Es ist eine komplexe Sache, über die eigentlich kaum gesprochen wird: das Mähen von Äckern und Wiesen. Was leicht klingt, ist für viele Landwirte eine diffizile Angelegenheit. Es gilt viele Faktoren zu berücksichtigen, einer davon sind Rehkitze. Sie werden von ihren Müttern in das hohe Gras gelegt, um sie vor Fressfeinden zu schützen. Die Tiere sind teilweise erst eine Woche alt und bleiben reglos liegen, wenn sich jemand nähert. Und hier birgt sich die Gefahr: „Man sieht sie einfach nicht“, erklärt Landwirt Frank Geiselhart, der daher nach einer Lösung gesucht hat.

Kurs in der Schweiz

Beim Mähen kommt dann aber oft die traurige Erkenntnis, dass sich trotz Absuchen noch Tiere im Gras befunden haben. „Es ist kein Vergnügen und kein Landwirt macht das absichtlich“, verdeutlicht der Ehestetter die Situation. Im vergangenen Jahr habe er extra so spät wie möglich gemäht, um nicht doch ein Rehkitz zu „vermähen“, aber es gelang dem Landwirt nicht.

Dafür brachte ihn eine andere Situation auf eine Idee: Es ging um einen Wildschweinschaden, der zufällig durch Luftbilder dokumentiert wurde. Geiselhart dachte an das Problem mit den Rehkitzen und er beschloss, sich eine Drohne zu kaufen. „Ich habe mir dafür ein Einsatzgebiet gesucht“, erklärt der 46-Jährige. Seit dieser Saison hilft Geiselhart nun dabei, die Felder nach Rehkitzen abzusuchen.

Geiselhart nahm Kontakt zur Rehkitz-Rettung in der Schweiz auf, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Im April ging es dann für ihn in das Nachbarland. Hier besuchte er einen Kurs, der die richtige Handhabung, die Planung von Flügen, rechtliche Vorschriften und Übungen beinhaltete. Der erste Drohnenflug erfolgte am 13. Mai. Hier konnte Geiselhart direkt Rehkitze retten. Durch die Wärmebildkamera waren die kleinen weißen Punkte auf dem Display zu sehen, nun mussten sie gefunden werden. „Das Gras ist teilweise tischhoch, da läuft man an den Tieren vorbei“, erklärt Geiselhart. Die Drohne fliegt zudem in einer Höhe von 50 Metern, die Linse hat eine Streuung von 30 Metern.

Positive Rückmeldung

Doch bevor sich Geiselhart als Drohnenpilot in der Nachbarschaft einen Namen machte, musste ein wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden. Anfänglich seien die Jäger etwas verhalten gewesen, aber nachdem klar war, welchen Nutzen die Drohne hat, war das kein Thema mehr. Seine landwirtschaftlichen Kollegen seien hingegen von dem Angebot überzeugt gewesen. „Die Landwirte wollen eine Lösung“, betont Geiselhart. Der einzig sichere Weg sei momentan mit einer Wärmebild-Drohne alles abzufliegen. Teilweise zwei Mal täglich war der 46-Jährige zwischen dem 22. Mai und 17. Juni unterwegs, um Äcker, Felder und Wiesen zu überfliegen. „An einem Tag haben wir 21 Kitze rausgeholt“, erzählt er stolz.

Die Tiere wurden unter eine umgedrehte Obstkiste gelegt. Die Kiste musste dann beschwert werden, damit die Rehkitze nicht hinauskommen und wieder ins Feld laufen. „Man ist aber nie unbeobachtet“, ergänzt der 46-Jährige. Im Gebüsch raschele es immer, die Ricken würden ein Auge auf ihre Kitze haben. Insgesamt wurden so in Ehestetten und Umgebung 135 Rehkitze gefunden. Von denen gut die Hälfte in den Boxen für die Zeit des Mähens untergebracht wurden. Allein das ist für Frank Geiselhart ein Ansporn weiterzumachen. Viel Fläche bedeute eben auch, viele Leben zu retten, verdeutlicht er. Mit einem Augenzwinkern merkt der 46-Jährige an, dass aber auch eine gewisse Faszination für das Drohnenfliegen mit im Spiel sei.

Mehr in der Printausgabe

Die vollständige Geschichte über die Rehkitzrettung per Drohne lesen Sie in den Printausgaben des Münsinger Alb Bote, des Metzinger-Uracher Volksblattes und der Reutlinger Nachrichten.

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Rehkitze sind durch die Aufnahmen mit der Wärmebildkamera ausfindig gemacht worden. Etwa die Hälfte der Tiere konnten in Sicherheit gebracht werden, die anderen liefen weg.