Buttenhausen Erinnerung an das Ölwunder und Walter Ott

Martin Pöt Stoldt vor dem Chanukkia-Leuchter in der Buttenhausener Ortsmitte. Heute wird die nächste Kerze bereits um 16 Uhr entzündet.
Martin Pöt Stoldt vor dem Chanukkia-Leuchter in der Buttenhausener Ortsmitte. Heute wird die nächste Kerze bereits um 16 Uhr entzündet. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Buttenhausen / SABINE ZELLER-RAUSCHER 19.12.2014
Seit Dienstag kommt in Buttenhausen für acht Tage Licht ins Dunkel: Martin Pöt Stoldt entzündete das erste Licht am achtarmigen Chanukka-Leuchter, der an das Ölwunder von vor rund 2100 Jahren erinnert.

Weltweit beginnt am 25. Tag des Monats Kislew, dem dritten Monat des jüdischen Kalenders, in jüdischen Gemeinden, das achttägige Lichterfest, das auch Chanukka genannt wird. In jüngster Zeit wird das Fest in Buttenhausen seit 2008 begangen. Martin Pöt Stoldt war es, der diese jüdische Tradition in Buttenhausen wieder zum Leben erweckte und seither auch regelmäßig pflegt.

Unterstützt hat diese Wiederbelebung unter anderem Bürgermeister Mike Münzing, Pfarrerin Marlies Haist und Walter Ott, der in Buttenhausen einen großen Beitrag in der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte leistete. Obwohl Chanukka eigentlich ein fröhliches Fest ist, bei dem Kinder Geschenke bekommen und gerne Fettgebackenes wie Berliner und Kartoffelpuffer gegessen wird, schlich sich heuer in Buttenhausen Trauer ins erhellende Fest ein.

"Einer fehlt heute", erinnerte Martin Pöt Stoldt an Walter Ott, der am 8. Dezember im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Die kleine Gemeinschaft, die zum Lichterfest gekommen war, schloss den Verstorbenen in einer Schweigeminute in ihre Gedanken ein. Zuvor entzündete Stoldt an der jüdischen Gedenkstätte in der Dorfmitte, das erste Licht am achtarmigen Chanukkia. Jedem einzelnen wurde dabei die Kraft, welche bereits ein einziges Licht in die Dunkelheit bringen kann bewusst.

Symbolisch erinnert das Licht an das Ölwunder von Jerusalem, welches der Überlieferung nach vor rund 2100 Jahren geschah. Damals wurde der jüdische Tempel von Griechen zerstört. Nachdem es gelang, die Besatzer aus dem Land zu jagen, fand sich beim Wiederaufbau des Tempels nur ein einziger Krug mit geheiligtem Öl für den großen Ölleuchter, der nie ausgehen durfte. Eigentlich die Menge für einen einzigen Tag. Wie durch ein Wunder jedoch, reichte das Öl für acht Tage aus, solange wie man für die Herstellung von neuem, geweihtem Öl gebraucht hat.

Stoldt bot den Gästen, die zum Lichterfest gekommen waren, einen Einblick in die jiddische Geschichte. Erklärte seine Gebete und seinen Gesang und bot dabei allen Interessierten, gleich welchen Glaubens, einen interessanten Einblick in eine aktive und lebendige jüdische Kultur. Bis zum 23. Dezember wird nun an jedem Chanukka-Abend jeweils um 18 Uhr ein weiteres Licht am Chanukkia entzündet, wozu die ganze Bevölkerung stets eingeladen ist.

Das vierte Licht, das am heutigen Freitag brennen wird, wird jedoch bereits um 16 Uhr entzündet, weil an Schabbat kein Feuer entzündet werden darf. An jedem Chanukka-Abend wird Martin Pöt Stoldt neben jüdischer Geschichte und jüdischen Geschichten auch Fettgebackenes dabei haben.

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