Der Tierschutzverein Münsingen ist alarmiert. Wie Uschi Rollmann aus dem Vorstandsduo des Vereins gegenüber unserer Zeitung berichtet, sind auf einem privaten Gelände in Magolsheim an zwei Stellen verdächtige blaue Substanzen gefunden worden. Es sei „höchste Vorsicht geboten“, teilt Rollmann mit: „Es reicht, wenn sich die Katze darin wälzt oder ein Korn am Ballen hat und diesen dann sauber leckt.“ Die Katze einer ehrenamtlichen Helferin sei durch die Aufnahme von Gift gestorben. Nach Angaben des behandelnden Tierarztes habe es sich um eine  Phosphatvergiftung gehandelt. Das Gegenmittel wurde zu spät verabreicht.

Gefahren lauern im Garten

„Behaltet Hunde hier an der Leine und gut im Blick und passt auf eure Samtpfoten auf“, fordert Rollmann die Tierhalter auf. Zumal es im Frühling noch mehr Gefahren gibt: Auch Blaukorn, Schneckenkorn und ähnliche Pestizide, welche bald wieder in so manchen Gärten ausgebracht werden, können für Hunde und andere Tiere tödlich sein. „Bei Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Zittern, Kreislaufproblemen oder Ähnlichem sollte man sofort zum Tierarzt oder in eine Tierklinik fahren“, sagt Rollmann. „Hier zählt jede Minute.“ Oft seien Lethargie und erweiterte starre Pupillen deutliche Anzeichen für Vergiftungen. Bei Aufnahme von Rattengift tritt die Wirkung erst bis zu zwei Tage später ein. Ein weiteres Problem: Nicht alle Todesfälle durch Gift werden als solche erkannt. „Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit höher, und viele Besitzer fragen sich, wo ihre verschwundenen Kätzchen geblieben sind. Manche Tiere schaffen es nicht zurück nach Hause“, sagt Rollmann.

Polizei sichert Spuren

Die Polizei wurde bereits informiert und war auch vor Ort und hat Proben mitgenommen. Letztes Jahr wurden in Magolsheim ebenfalls blaue Substanzen im Schnee gefunden. Eine Anzeige gegen Unbekannt durch die Halter der verstorbenen Katze wurde ebenfalls getätigt.

Wer Verdächtiges beobachtet, sollte sich bei der Polizei oder beim Tierschutzverein Münsingen melden, und verdächtige Gegenstände wie Wurst und Fleischstückchen eintüten und zur Polizei bringen. Im Raum Ulm wurden kürzlich ebenfalls vier Katzen vergiftet, dort war das Gift in Lyonerstückchen versteckt. Dort ermittelt die Polizei ebenfalls.

Rattengift sorgt für qualvollen Tod

Die häufigsten und schlimmsten Vergiftungen – nicht selten mit tödlichem Ausgang – treten durch Rattengift auf. Besonders Hunde vergiften sich, wenn sie die für Schadnager ausgelegten Köder oder die vergifteten Nagetiere fressen. Die meisten Rattengifte enthalten den Wirkstoff Cumarin, der die Blutgerinnung hemmt und somit zu inneren Blutungen führt. Ohne Behandlung verbluten die Tiere langsam. Im frühen Stadium kann der Tierarzt die Vergiftung durch die Gabe von Vitamin K stoppen.

Magenspülung kann helfen

Das klassische „Schneckenkorn“ enthält als Wirkstoff Metaldehyd, ein Nervengift. Da es süß schmeckt, ist es nicht nur für Schnecken, sondern auch für Hunde und Katzen attraktiv. Bereits 0,2 bis 0,5 Gramm Metaldehyd pro Kilogramm Hund oder Katze reichen aus, um die Tiere tödlich zu vergiften. Da es kein Gegengift gibt, muss der Tierarzt durch schnelles Handeln versuchen, die weitere Aufnahme des Giftes über den Magen-Darm-Trakt zu vermeiden (Erbrechen lassen oder Magenspülung, Aktivkohle). Tiere, die die ersten 24 Stunden einer Vergiftung überleben, haben eine gute Prognose. Allerdings kann es bei überlebenden Tieren durch die Folgen der Vergiftung zu einer Leberdegeneration und -zirrhose kommen.

Metaldehyd wirkt allerdings schnell, sodass je nach aufgenommener Menge Vergiftungssymptome bereits nach 30 Minuten bis drei Stunden auftreten: vermehrter Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, schnelle Atmung, starkes Hecheln, kirschrote bis bläuliche Schleimhäute, Unruhe, Erregung, Koordinationsstörungen, Zittern und Krämpfe. Typisch für eine Metaldehydvergiftung ist auch hohes Fieber.