Chanel, Armani, Versage, Joop, Lagerfeld und Dior war gestern, jetzt bestimmt „KGH-Design“ den Modemarkt. Vielleicht eine der Schlagzeilen in den nächsten Jahren. Wer weiß schon, der Anfang zumindest ist durch das Projekt „Mode-Inklusiv“ bereits gemacht. Dies ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Metzinger Modeschule und der Karl-Georg-Haldenwangschule.

Den Anstoß zum Projekt gaben eigentlich ganz normale Kinder auf dem Spielplatz, die deutliche Berührungsängste gegenüber Anouk zeigten. Anouk ist ein lebensfrohes Mädchen, das mit dem Down-Syndrom auf die Welt kam.  Die etwas andere Gen-Zusammensetzung sollte in heutiger Zeit eigentlich keine Besonderheit mehr, die Berührungsängste hervorruft sein. Ist es aber, wie Anouks Mutter Sabine Düx immer wieder auf dem Spielplatz erfahren muss. „Diese Berührungsängste müssen einfach abgebaut werden“, ist Sabine Düx fest entschlossen.

Pfiffige Ideen

Bei ihren Überlegungen über das Wie, kam ihr als Lehrerin an der Modeschule Metzingen und als Mutter einer KGH-Schülerin unter anderem die zündende Idee zum Kooperationsprojekt. „Eine klasse Idee“, sind sich zwischenzeitig alle Beteiligten einig. Sowohl die angehenden Modedesignerinnen als auch die teilnehmenden Schüler mit Handicap. „Wir waren am Anfang schon skeptisch und brachten einige Berührungsängste mit“, gestehen die beiden 23-jährigen Modeschülerinnen Raika und Franziska, und ergänzen: „Wir haben bislang in den vielen Jahren unserer Schulzeit zwar alles Mögliche gelernt, aber noch nie, wie man mit behinderten Menschen umgeht“.

Kevin, ein pfiffiger Schüler der KGHS mischt sich höflich ins Gespräch ein und fragt: „Warum haben so viele Leute vor Menschen mit Handicap eigentlich Berührungsängste? Ein Handicap ist doch nichts Böses!“ Kevin hat es schon lange erkannt, viele der Modeschüler erst jetzt, was sie als klare Bereicherung in ihrem Leben betrachten.

Die Schirmherrschaft für das Projekt übernahm Model-Agent Peymann Amin, dessen Bruder wie Anouk mit dem Down-Syndrom lebt. Mode und Handicap: eine Thematik, die bislang in der Modewelt wenig oder kaum Raum einnimmt. Als Kunden werden Menschen mit Handicap oftmals nicht ernst oder erst gar nicht wahrgenommen und im Design- und Produktionsbereich galten Menschen mit geistiger Behinderung bislang als kontraproduktiv.

Falsch gedacht, wie sich beim Mode-Inklusiv-Projekt zeigt. Trotz ihrer geistigen Behinderung, vielleicht auch gerade deshalb, sprudeln die Schüler der KGHS geradezu vor Ideen, die auf dem kommenden Modemarkt möglicherweise wie eine Bombe einschlagen könnten. Philipp zum Beispiel steht total auf rosaroten Plüschstoff, Deborah liebt weiße Spitzen und Manuel hingegen schätzt eher die klassische Variante. Unter dem Gesichtspunkt „modisches Upcycling“ fließt nebenbei auch noch eine lobenswerte Umweltschutzmaßnahme ins Projekt rein, die aus alter Jeanskleidung lässige Streetwear macht. Hinzu kommen fetzige T-Shirts mit individuellen Druckdesigns, die von den Schülern entworfen wurden. Gearbeitet wird in Dreiergruppen, wobei auf zwei Modeschüler ein Schüler aus der KGH-Schule kommt. Wer den Kreativgruppen über die Schulter schaut, erkennt schnell, dass es sich beim Projekt nicht um eine bloße Beschäftigungstherapie für behinderte Jugendliche handelt, sondern um etwas mit Hand und Fuß, was möglicherweise sogar in Produktion gehen wird. Vom Team um Sabine Düx ist zumindest schon angedacht, bei der Modeindustrie oder bei verschiedenen Modegeschäften anzuklopfen, um die Kollektion möglicherweise großflächig auf den Markt zu bringen.

Der erste Termin steht

Fest steht bereits, dass die Kollektion am 20. Mai in Frankfurt beim Down-Sportlerfestival präsentiert wird, wobei sich allesamt ob mit oder ohne Handicap bei den Vorbereitungen zur Präsentation  ordentlich ins Zeug legen müssen. Unterstützt wird das Projekt mit 14 220 Euro durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg und der Holy AG.