Heimatmuseum Ein Spiegelbild der Vergangenheit

Dank Siegfried Ziegler, Walter Späth, Fritz Müller und Heinrich Schmauder ist das Mehrstetter Heimatmuseum samt Werkstatt und Scheune für das Museumsfest bereit.
Dank Siegfried Ziegler, Walter Späth, Fritz Müller und Heinrich Schmauder ist das Mehrstetter Heimatmuseum samt Werkstatt und Scheune für das Museumsfest bereit. © Foto: Maria Bloching
Mehrstetten / Maria Bloching 12.09.2017

Siegfried Ziegler ist überzeugt: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten“. Er gehört zum Betreuerteam des Mehrstetter Heimatmuseums und kennt sich hier besser aus als in seiner eigenen Westentasche. Zu fast jedem der unzähligen Exponate kennt er die Geschichte – er weiß, woher es kommt, wem es einst gehört hat und wozu es gut war. Für Siegfried Ziegler ist das Museum ein Ort für die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Mehrstetten und mit den Traditionen der Menschen.

Als das Heimatmuseum 1988 eingerichtet wurde, war der Malermeister von der ersten Stunde an mit dabei. Heute findet der fast 80-Jährige beinahe täglich mehr als genug Arbeit: „Sachen zusammentragen, restaurieren und einen Platz dafür finden“, lacht er. In Walter Späth, Fritz Müller, Heinrich Schmauder, Gerhard Artes und Gerhard Reutter hat er engagierte Mitstreiter gefunden. Die fleißigen Rentner treffen sich regelmäßig zu Arbeitseinsätzen, sie setzen alte Geräte instant und machen sie wieder gangbar, sie bauen, werkeln und natürlich kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Sie sind sich einig darin, dass das alte Handwerk, die alte Technik, die Lebens- und Arbeitsweise früherer Generationen nicht in Vergessenheit geraten dürfen und tun alles dafür, die Vergangenheit erlebbar werden zu lassen.

So wird das Museumsfest am kommenden Sonntag Jung und Alt das Leben aus vergangenen Zeiten wieder eindrucksvoll vor Augen führen und deutlich machen, dass in der „guten alten Zeit“ schwer gearbeitet und karg gelebt werden musste.

In der Wagner- und Schmiedewerkstatt wird gehämmert und geschmiedet, ein Drechsler zeigt ebenso wie ein Schneider, ein Schuhmacher, ein Weber, ein Besenbinder und ein Holzschnitzer die alte Handwerkskunst praktisch auf. Dabei soll ebenso wie bei Führungen durch das Heimatmuseum auf drei Stockwerken erkennbar werden, dass vor vielen Jahrzehnten die technischen Grundlagen für heutige Entwicklungsfortschritte gelegt wurden. „Ich höre immer wieder, wie Besucher erstaunt feststellen, dass die Menschen früher alles andere als dumm waren“, erzählt Ziegler, der immer wieder Führungen macht und dabei viel zu erzählen hat. „Alles was wir heute haben, wurde uns vorgemacht. Immer noch können wir aus der Vergangenheit lernen“, ist er überzeugt.

Einst stand zunächst der Zweck eines Gegenstandes oder einer Maschine im Vordergrund. Die vielfältigen und aufwändigen Verzierungen jedoch zeigen, dass man auf das, was man hatte, stolz war und es wertschätzte. „Heute muss es nur noch schnell und laut zugehen. Das Gefühl, der Bezug und das Verständnis für einzelne technische Schritte fehlen, die Wertschätzung für Sinn und Nutzen ist uns verloren gegangen“, bedauert Ziegler. Ihm liegt es am Herzen, jungen Generationen von früher zu erzählen: „Unsere Wegwerfgesellschaft soll erkennen, dass man damals vieles ohne Maschinen in viel Handarbeit hergestellt und es über mehrere Generationen hinweg mühevoll erhalten hat“.

Sammelsurium in der Scheune

Möbel und Kleidung, Küchenutensilien und Bilder, Spinnräder und Webrahmen, Pferdegeschirr und Rupfensäcke, Werkzeuge und Maschinen – all dies gibt es reichlich und wunderschön präsentiert im Mehrstetter Heimatmuseum zu bestaunen. Und auch die Scheune wurde zwischenzeitlich so ausgebaut, dass hier ein riesiges landwirtschaftliches Sammelsurium Platz findet.

So wird das gesamte Museumsensemble zu einem Spiegelbild des ländlichen Lebens in der Vergangenheit und bei der Betrachtung mag der Besucher kaum glauben, dass manche von diesen vielen Gebrauchsgegenständen aus dem bäuerlichen und handwerklichen Alltag noch vor 50 Jahren in fast jedem Haushalt zu finden waren.

Eigens für das Museumsfest am kommenden Sonntag wurden vier Vitrinen aufgestellt, in denen Heinrich Schmauder seine private Sammlung alter Blechspielzeuge aus den vergangenen 100 Jahren zeigt. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt.