Pfronstetten Ein Verfahren jagt das andere

Pfronstetten / Von Jürgen Kühnemund 09.10.2018

Im Rathaussaal fehlte noch der Estrich, kurzerhand dirigierte Bürgermeister Reinhold Teufel Regierungspräsident Klaus Tappeser in das neue Bürgerbüro. Schließlich ist das auch ein Vorzeigeobjekt der Kommune, und zudem fertig, nachdem gestern die Möbel angeliefert worden waren. Geld gab es dafür außerdem aus dem Ausgleichsstock. Räumlich stieß man dort aber schnell an die Grenzen, hatten sich doch fast der komplette Gemeinderat und Bauhof sowie die Rathausmitarbeiter dort eingestellt.

Planer Clemens Künster machte zunächst einen Parforce-Ritt durch das Theoretische der Projekte, die man danach praktisch in Augenschein nahm. Ziel sei es, die Struktur zu erhalten, aber auch Wachstum zuzulassen. Dementsprechend müsse die Innenentwicklung ausgerichtet werden. Als Stichworte nannte Künster dazu Raumordnung, Umwelt und Naturschutz, Dorfcharakter und Landwirtschaft sowie die Nutzungskonflikte, die sich daraus ergeben. Durch die Vorgaben der Behörden, sei es nun aus dem Flächennutzungsplan oder der FFH-Gebiete,  werde es immer schwieriger, dies alles unter einen Hut zu bringen und auch den Bürgern verständlich zu machen. Zudem kosten alle zusätzlichen Verfahren Geld.

Der Regierungspräsident hörte es wohl, wies aber den versteckten Vorwurf mit Entschiedenheit zurück. „Sie stellen das so hin, als ob im ländlichen Raum nichts möglich wäre“. Man sehe aber gerade an Pfronstetten, dass in der Vergangenheit viel bewegt wurde. Bürgermeister Reinhold Teufel sprang seinem Planer da etwas beiseite. Das Zielabweichungsverfahren für das DGH Aichelau habe der Kommune einen fünfstelligen Betrag und viel Nerven gekostet.

Nach dem Eintrag ins Goldene Buch steuerte der Tross die Hüle an, die Tappeser als Schmuckstück bezeichnete, ehe CSP-Chef Harald Späth  die Gruppe empfing. Den Metallverarbeitungsbetrieb gibt es seit 13 Jahren in Pfronstetten. Zwischenzeitlich wurden zur alten Gläser-Halle zwei weitere Hallen gebaut, der Betrieb durch die Umwidmung der Straße „Im Brühlwiesen“ arrondiert. Was jetzt noch fehlt, ist die Anbindung an die B 312, „damit der Schwerverkehr aus dem Ort herauskommt“, sagte Späth. Im Übrigen auch ein dringliches Anliegen der Gemeinde. Bei der Besichtigung der künftigen Anbindung gab es aber nichts zu sehen, da der Bautrupp, der am Montag hätte anrücken sollen, schlichtweg nicht da war.

Innenentwicklung versus Denkmalpflege und Bestandsschutz der Landwirtschaft hieß es dann in Tigerfeld. Stefan Geiselhart und Monika Müller wollten dort am Ortseingang ein altes Gebäude abreißen, um ein neues Wohnhaus zu erstellen. Die Pläne waren schon weit gediehen, als das Denkmalamt zum Abriss des Ensembles aus dem Jahre 1874 nein sagte. Die Bauherren haben zwischenzeitlich umgeplant, errichten das Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Seite. Das alte Gemäuer dämmert aber weiter vor sich hin. Tappeser sieht hier durch die geplante Änderung der Landesbauordnung in Zukunft bessere Optionen für die Kommune, zumindest was die Privilegierung von Höfen angeht.

Ein kurzer Abstecher galt danach in Aichelau der Wiese, wo das neue DGH entstehen soll. Das 1,4 Millionen Euro Projekt soll 2020 in Angriff genommen werden, nachdem zwischenzeitlich das Zielabweichungsverfahren über die Bühne ist. „Sie sehen, wir haben das mit dem regionalen Grünzug in den Griff bekommen“, sagte Tappeser.

Letzte Station war Paravan. Nach einer kurzen Betriebsführung durch Firmenchef Roland Arnold ging es auch um die Teststrecke für das autonome Fahren, das Paravan auf den Kreisstraßen zwischen Aichelau, Aichstetten und Pfronstetten vornehmen will. Bislang führt das Landratsamt, laut Bürgermeister Reinhold Teufel, verkehrsrechtliche Probleme an. Dem Thema will sich nun aber Tappeser annehmen: „Das passt doch genau hierher“.

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