Hayingen Ein Krimi mit hochaktuellem Thema

Tattoos zieren seine kräftigen Oberarme: Der gebürtige Hayinger Ralf Schmidt hat seinen ersten Krimi geschrieben: „Kreuz & Chrom“ ist im Aufbau-Verlag erschienen.
Tattoos zieren seine kräftigen Oberarme: Der gebürtige Hayinger Ralf Schmidt hat seinen ersten Krimi geschrieben: „Kreuz & Chrom“ ist im Aufbau-Verlag erschienen. © Foto: Privat
Hayingen / Von Reiner Frenz 07.12.2018

Er fährt Harley, hält sich an keine Regeln und ist der beste Ermittler der Stadt: Der erste Teil dieses Satzes, der Untertitel des Romans „Kreuz & Chrom“ ist, trifft auf den Autor zu. Ralf Schmidt ist leidenschaftlicher Harley Davidson-Fahrer, hat drei der edlen und kultigen US-Bikes in seiner Garage in Eitensheim bei Ingolstadt stehen. Vor wenigen Wochen ist der Krimi-Erstling des gelernten Kfz-Mechanikers im renommierten Berliner Aufbau-Verlag erschienen.

Wie es dazu kam – die Schriftstellerei war ihm ja nicht in die Wiege gelegt worden –, berichtet der gebürtige Hayinger im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Vater hatte bei WMF in Hayingen gearbeitet, später als Lkw-Fahrer bei einer Baufirma und im Fernverkehr, die Mutter des 50-Jährigen war Kindsmagd beim Tierarzt und Näherin und arbeitete 15 Jahre lang bei der WMF. Eine Arbeiterfamilie also, in der Ralf Schmidt und seine drei Geschwister aufwuchsen. Schmidt lernte nach absolvierter Hauptschule das Kfz-Mechaniker-Handwerk beim Autohaus Bässler. Mit 16 konnte er das erste Moped sein eigen nennen, was seinen Radius ums Städtchen deutlich vergrößerte: „Ich wollte so bald wie möglich wegkommen aus dem Flecken“, erinnert sich Schmidt. Schon mit 20 Jahren zog es ihn nach Köln auf die Technikerschule, wo er Kfz-Techniker lernte.

Fahrschule im Osten

Es war die Zeit des Mauerfalls, der Wiedervereinigung: „Ich wollte dann mit einem Kumpel Ostdeutschland anschauen, bin hängengeblieben und habe zwei Jahre lang eine Fahrschule betrieben und Gebrauchtwagen verkauft“. Der unruhige Geist blieb aber nicht lange, kam 1993 nach Hayingen zurück, wo er bei der Firma Eppensteiner als Werkstatt-Meister arbeitete. Es war Stadtfest, als er von einer ganz anderen Party spät abends heimkehrte. Im Hof stand ein fremdes Auto, eine junge Frau erklärte ihm, sie sei eine Kollegin seiner Schwester und habe deshalb dort parken dürfen. Man kam ins Gespräch und wenige Wochen später zog Ralf Schmidt nach Pfullingen zu seiner späteren Frau Annette und deren dreijährigen Sohn Max.

Damit einher ging die neuerliche berufliche Umorientierung. An der Handwerkskammer Stuttgart wurde Ralf Schmidt Ausbilder für Kfz-Technik, gab nebenbei abends Seminare etwa zur Dieseldiagnose. Der Verdienst freilich hielt sich bei diesem Job in Grenzen, so wechselte er 1998 zu IVM-Engeneering in Stuttgart, wohin er mit seiner Frau jetzt auch zog. Die Firma war in der Softwareentwicklung für Diagnosegeräte für Mercedes tätig.

Zwei Jahre später der nächste Wechsel, jetzt zu Audi nach Neckarsulm, wo Ralf Schmidt in der Ausbildung tätig war, begehrtes Wissen etwa über die S-Klasse mitbrachte. 2002 sollte der bis dato letzte Wechsel erfolgen, ein firmeninterner nach Ingolstadt. Damals kam der neue A8 auf den Markt und Ralf Schmidt sollte die Audi-Partner trainieren. Seit 2006 ist er für das deutsche Training zuständig, sorgt dafür, dass die sechs Audi-Trainingszentren funktionieren.

Soweit der Beruf, in dem es der Hauptschüler durch beharrlichen Fleiß weit gebracht hat.

Bohlen ist schuld

Dass er jetzt begonnen hat, zu schreiben, daran seien zwei Leute schuld: Sein ehemaliger Hauptschullehrer und Dieter Bohlen, lacht Ralf Schmidt. Schon in der Schule habe er gerne Aufsätze geschrieben, war dem Lehrer durch seinen guten Stil aufgefallen, der ihn damals schon ermunterte für Kinderzeitschriften zu schreiben. „Er meinte, ich habe Talent“, erinnert sich der gebürtige Hayinger. Schmidt hatte damals in seiner Freizeit aber Besseres zu tun, so dass darauf erst einmal nichts wurde. Jetzt kommt Bohlen ins Spiel. Zusammen mit seiner Frau Annette hatte Ralf Schmidt an einem Samstagabend DSDS geschaut. „Da trat ein Typ auf, der singen konnte wie ein junger Gott zugleich aber ein fauler Hund war“, so Schmidt. Den habe Dieter Bohlen zusammengestaucht, weil er sein Talent vergeude. Am nächsten Tag sei dies beim Spaziergang mit dem Hund nochmals Thema gewesen. „Ich habe meiner Frau gesagt, dass viele Leute gemeint hätten, ich hätte das Talent zu schreiben“. Letztlich habe er in diesem Moment beschlossen, ein Buch zu schreiben, blickt Schmidt zurück.

Wenn Ralf Schmidt ein Thema anpackt, dann gründlich: „Ich habe mich intensiv mit dem Schreiben auseinander gesetzt, Seminare besucht, gelernt, wie man Dialoge schreibt und vieles mehr. Als einer von nur 12 Auserwählten konnte er ein vom Verlag Bastei Lübbe veranstaltetes Seminar mit dem Bestseller-Autor Andreas Eschbach (“Das Jesus-Video“) besuchen. Eineinhalb Jahre lang absolvierte er per Fernstudium eine Schreibschule, erlernte das Schreib-Handwerk von der Pike auf, denn Kreativität alleine führt nicht ans Ziel, wie er inzwischen erfahren hatte.

Nach einem Übungsbuch hatte er das Gefühl, soweit zu sein und fing nun ernsthaft an, ein Buch zu schreiben, wobei er seine Frau Annette stets als sehr kritische Leserin an der Seite hatte: „Lob ist nett, hilft aber nicht weiter im Leben und beim Schreiben“, weiß Ralf Schmidt. Einen Krimi wollte er schreiben, allein schon, weil er selbst nur solche Bücher gern liest, die gut geschrieben und spannend sind. Aber nicht irgendeinen Lokalkrimi, wie sie seit Jahren aus dem Boden sprießen, nicht einen der sich wie die düsteren skandinavischen Krimis liest und auch nicht einen der typischen deutschen Krimis mit einem Protagonisten, bei dem es mehr um dessen psychologische Probleme geht als um den Spannungsbogen.

Ralf Schmidts „Held“ heißt Jan Schröder war einmal als verdeckter Ermittler tätig, ehe er sich nach dem ungeklärten Tod seiner Frau bei einem Verkehrsunfall zur Mordkommission versetzen lässt. Ganz bewusst lässt Schmidt es im Unklaren, wo diese angesiedelt ist. Seine Städte und Dörfer sind anonym. Da lenken keine Schilderungen von lokalen Eigenheiten ab vom Thema. Und das ist hochaktuell, geht es doch um Missbrauch an Kindern, um die zweifelhafte Rolle der katholischen Kirche. Schmidt: „Mir hat die Thematik zugesagt, weil wir es da mit der größtmöglichen Differenz zwischen Moralanspruch der Kirche und den Verbrechen an den Kindern, die sich nicht wehren können, zu tun haben“.

Doch, wie kommt man als Neuling an einem Verlag, zumal an einen namhaften? Andreas Eschbach habe ihm den Tipp gegeben, sich an eine Agentur zu wenden, ohne die man praktisch keine Chance habe. An 20 solcher Agenturen habe er sein Buchexposé geschickt, sagt Schmidt. Die Literarische Agentur Gaeb meldete sich bei ihm, eine, die zu seinen Favoriten gezählt hatte. Sie nahm Schmidt unter Vertrag und sorgte für ein gründliches Lektorat seines Buches. Der Spannungsbogen wurde perfektioniert, sprachliche Korrekturen ausgeführt, bis es soweit war, und die Agentur Schmidts Erstling Verlagen anbot. Es gab tatsächlich mehrere Verlage, die Interesse bekundeten. Letztlich entschied sich Ralf Schmidt für den Aufbau-Verlag, weil der gleich zwei Bücher kaufen wollte. Inzwischen ist auch der zweite Krimi mit Jan Schröder als Ermittler fertig und wird im nächsten Jahr erscheinen, am dritten arbeitet der Autor bereits.

Zweiter Krimi ist fertig

Beruf und Schreiberei? Früh morgens, um 6 Uhr, beginnt Ralf Schmidt in seinem Arbeitszimmer mit dem Schreiben, arbeitet ein bis eineinhalb Stunden konzentriert, bringt die Ideen zu Papier, die ihm zuvor gekommen waren, sei es in einer langweiligen Konferenz oder beim Wachwerden. Danach fährt er nach Ingolstadt zur Arbeit.

Wieviel Ralf Schmidt findet sich in Jan Schröder? „Die Harley und die Tattoous“, gibt er lachend Auskunft. Außerdem trinkt er auch gerne Cola light. Ganz bewusst sollte es kein Polizist sein, der säuft, wie in fast allen Krimis sonst.

Info Ralf Schmidt wird am Freitag, 14. Dezember, aus seinem Krimi „Kreuz & Chrom“ lesen, und zwar ab 19.30 Uhr im ev. Gemeindehaus in Hayingen.

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