Die drei jungen Frauen schaffen auf der Ferienanlage Hopfenburg, haben dort "einen Arbeitsplatz, der auf sie zugeschnitten ist", sagt Renate Mrusek vom Eltern-Netzwerk der Lebenshilfe Reutlingen. Das ist der Anspruch der drei Partner, die sich zum Inklusionsprojekt zusammengetan haben. Das sind neben dem Verein natürlich die Hofgut-Chefs Anna-Maria Jenny und Andreas Hartmaier als Arbeitgeber sowie seit einem halben Jahr die Samariterstiftung, die als Träger die BruderhausDiakonie abgelöst hat.

Denn schon beim Aufbau der Hopfenburg haben sich Eltern-Netzwerk und Betreiber gefunden. "Wir hatten alles, was das Biospährengebiet in Sachen Natur forderte auf dem Plan, aber die soziale Komponente fehlte", so Hartmaier. Und die Mitglieder des Eltern-Netzwerks wiederum waren auf der Suche nach Perspektiven für ihre Kinder mit Handicaps. Auch nach der Schule sollten sie "an der Gesellschaft teilhaben, einen Arbeitsplatz mit sinnvoller Tätigkeit finden", sagt Renate Mrusek. "Wir haben uns viele Projekte angeschaut, nichts passte wirklich." Das hat es dann mit der Hopfenburg. Die, so Mrusek, biete "eine Vielfalt an Möglichkeiten". Vor allem sei wichtig, "dass die Arbeit dort passend für den Menschen gemacht wird - und nicht umgekehrt". Schnell wurde klar, dass sich das bei allem ehrenamtlichem Engagement, auch durch den inzwischen gegründeten Förderverein, nicht stemmen lässt, professionelle Hilfe musste her. Als Träger stieg deshalb die BruderhausDiakonie ein. Sozialarbeiterin und Heilpädagogin kümmerten sich um die Ausbildung der jungen Frauen und Männer.

Die ist aufwendig, geht langsam, braucht viel Training bis alle Handgriffe sitzen. Als Unterstützung haben die beiden Pädagoginnen Brigitte Bitzer und Stefanie Glöser jetzt bebilderte Anleitungsbücher angefertigt. Die sind ganz konkret auf jeden einzelnen Arbeitsplatz zugeschnitten, zeigen in kleinen Schritten auf, was zu tun ist.

"Viel", sagen die jungen Frauen, zum Beispiel beim Putzen eines Schäferwagens. Zwei Stunden etwa brauchen sie, bis er wieder tiptop hergerichtet ist, die Endkontrolle alles für gut befunden hat. Im Laufe der Zeit, so Brigitte Bitzer, "werden sie immer schneller und natürlich auch selbstständiger". Außerdem sind die inzwischen neun jungen Mitarbeiter mit Behinderung stolz auf das, was sie leisten, stolz darauf zum Hopfenburgteam zu gehören.

Einer davon ist Dominik. Er kam mit Schreinererfahrung, wurde in der hauseigenen Werkstatt, zum Beispiel beim Restaurieren der Zirkuswagen, eingesetzt. Schnell stellte sich aber heraus, "dass ihm das nicht wirklich lag" so Hartmaier. Der junge Mann ist sehr kontaktfreudig, betreut inzwischen den Hofladen, "er ist dafür die Idealbesetzung", sagt Anna-Maria Jenny.

Diese vielen Möglichkeiten gefallen auch Britta Lucas. Sie ist Leiterin der Werkstatt auf der Schanz, die zur Samariterstiftung gehört, bei der die jungen Beschäftigten formal mit einem Werkstattvertrag angestellt sind. Die Hopfenburg ist für Lucas aber kein klassischer Außenarbeitsplatz, "sondern ein Platz mitten im Leben". Sie weiß, "dass solche Arbeitsmöglichkeiten rar gesät sind". Denn so etwas "suchen wir auch aus unseren Werkstätten heraus". Für die behinderten Menschen sei es schwierig, außerhalb der Schanz auch bloß ein Praktikum zu bekommen. Mit der neuen Zusammenarbeit gibt es da nun auch neue Chancen - über einen Einsatz in der Landwirtschaft, im Gastrobetrieb, im Handwerksbereich. Lucas jedenfalls findet das Inklusionsprojekt "phänomenal und absolut unterstützenswert". Das geschieht zum Beispiel durch gemeinsame Bildungs- und Kulturprogramme. Dazu gehört ein Trommelworkshop, aber auch eine Fortbildung im Service, in den die jungen Frauen gerne einsteigen möchten. Genau das gefällt Renate Mrusek: "Wir wollen Partner, die mit uns etwas Neues denken und entwickeln, da gibt es noch viel zu tun."