Streit unter Jugendlichen kann viele Gründe haben: es gibt Unstimmigkeiten in der Klasse, ein Mitschüler passt nicht ins Raster oder man findet das gleiche Mädchen toll. Auch früher gab es Auseinandersetzungen und Ausgrenzungen, allerdings wurde damit anders umgegangen.

Cybermobbing weist zwar im Grunde die gleichen Tatumstände auf wie herkömmliches Mobbing, allerdings bedient es sich anderer Methoden. Täter nutzen soziale Medien wie zum Beispiel Facebook, um ihre Opfer bloß zu stellen, zu schikanieren und zu tyrannisieren. Fotos werden ins Netz gestellt und der ganzen Welt sichtbar gemacht. Viele Jugendliche, die eine direkte Konfrontation scheuen, scheinen nämlich die Hemmschwelle für Mobbingaktivitäten im Internet leichter zu überschreiten. In dieser scheinbar anonymen virtuellen Welt greifen sie Mitschüler an, ohne sich über ihr Handeln und die Folgen bewusst zu sein.

"In einer Klasse spürt man sofort, wenn abends jemand etwas Schlechtes über einen anderen in Facebook gepostet hat", erzählt Tabea Mistele, Lehrerin an der Schillerschule. Die Jugend wachse zwar mit diesen neuen Medien auf, allerdings sei sie oft nicht in der Lage, damit richtig und vor allem verantwortungsbewusst umzugehen. Deshalb hat Mistele den Projekttag "Aktiv gegen Cybermobbing - Datenschutz macht Schule" für die Schüler der Klassenstufe 7 ins Leben gerufen. Dabei wurde den 13-jährigen Jugendlichen bewusst gemacht, was für eine Lawine sie durch unüberlegtes Handeln lostreten können. Denn der Übergang von Spaß und Hänseleien zur Gewaltausübung mit ernsten Folgen ist fließend und wird häufig von den Tätern gar nicht erkannt. Sie sind beim Cybermobbing rund um die Uhr aktiv, stellen ihre Opfer öffentlich an den Pranger und sprechen ein großes Publikum an, das ihre Mobbingaktivitäten auch noch kommentiert oder gar unterstützt.

"Wir zeigen den Schülern, wie sie sich als Opfer wehren und wo sie sich Hilfe holen können", sagt Mistele. So gibt es an der Schillerschule Neuntklässler, die als "Chat-Mentoren" ihren Mitschülern Rat und Unterstützung anbieten. Und auch Schulsozialarbeiterin Tanja Buri fordert dazu auf, sowohl als Opfer wie auch als Beobachter oder gar als Täter über Cybermobbing zu reden. "Erst denken - dann klicken" - unter dieses Motto wurde der Projekttag für die Siebtklässler gestellt. Durch den Jugendkrimi "Netzangriff" konnten sich die Jugendlichen selbst als Täter und Opfer fühlen und bei der anschließenden Reflektion beleuchten, welche Rolle Lehrer und Eltern einnehmen können.

Mit Hilfe von Workshops wurde den Jugendlichen gezeigt, wie sie ihren Account bei Facebook sicher einstellen und damit ihre Daten schützen können. Weiterhin erfuhren sie wichtige Fakten über das Urheberrecht anhand von konkreten Fallbeispielen. "Das Internet hat positive und negative Seiten. Wir wollen keine Angst verbreiten, sondern zur Vorsicht mahnen und sensibilisieren", sagt Mistele und hebt die Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen hervor. Sie weiß, dass exzessive Mediennutzung heute selbstverständlich zum Lebensalltag der Jugendlichen gehört. Es wird gechattet, gesurft und geskypt, kaum ein Teenager ist heute noch ohne Smartphone unterwegs und der Zugriff aufs Internet ist jederzeit möglich. Fotos werden gemacht und sofort online gestellt. Das was sich früher räumlich und zeitlich begrenzt auf dem Schulhof abspielte, findet heute Verbreitung per Internet in die ganze Welt. Aus diesem Grund ist auch immer wieder Erhard Holzschuh von der Polizei Münsingen an der Schillerschule, um Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen über Gefahren aufzuklären. Dieser Besucher ist ebenso eine Präventionsmaßnahme wie der Projekttag, bei dem die Gründe für Cybermobbing und die Art der Diffamierung behandelt wurden und bei dem zum Abschluss eine bildliche "Entsorgung" der Angriffe stattfand.