Die Klimaschutzagentur des Landkreises Reutlingen betreut acht Gemeinden, darunter zwei Städte, in der Region. Das Ziel der unabhängigen Dienstleister ist die nachhaltige Senkung von CO²-Emissionen und den bewussten Umgang mit Energie bei allen Bürgern zu stärken. Am vergangenen Mittwochabend präsentierte die Mitarbeiterin der gemeinnützigen Gesellschaft Corinna Vogt den Engstinger Ratsmitgliedern die Vorteile eines kommunalen Energiemanagements. Dieses besteht aus drei Phasen und  ist auf eine Laufzeit von drei Jahren abzuschließen. Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich derzeit mit 40 Prozent an den Beratungskosten, die sich vor Ort auf insgesamt 10 100 Euro summieren. Für zwölf Tage Beratung pro Jahr fallen 9600 Euro an, weitere 500 Euro gilt es, für die Software zu berappen. Der Zuschuss des Landes beträgt 4040 Euro. Auf die verbleibende Summe gewährt die Klimaschutzagentur einen Rabatt in Höhe von zehn Prozent, da die Gemeinde Engstingen Gesellschafter des im Jahr 2007 gegründeten Energieberaterunternehmens ist. Übrig bleiben unterm Strich 5460 Euro, die aus der Engstinger Kasse bezahlt werden müssen.

Kontrolle in drei Etappen

Der erste Baustein des Angebotes ist die Erfassungsphase, in deren Rahmen eine Bestandsaufnahme der kommunalen Liegenschaften erfolgt. Anzahl und Zweck der Gebäude werden dokumentiert, eine Übersicht der Energieträger erstellt sowie der Verbrauch von Wasser und Strom aufgenommen.  „Die Werte aus 2019 werden ebenfalls in unsere Software eingepflegt, damit wir mit Vergleichswerten arbeiten können. Anhand dieser Datensammlungen werden Ziele definiert und das weitere Vorgehen konkretisiert.

Bei der anschließenden Betriebsphase geht es insbesondere um die Analyse und Auswertung der Ablesewerte. Die Zählerstände der beteiligten Gebäude werden monatlich an die Klimaschutzagentur übermittelt. „Dies funktioniert ganz einfach über eine Handy-App. Die Geräte sind mit einem QR-Code versehen, die jeweiligen Hausmeister müssen den Zählerstand lediglich abscannen“, erläuterte Corinna Vogt den interessierten Räten. Dank der vernetzten Technik sollen manuelle Übermittlungsfehler wie etwa Tipp- oder Kommafehler vermieden und die regelmäßige Auswertung sichergestellt werden. Die dabei aufgedeckten Schwachstellen sollen dann in der Optimierungsphase angegangen werden.

„Zum Konzept gehören kleine Maßnahmen ebenso wie auch große Investitionen“, beschrieb Vogt. So seien etwa „low hanging fruits“, also zielführende Aktionen ohne großen finanziellen oder personellen Aufwand, das Überprüfen von Heizungseinstellungen und die Sensibilisierung der Nutzer. „Das Licht im Büro muss am Tag nicht brennen und auch ein wenig genutzter Drucker muss nicht den ganzen Tag im Stand-by-Modus sein“, weiß die Expertin. Investive Schritte hingegen könnten Dämmungsarbeiten an Gebäudehüllen oder der Austausch alter Heizungspumpen sein.

„Das ist der erste Baustein, um in das Thema Energiewende einzusteigen“, kommentierte Bürgermeister Mario Storz, „diesbezüglich steht man erst einmal vor einem großen Berg und weiß nicht, wo man anfangen soll.“ Ulrich Gundert interessierte sich für die Kosten einer thermografischen Begehung – diese liegen bei 30 Euro.  Samir Halabi wünschte sich eine Abschätzung des Einsparpotenzials. „Dank den verschiedenen Maßnahmen kann der CO²-Ausstoß im Schnitt um rund 20 Prozent reduziert werden. Mit dem Umstieg auf LED-Beleuchtung und Öko-Strom schafften wir sogar schon eine Halbierung der CO²-Emissionen. Planen Sie mit 15 Prozent“, erläuterte Corinna Vogt. Steffen Schmälzle hingegen konnte den klaren Vorteil des kommunalen Energiemanagement-Angebots nicht erkennen. „Wir können uns als Gemeinde auch alleine für Öko-Strom entscheiden. Knapp 6000 Euro ist eine Menge Geld, was unterscheidet die Klimaagentur von einem Energieberater?“, wollte er wissen. „Wir arbeiten punktgenau, der Energieberater mit Schätzungen. Zudem kontrollieren wir die Langzeitwerte und bringen zu den Begehungen natürlich auch immer einen Energieberater mit“, konterte Corinna Vogt.

Iris Kemmler interessierte sich für das monetäre Sparpotenzial, das Kämmerer Alexander Ott in Rekordschnelle lieferte: 15 450 Euro, also 15 Prozent der Gesamtenergiekosten 2019 in Höhe von 363 000 Euro für Öl, Wasser und Strom. Rudolf Giest-Warsewa formulierte: „CO²-Einsparung ist wichtiger als Geld“. Diesen Gedanken teilte wohl die Mehrzahl seiner Gremiumkollegen ebenfalls. Bis auf eine Gegenstimme von Steffen Schmälzle stimmten alle Gemeinderäte für die Einführung des kommunalen Energiemanagements. Beginn ist der 1. März. Der Antrag auf Fördermittel kann bis 31. März gestellt werden, die Klimaschutzagentur unterstützt bei der Antragsstellung.