Münsingen Durchblick mit Duft: Die Biosphärenbrille

Im Bügel Einlegeplättchen aus Wacholderholz, die poliert werden mit duftendem Bienenwachs - fertig ist die Biosphärenbrille. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Im Bügel Einlegeplättchen aus Wacholderholz, die poliert werden mit duftendem Bienenwachs - fertig ist die Biosphärenbrille. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
ULRIKE BÜHRER-ZÖFEL 29.01.2014
Brille mit Duftnote? Das gibts. Nennt sich Biosphärenbrille und riecht nach Alb. Jede ist ein Unikat und praktisch 100 Prozent Baden-Württemberg. Jetzt soll sie international vermarktet werden.

Wie duftet die Alb - natürlich leicht herb und nach Wacholder. Eben wie die Biosphärenbrille. Und so kommt der Wacholder in die Brille: In die Brillenbügel wird ein Stück Wacholderholz eingearbeitet, mit Bienenwachs, versetzt mit Wacholderöl, behandelt - und der "dufte Durchblick" ist fertig.

Klingt eigentlich einfach, ist es aber natürlich nicht. Denn von der Idee - die hatte der Münsinger Optikermeister Thomas Gut, auf der Suche nach einem Biosphärenprodukt das nichts mit Essen und Trinken zu tun hat - bis zum fertigen Produkt brauchts viele Schritte. Und Mitstreiter, die Lust haben zu tüfteln und auszuprobieren. Denn die Biosphärenbrillen spuckt nicht die Maschine aus, sondern es sind Handwerksstücke - alles Unikate.

Am Anfang jedenfalls, so Gut, stand die Albtraufbrille - made in Riederich - also auch aus dem Ländle. Das Gestell aus italienischem Acetat, stellt Markus Messerschmidt in vielen Formen und Farben her. Schon an sich eine gute Sache, meint Gut, die könnte mit Alb-Pep noch besser und unverwechselbarer werden. Veredelung ist das Zauberwort: Schickes Design mit regionalem Material. Einleger aus Holz für die Bügel sollten das Markenzeichen für die Biosphärenbrille werden, Wacholder "mit seiner tollen Maserung" schien Gut dafür das richtige Holz.

Und da kommt der zweite Handwerker ins Spiel: Thomas Mayer von der gleichnamigen Schreinerei in Buttenhausen. Er sägt aus gut getrocknetem Lautertal-Wacholder hauchdünne Blättchen. Die werden von Gut und seinen Mitarbeitern dann passgenau in zuvor aufgefräste Stellen in die beiden Brillenbügel eingelegt. Wer kauft, der hat die Wahl bei den Intarsien: hell oder dunkel, kräftig gemasert oder fein strukturiert.

Jetzt ist die Brille Biosphäre - allerdings noch ganz ohne Duft. Der kommt mit dem Produkt der dritten Partnerin: Mareike Laepple vom Lagerhaus an der Lauter konserviert Wacholderdestillat in Bienenwachs - stammt, ganz regional, von Vaters Bienen - formt daraus handliche Stücke. Damit wird die Brille regelmäßig gepflegt und poliert. Schon verströmt die Sehhilfe den Duft der Alb.

Das soll sie selbstverständlich nicht bloß dort tun. Gut will sein "Albauthentisches" Produkt "international vermarkten". Das scheint zu klappen. Denn kaum auf dem Markt, war die Biosphärenbrillen-Kollektion auf der Europäischen Fachmesse "opti 2014" in München ein Hingucker, erzählt Gut. Im Moment aber noch Zukunftsmusik, zur Zeit gibt es die Brillen nur in seinen Geschäften in Münsingen und Reutlingen.

Was ist eine Brille ohne Hülle? Zwar gibts ein Albtrauf-Etui, aber das ist Thomas Gut noch nicht Biosphäre genug. Er will deshalb dem Albbüffel ans Leder, ist deshalb gerade auf der Suche nach der gegerbten Haut sowie nach einem weiteren Partner: Der nämlich soll daraus dann schicke Brillentäschchen fertigen.