Sinnlich oder gar übersinnlich? bildete das zentrale Thema des großartigen Frühjahrskonzertes der Lautertalmusikanten – nahezu übersinnlich war der dreistündige Augen- und Ohrenschmaus, bei dem die Besucher mit Ausflügen in musikalische Parallelwelten verzaubert wurden. Zurücklehnen, genießen und die Musik in allen Facetten erleben, lautete die Devise.

Geprägt von durchweg anspruchsvoller Blasmusikliteratur präsentierte sich das Repertoire des Ensembles. So erlebten die zahlreichen Zuhörer Musikerinnen und Musiker, die ebenso durch ihre Spielfreude wie durch ihr harmonisches Zusammenspiel überzeugten und als Glanzlicht von Amateurorchestern auf der Schwäbischen Alb exzellente symphonische Blasmusik zum Besten gaben. Die Erwartungen der Besucher wurden bei weitem übertroffen: Bombastisch und gewaltig, furios und atemberaubend, präzise und dynamisch brachten die 50 Dapfener Musikanten ihr Publikum zum Schwärmen.

Die Kapelle trat mit beispielhaften Einsätzen, akkurat ausgehaltenen Zäsuren und harmonischer Dynamik als homogene Musikeinheit auf. Eine Folge der hervorragenden Disziplin, mit der die Musiker, darunter herausragende Solisten, dem souveränen Dirigat von Dirk Holder folgten. Und das wiederum war die Basis für die emotionalen Höhen und Tiefen, die vielfältigen Klangbilder, von denen sich das Publikum in der ansprechend geschmückten proppenvollen Festhalle verwöhnt sah.

Die Reise durch die große Epoche konzertanter und populärer Blasmusik wurde mit „Atlantis“ einer sagenumwobenen Insel, die nach Platons Sage innerhalb eines Tages im Meer versunken sein soll, mitreißend und kraftvoll koloriert eröffnet und mit der berührenden Pop-Ballade „My Dream“, bei der Alexander Knoll als Solist am Flügelhorn brillierte, fortgesetzt. Nach dem wunderbar interpretierten musikalischen Vaterunser „Baba Yetu“ folgte das „Highlight“ des Abends mit „Moana“, bei dem das Publikum energiegeladen und schwungvoll auf eine Abenteuerinsel entführt wurde und Romy Holder als Gesangssolistin mit ihrer wunderschönen Stimme für Gänsehautfeeling sorgte. Mit dem eher melodiösen Konzertmarsch „Sympatria“ aus der Feder von Thomas Asanger, wurde auf musikalische Weise das Thema Heimat interpretiert. Weiter ging‘s im Zweivierteltakt mit der Polka „Zeitlos“ und für einen zusätzlichen Höhepunkt sorgte Felix Eckhardt mit seinem Tuba-Solo bei dem Stück „Steamboat Stomp“ aus der Feder von Marcel Saurer.

Überhaupt scheint Dirk Holder, der das Konzertprogramm zusammenstellte, einen übersinnlichen Draht zu ansprechenden Komponisten zu haben. Lebensfreunde pur verströmte der Welthit „Pata Pata“ von Miriam Makeba, ein rhythmischer und eingängiger südafrikanischer Tanz und durch beschwingtes Spiel, bei dem das Orchester auch diverse schwierige Passagen bravourös meisterte, wurden vereinigte Erfolgshits aus dem Medley „Spirit of 69“ zum absoluten Ohrenschmaus. Mit „Wake Me Up“ eine Marschformation des schwedischen Musikproduzenten Avicii, präsentierte das Orchester ein grandioses Finale, bei dem die jungen Schlagzeuger Tom Holder und Jan Wagner ihren großen Auftritt hatten. Als Zugabe durften die Gäste per Abstimmung den beliebtesten Titel wählen. Dabei ging die Marschformation „Wake Me Up“ als Favorit hervor, die abermals mir großer Spielfreude vor generationenübergreifendem Publikum zu Gehör gebracht wurde.

Dass die Youngsters auf dem besten Wege sind, in die Fußstapfen der „Großen“ zu treten bewiesen 35 Nachwuchstalente und neun Flötenspieler, unter Leitung von Nicole Dorow, zu Beginn des Konzertes. Sie gaben einfach alles um ihrer Stabsführerin an diesem Abend ein Geburtsgeschenk zu machen. Mit großartigem Blasorchesterklang öffneten sie vielfältige Bilder von Afrika bei der „Afrikan Suite“ und ließen mit dem besinnlichen Stück „Friends for Life“ von Dizzy Stratford Ruhe und Besinnung einkehren. Der kontrastreiche Gegensatz in „Trumpet Rock“ von Luigi Di Ghisallo wurde eindrucksvoll dargeboten, wobei sowohl die getragenen Melodien ebenso wirkungsvoll intoniert wurden wie die schnellen und kräftigen Passagen. Takt- und Rhythmuswechsel als spielerische Hürden überwanden die Nachwuchsmusiker scheinbar mühelos und wurden mit tosendem Applaus für ihren Auftritt belohnt, den sie zum Schluss mit der Ballade „Albatros“ honorierten. Mit einem perfekten Auftritt und sehr viel Schwung, stellte sich dann noch die neu gegründete Percussiongruppe den Gästen vor.

Charmant mit Informationen zu den Werken wurde das Publikum bei den Aktiven von Carolin Stooß und beim Nachwuchs von Nick Bähre versorgt. Auch wenn sich das Moderieren bei den Blaskapellen in den vergangenen Jahren so eingespielt hat, darf den Dapfener Musikern zugesprochen werden, dass manches Werk in seiner Interpretation durchaus auch ohne verbale Einführung beim Publikum die innewohnenden Klangbilder ausgelöst hätte.

Ehrungen langjähriger Mitglieder


Heinz Eberhardt vom Blasmusikverband Neckar-Alb freute sich, gemeinsam mit Yvonne Nägele, Vorsitzende des Musikvereins, im Rahmen des Konzertes zahlreiche Mitglieder ehren zu können, darunter Gerhard Stooß, der seit einem halben Jahrhundert dem Verein in allen Sparten treu zu Seite steht. Für seine vorbildliche Funktion wurde ihm die Ehrennadel mit Diamant ans Revers geheftet. Mit der Fördermedaille in Gold mit Diamant wurde Jugendleiterin Nicole Dorow für 25 Jahre ausgezeichnet. 15 Jahre im Ausschuss ist Frank Weisenburger, hierfür gab‘s Silber. Für 20 Jahre musizieren im Verein wurden Katrin Elbel, Marietta Manz, Carolin Stooß und Markus Stoß sowie für zehn Jahre Aylin Dorow, Tom Holder, Michael Rehm und Sabrina Schmelcher gewürdigt.