Münsingen Eine Tonne Fliesen für Westafrika

Geschäftsführer Frank Zinnert (Mitte) und Fliesenverkäuferin Julia Hölz von Kemmler Baustoffe in Münsingen überreichen Karl Lamparter eine Palette Fliesen für dessen Hilfsorganisation. Der 64-Jährige holte das eine Tonne schwere Geschenk mit seinem Transporter persönlich ab und wird es in zweiwöchiger Fahrt bis nach Guinea in Westafrika bringen. 
Geschäftsführer Frank Zinnert (Mitte) und Fliesenverkäuferin Julia Hölz von Kemmler Baustoffe in Münsingen überreichen Karl Lamparter eine Palette Fliesen für dessen Hilfsorganisation. Der 64-Jährige holte das eine Tonne schwere Geschenk mit seinem Transporter persönlich ab und wird es in zweiwöchiger Fahrt bis nach Guinea in Westafrika bringen.  © Foto: Privat
Münsingen / swp 06.07.2018

Mit Sicherheit werden die gut eine Tonne Fliesen, die Karl Lamparter für seinen Hilfsverein „Side by Side“ in der Münsinger Niederlassung von Kemmler Baustoffe als Spende abgeholt hat, die ersten Kemmler-Fliesen im westafrikanischen Staat Guinea sein. Lamparter will mit ihnen eine Terrasse in einem von ihm nur mit Hilfe von Spenden aufgebauten Bildungszentrum verlegen.

„Ich finde so viel Idealismus unterstützenswert“, sagt Frank Zinnert. Der Geschäftsführer von Kemmler Baustoffe in Münsingen reagierte umgehend auf eine Spendenanfrage von Lamparter und stellte eine Palette Gratis-Fliesen für die 60 Quadratmeter große Terrasse bereit. Bei Lamparter, der das Geschenk persönlich abholte, lösten die Fliesen große Freude aus. Der 64-Jährige erklärt bereitwillig die Verwendung: „Im Hochland von Guinea regnet es sehr viel“, sagt er, „daher müssen wir die Terrasse gut fliesen“.

Seit Mitte der Siebzigerjahre organisiert Lamparter Hilfstransporte in die verschiedensten Länder der Erde. Mit Münsingen verbindet ihn auch die eigene Vergangenheit: Sein Vater stammt aus Dottingen und sein Hilfsverein „Side by Side“ hat seine deutsche Postadresse bis heute im nahen Römerstein. Lamparter selbst ist in Waiblingen aufgewachsen, war schon als Jugendlicher vom idealistischen Aufbruchsgefühl der Hippie-Zeit beseelt und wollte die Welt gemäß der einfachen Botschaft „All you need is love“ verändern.

Kaum aus der Schule fuhr er zur See. Er baute an seiner Offizierslaufbahn, als er sich nur wenige Jahre später entschied, wieder an Land zu gehen, um mit drogenabhängigen Jugendlichen zu arbeiten. Nach Stationen in Argentinien, Jugoslawien, Indonesien, Japan und in der Sowjetunion hat es den Abenteurer und Missionar 1999 mitsamt der Familie nach Guinea verschlagen.

Dort baut er mit seinem Hilfsverein „Side by Side“ in der 15 000 Einwohner großen Stadt Pita im Bergland Guineas seither im Alleingang ein Bildungszentrum auf. „Mit unseren Aktivitäten wollen wir junge Menschen motivieren und sie ermutigen, in ihrem eigenen Land etwas aufzubauen“, sagt Lamparter: „Wir wollen Wege und Möglichkeiten zeigen, wie sie sich selbst helfen und so ihr Leben verbessern können“.

Nachdem er bald zwanzig Jahre in Westafrika verbracht hat, nennt er die generelle Entwicklung des Kontinents entmutigend – sagt aber auch: „Ich habe fast alles verloren, außer meinem Glauben“. Guinea ist eine völlig andere Welt. Der westafrikanische Staat, in dem auf zwei Drittel der Größe Deutschlands nur knapp 14 Millionen, überwiegend muslimische Menschen leben, gehört zu den rasant wachsenden Ländern auf der Erde. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist unter 17 Jahren alt. Die Lebenserwartung in dem trotz seiner Bodenschätze bettelarmen Land liegt bei unter 60 Jahren. In Deutschland kennt man Guinea meist nur durch die bislang größte Ebola-Epidemie vor vier Jahren, die dort mehr als 2500 Menschenleben kostete.

Wie wichtig solche freiwillige Hilfsaktionen wie die von Lamparter sind, zeigen weitere Zahlen aus der ehemaligen französischen Kolonie, in der seit Jahrzehnten eine Militärdiktatur herrscht.

Zwei von drei Einwohnern können nicht lesen. Nur die Hälfte besucht überhaupt jemals eine Schule. Und das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt gerade einmal 50 Euro.

Seine Hilfe finanziert Lamparter ausschließlich mit Hilfe von Freunden und Sponsoren: „Ich arbeite unabhängig und gehöre keiner religiösen Organisation an“, erklärt er. Schon die Fahrt mit dem Transporter von Münsingen nach Westafrika ist ein Abenteuer der Extraklasse. Gut zwei Wochen benötigt Lamparter für die 6500 Kilometer lange Strecke, die ihn durch Frankreich, Spanien, Marokko, Westsahara und Mauretanien führt.

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