Münsingen Die Natur nicht einfach nachgeahmt

Die Ausstellungseröffnung von „Floral Strukturen“ bei Immobilien Reutter am Mittwochabend war hervorragend besucht. Unser Foto zeigt von links Uwe Reutter, Friedhelm Raffel und Dagmar Waizenegger.
Die Ausstellungseröffnung von „Floral Strukturen“ bei Immobilien Reutter am Mittwochabend war hervorragend besucht. Unser Foto zeigt von links Uwe Reutter, Friedhelm Raffel und Dagmar Waizenegger. © Foto: Reiner Frenz
Reiner Frenz 26.10.2018

Wann hat es denn jemals in Münsingen einen derartigen Ansturm auf eine Ausstellungseröffnung gegeben, wie am Mittwochabend? Die Räumlichkeiten von Reutter Immobilien in der Hauptstraße waren proppenvoll, als Hausherr Uwe Reutter die Gäste zu einem „Abend der Kunst, der Begegnungen und der gemeinsamen Diskussion über das Gesehene“ begrüßte.

Die Ausstellung „Florale Strukturen“ mit Bildwerken von Friedhelm Raffel nannte er ein „absolutes künstlerisches Highlight und herausragendes Ereignis“ im Kunstbereich in Münsingen. Reutter freute sich, dass Dagmar Waizenegger, die Kulturamtsleiterin der Stadt Tübingen, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in seinen Büroräumen die Einführung geben würde.

Sie komme immer wieder gerne nach Münsingen, nahm die frühere Volkshochschulleiterin den Ball auf, weil sie hier viele nette Menschen treffe, die sie noch aus ihrer Münsinger Zeit kenne. Friedhelm Raffel als Person müsse man in Münsingen nicht vorstellen, so Waizenegger. Er sei aber nicht nur auf der Alb als Floralkünstler bekannt, sondern bis nach Japan und Russland.

Sie als Kunsthistorikerin habe sich gefragt, was Raffel für Objekte mache, ob dies Kunst, Kunsthandwerk oder bloße Dekoration sei: „Seine Arbeiten entziehen sich einer klaren Einordnung“. Raffel habe seine Techniken immer wieder verändert. Zwei Collagen würden in der Ausstellung zu sehen sein, auf denen zusammengestellt wurde, was der Künstler alles geschaffen und welche Techniken er entwickelt hat.

Immer wieder sei es Friedhelm Raffel gelungen, neue Wege einzuschlagen. Entstanden sind auch dreidimensionale Bilder und ganz traditionell habe er zuletzt auch zu Pinsel und Farbe gegriffen, wobei seine Werke an Emil Nolde erinnerten. Der Münsinger beschäftige sich mit den künstlerischen Grundfragen Farbe, Form und Komposition, lasse sich immer wieder neu inspirieren, so Waizenegger. Oft ersetze er natürliche Farben durch andere, färbe Blätter beispielsweise ultramarin oder Schilfrohre rot, die er sorgfältig drapiere, während im Bild daneben Flechten scheinbar natürlich wachsen würden.

Raffel zeichne das sichere Gespür für die Verwendung der unterschiedlichsten Materialien aus, die er für sich sprechen lasse. Den Künstler zeichne eine unglaubliche Wahrnehmung der Details aus. Zum Einsatz kämen Naturprodukte, wobei es Raffel gelinge, „unseren Blick auf die Natur zu schärfen“. Die Bilder des Künstlers seien auch deshalb so faszinierend, weil sie zeigen, welche Ästhetik etwa in welken Blättern zu entdecken ist, die er in all ihrer Fragilität festhalte. Beim „Blättertanz“ handle es sich um statische Objekte, die dennoch den Eindruck der Bewegung vermitteln würden: „In solchen Kompositionen kommt der Florist dem Künstler zugute“, so Waizenegger. Raffel ahme die Natur nicht einfach nach, sondern arbeite Strukturen und Details in ihrer Einzigartigkeit heraus. Der Münsinger konserviere Pflanzen dauerhaft, stelle sie aber in einen neuen Kontext, fügte sie in sein künstlerisches Konzept ein.

Friedhelm Raffel zeigte sich überwältigt über den guten Besuch, dankte Reutter und Waizenegger sowie seiner Frau Doris als wichtige Erstbetrachterin seiner Arbeiten.

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