martin Mauser, einer der Initiatoren der Initiative, führte in die Windkraftplanungen rund um Kohlstetten ein. Bis zu 15 Windkraftanlagen könnten im Umfeld der Ortschaft nach den Planungsüberlegungen des Regionalverbands und der Nachbargemeinden Gomadingen und St. Johann entstehen. Die vom Regionalverband geplanten Windkraft-Vorranggebiete reichten bis zu 1000 Meter an den Ort heran. Als Problempunkt benannte er den geringen Abstand zur Ortschaft, die Auswirkungen auf das Orts- und Landschaftsbild, die Bereiche Wald und Erholung sowie die Überlastung der kleinen Ortschaft. Stereotypische Positionen wie „wer etwas gegen Windräder sagt, ist für Atomkraft“, seien zu kurz gedacht und führten nicht weiter. Schließlich produziere Engstingen mit Biogas und Photovoltaikanlagen 20 Prozent mehr Strom als es verbraucht. Es gehe um die Zukunftsfähigkeit von Kohlstetten.

Bis zu 240 Meter hoch

Der Landschaftsarchitekt und Landschaftsplaner Ulrich Bielefeld aus Überlingen zeigte Visualisierungen der geplanten Anlagen. Seien die ersten Generationen der Windräder bis 80 Meter  Höhe noch in die Landschaft integrierbar gewesen, sei dies bei den aktuellen Anlagen mit 200 – 240 Metern Höhe nicht mehr möglich. Diese seien Landmarken und nicht mehr zu verstecken. Nach seiner Auffassung steht bei vielen Anlagen eher die politische Wünschbarkeit als die gründliche planerische und rechtliche Aufarbeitung im Vordergrund.

Visualisierungen seien zur Ermittlung der Auswirkungen eigentlich unabdingbar und vorgeschrieben, würden aber selten gemacht oder, wie bei der vorliegenden Regionalplanung, in verharmlosender Form. Das Landschaftsbild finde kaum Berücksichtigung, obwohl eigentlich eine begleitende Landschaftsplanung vorgeschrieben sei und die Aspekte Umwelt, Natur und Landschaft auch in den gemeindlichen Planungen und in die Entscheidungen über das gemeindliche Einvernehmen bei den einzelnen Anträgen einfließen müssten und zu berücksichtigen seien. Die Entwicklungen, etwa in Bayern und anderen europäischen Ländern, gingen zu größeren Abständen von der Wohnbebauung wie die bekannte Höhe-mal zehn-Regelung in Bayern. In Baden-Württemberg  sehen die Behörden einen Abstand von lediglich 700 Meter für angemessen ansehe. Der Referent sieht bei der Umsetzung der Windkraftpläne vor allem die Gemeinden und die Gemeinderäte in der Pflicht. „Diese haben das Heft in der Hand“. Er beurteile die Alb als wertvolles Kultur- und Naturerbe, das vor weitreichender Verunstaltung geschützt gehört.

Pascal Kober, Kandidat der FDP für die anstehende Bundestagswahl, sprach in Vertretung von Andreas Glück, dem umwelt- und energiepolitischen Sprecher der FDP- Landtagsfraktion. Er beurteilt die Art der Durchführung der Energiewende kritisch. Es sei naiv gewesen, die Umsetzung der Energiewende für die Kosten von einer Kugel Eis im Monat für eine Familie zu versprechen.

Heute stehe man vor einer Schieflage des Systems, das die Stromkosten für den privaten Verbraucher wesentlich steigere und zu sozialen Verwerfungen führe. Der Industriestrom sei trotz weitreichender Befreiungen für manche Industriezweige doppelt so teuer wie in Frankreich. Das Ziel einer CO2–Reduzierung sei nicht erreicht worden, Investitionen in moderne Kraftwerke seien zum Erliegen gekommen, es sei sogar eine Renaissance der fossilen Energieträger eingetreten.

Mit seinen überhasteten und unkoordinierten Maßnahmen habe sich Deutschland isoliert und diene bereits als schlechtes Beispiel. Eine Energiewende könne nur im europäischen Zusammenhang und mit besonnenem und koordiniertem Vorgehen gelingen.

Nach einer Diskussion erklärte Mauser, es sei das Ziel, dass es auch in Zukunft Kohlstetten und den Kohlstettern gut gehen müsse. Er wies auf die Möglichkeit zur Einsichtnahme in die Planungen des Regionalverbands und zur Abgabe von Anregungen und Bedenken hin. Zu den Punkten Überlastung und Verhältnismäßigkeit für Kohlstetten, Erholung, Wald, Landschaft, Auswirkungen auf Immobilien, Licht, Schall und Infraschall liegen Textvorschläge vor. Die Bedenken können schriftlich, zur Niederschrift oder per E-Mail beim Regionalverband bis 31. Mai  eingelegt werden. swp

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Windkraftanlagen könnten im  Kohlstetter Umfeld  nach den Planungsüberlegungen des Regionalverbands und den Nachbargemeinden Gomadingen und St. Johann entstehen.