Sie sind wach: „Habt ihr es auch vernommen, die Fasnet hat begonnen, los geht sie, die Narretei, die traurige Zeit ist jetzt vorbei“, rief Hexenmeister Winfried Leichtle am Dienstagabend ins Mikrofon und wurde prompt erhört. Die ausgehungerten und ein wenig kraftlosen Hexen jeden Alters kamen herbeigelaufen, um sich auf dem Platz vor dem Alten Rathaus am feurig glühenden Hexenkessel nach der langen Ruhepause für die beginnende fünfte Jahreszeit zu stärken.

Die präsentierte sich bei der Hexenerweckung allerdings ganz klassisch als „Winter“, der mit heftigem Schneetreiben zuerst einen Teil der Hexa-Kabell verspätet zur Zeremonie erscheinen ließ und auch den weiteren Verlauf begleitete. Doch der guten Laune der Hungerberghexen, die heuer ihren 25. Geburtstag feiern, tat dies genauso wenig einen Abbruch wie der Spielfreude der Hexenmusiker, die sich selbst, die trubelige Schar der Hexen und die angesichts des Wetters in nicht allzu großer Zahl erschienenen Zuschauer rasch mit fetzigen Melodien in Fasnetsstimmung versetzten.

Fetzige Melodien

Wie es der Brauch will, wurden ganz offiziell vor dem Alten Rathaus auch die neuen Hexen aufgenommen. Allerdings nur zwei Junghexen wurden in diesem Jahr närrisch getauft – es galt einen Mohrenkuss auf „Ex“ zu verspeisen. Dann folgte der musikalisch begleitete Umzug auf den bereits hell erleuchteten Platz hinter dem Neuen Rathaus. Dort lag er bestens vorbereitet – der Narrenbaum, den die versierte Hexentruppe in kürzester Zeit mit vereinten Kräften hochstemmte und fest im Boden verankerte.

Bis zum Abschluss der Jubiläumssaison, die heuer erst am 5. März endet und somit besonders lang ausfällt, zeugt er von der erfolgreichen Etablierung der Münsinger Fasnet, die, anders als in katholischen Gemeinden, nicht auf eine allgemein verwurzelte historische Tradition zurückblicken kann. Seit 25 Jahren also treiben die Hungerberghexen in der Stadt ihr Unwesen. Doch erst seit neun Jahren besteht der Brauch, die neuen Hexen mit einem feierlichen Zeremoniell aufzunehmen.

„Wir haben beschlossen, dass jetzt nach und nach bei unseren schon lange aktiven Hexen nachzuholen“, berichtete Leichtle am Rande der Hexenerweckung. So also wurden am Dienstagabend mehr als 20 schon seit der Gründung aktive Alt-Hexen auch rituell in den Kreis der Hungerberg-Hexen aufgenommen. Sie erhielten eine Holztafel und ein mit hochprozentigem Inhalt befülltes Gläschen, das es in einem Zug auszutrinken galt.

Besonders hervorgehoben wurden dabei die vielfältigen Verdienste von Hexe Annunziata, die sich seit 25 Jahren aktiv engagiert – unter anderem in der Hexa-Kabell. Gefeiert wurde sie mit einem kleinen Feuerwerk.

Und wie hart so eine Hexe im Nehmen ist, bewiesen bei fortgesetztem Schneetreiben, dann die Sprunghexen, die eine erste Kostprobe ihres Könnens zum Abschluss der Hexenerweckung gaben.

Bereits am morgigen Freitag steht für die Hungerberghexen mit dem Brauchtumsabend, der um 19.30 Uhr in der Alenberghalle beginnt, der nächste Programmpunkt im Kalender. Der Große Narrensprung am Sonntag – zu dem rund 4000 Teilnehmer mit mehr als 80 Laufgruppe angekündigt sind – markiert dann den ersten Höhepunkt im Jubiläumsjahr: Zunächst wird es am 13. Januar um 9 Uhr eine Narrenmesse in der Katholischen Kirche in Münsingen geben, dann folgt ab 10 Uhr der Zunftmeisterempfang in der Zehntscheuer, zu dem sich unter anderem mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Donth auch prominente Gäste angekündigt haben.

Fest in Narrenhand begibt sich Münsingen spätestens ab 13.30 Uhr wenn sich die Narren an der Kreuzung Uracher Straße/Reichenaustraße/Unteres Tor in Bewegung setzen und in Richtung Alenberghalle ziehen werden. Auf heimischem Terrain folgen in der heißen Phase dann die Absetzung des Schultes am 28. Februar, die Befreiung der Schüler einen Tag später und der traditionelle Kinderball.

Heuer wird es allerdings erstmals keinen Rosenmontagsball geben – die Resonanz war in den vergangenen Jahren einfach zu gering, bedauerte Leichtle.