Uli Schwenk lacht, als ihm per Telefon zur dritten WM-Silbermedaille seiner langen Laufbahn gratuliert wird: „Ha. Des bin i scho gwöhnt, na muss i mi auf koi andere Farb einstella“. Hinter ihm liegt ein Wettbewerb mit vielen Höhen und Tiefen, mit viel Pech und großen fliegerischen Momenten, mit Tagen voller knisternder Spannung.

Erster geht mit 66 Punkten Vorsprung in die letzte Runde

Vor dem vorletzten Wettbewerbstag bei der Weltmeisterschaft in der 13,5-Meter-Klasse der Segelflieger war die Ausgangsposition klar: Der Italiener Stefano Ghiorzo, vor vier Jahren Erster Weltmeister in der neuen kleinen Segelflug-Klasse, hatte 66 Punkte Vorsprung auf den Münsinger, der wiederum mehr als 300 Punkte auf den Dritten Thomas Gostner (Italien). Der Freitag brachte keine große Änderung. Schwenk wurde von den Italienern „total überwacht“. Überall saßen Beobachter auf den Bergen, um seine Position durchzugeben: „Ich hatte keine Chance, etwas Überraschendes zu versuchen“, so Schwenk. Als die vier Italiener wie an den Vortagen gemeinsam loszogen, heftete Schwenk sich an deren Fersen, hatte zunächst die größere Höhe. In am Schluss „sterbender Thermik“ musste er sie aber doch noch ziehen lassen. Vittorio Pinni holte sich mit 83,5 Kilometer pro Stunde den Tagessieg und erhielt 424 Punkte. Stefano Ghiorzo wurde Dritter mit 412 Punkten und Uli Schwenk Fünfter mit 393 Punkten.

Nur Außenlandung des Konkurrenten hätte Sieg gebracht

Damit hatte sich sein Rückstand vor dem letzten Wertungstag weiter vergrößert und es war schon fast sicher, dass Ghiorzo den Titel nur noch durch eine Außenlandung aus der Hand geben würde. Ganz fair wurde eine ordentlich Aufgabe von zwei Stunden und 25 Minuten Länge angesetzt mit möglichen Weiten zwischen 112 und 254 Kilometern. Es kam bei stabilen Luftmassen zu keinen schwierigen Situationen, Uli Schwenk wusste, dass ihm nur noch ein Wunder zu Platz eins verhelfen könnte, flog seine Strecke gelassen und entspannt, weil ihm von hinten gar keine Gefahr drohte. „Gegen gleich vier italienische Piloten anzukommen, war an diesem Tag und unter dem Strich über den ganzen Wettbewerbszeitraum nicht möglich“, bilanzierte Uli Schwenk. 40 Jahre ist es her, dass er erstmals einen Wettbewerbsflug absolvierte, in Rieti, wo es auch bergig ist: „Dass ich so lange Zeit auf so hohem Niveau haben fliegen können trotz vieler gesundheitlicher Rückschläge, dafür bin ich dankbar“.

Schwächstes Flugzeug im Teilnehmerfeld

Es habe sich gelohnt, jetzt noch einmal eine WM zu fliegen und das trotz des Handicaps, das schwächste Flugzeug im Teilnehmerfeld zu haben, das schon im Training fast eine Bruchlandung hinlegte und zudem als einziges keinen Motor im Rumpf hatte. „Wenn sich die Chance in zwei Jahren noch einmal bieten sollte, an der 13,5-Meter-Weltmeisterschaft teilzunehmen, werde ich gerne dabei sein“, so Schwenk. Er will außerdem im nächsten Jahr wieder einmal Grand Prix fliegen. Verloren habe er Gold vor allem am Tag, als er gemeinsam mit Ghiorzo als Einziger ohne Außenlandung ins Ziel kam. „Ich hätte da am Italiener dran bleiben sollen“, so Schwenk. Positiv vermerkt er für sich, dass er eine Außenlandung vermeiden konnte, anders etwa als 1997, als diese ihm eine Medaille kostete. Mit neuer und größerer mentaler Stärke habe er diesmal einen guten Wettbewerb hingelegt, zeigte sich Uli Schwenk zufrieden. Am letzten Wettbewerbstag wurde es für ihn der siebten Platz mit 430 Punkten. Den Tagessieg holte sich der Italiener Thomas Gostner mit 458 Punkten vor Stefano Ghiorzo mit 449 Punkten.

Im Gesamtklassement verteidigte Ghiorzo den Spitzenrang mit 5405 Punkten. Uli Schwenk gewann mit 5301 Punkten die Silbermedaille und Thomas Gostern wurde mit 5028 Punkten Bronzemedaillengewinner.

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