Buttenhausen Der Krisenstab steht bereit

Buttenhausen / RALF OTT 08.08.2014
Rund 4500 Menschen beherbergt das Bundeslager des Verbands Christlicher Pfadfinder auf dem Schachen. Gestern waren Vertreter mehrerer Behörden zu Besuch. Für den Notfall existiert ein Evakuierungsplan.

Neben den schwarzen Jurten, in denen die Pfadfindergruppen während des zehntägigen Lagers wohnen und die zudem Raum für die vielfältigen Aktivitäten bieten, sind auf dem weitläufigen Gelände zahlreiche Infrastruktureinrichtungen entstanden. Das Bundeslager ähnelt einer kleinen Stadt mit eigener Warmwasseraufbereitung für die Duschen, einer komplexen Nahrungsmittelversorgung mit täglicher Anlieferung frischer Produkte, Arztpraxis und kleiner Krankenstation, Cafés und einer Leitstelle für den Notfall.

Die rund 4300 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 20 Jahren und ihre Betreuer können sich zwei Mal täglich im Versorgungszelt Kisten mit zuvor zusammengestellten frischen Lebensmitteln abholen. Kühlprodukte werden erst kurz vor der Abholung aus den Kühlschränken vor dem Zelt genommen. Fleisch- und Wurstwaren sind portioniert. "Bei der Berechnung der Mengen für die Kochgruppen, die zwischen 26 und 230 Mitgliedern haben, berücksichtigen wir neben der Zahl auch Geschlecht und Alter", erläuterte Caspar von Schoeler, einer der Teamleiter. Spätestens nach rund drei Tagen habe sich die Menge so eingependelt, dass von den überwiegend aus der Region stammenden Lebensmitteln kaum etwas übrig bleibe. In den Gruppen gelte zudem die Anweisung, Kühlwaren nicht in den Zelten aufzubewahren.

Im Lager hat der niedergelassene Arzt Michael Lohfink einen ganz normalen Praxisbetrieb mit der Versichertenkarte eingerichtet und ist mit einem Team von 20 Ärzten und Sanitätern für Notfälle da. Es gibt drei Untersuchungs- und Behandlungsräume, eine kleine Chirurgie zur Wundversorgung sowie einen rund um die Uhr einsetzbaren Rettungswagen. Doch eine Infektionswelle durch verdorbene Lebensmittel übersteigt natürlich die vorhandenen Kapazitäten. "Dann müssen wir uns auf die Rettungsdienste verlassen", räumt Michael Römer, Referatsleiter für den Bereich Hospital und Hygiene ein. Damit es erst gar nicht soweit kommt, wurden die Teilnehmer aufgefordert, im Verdachtsfall frühzeitig zum Arzt zu gehen.

Gerade auch für den Katastrophenfall haben die Verantwortlichen vorgesorgt. "Die Pfadfinder haben sich sehr früh an die Behörden gewandt, sodass gemeinsam ein Sicherheitskonzept entwickelt werden konnte", lobte gestern Kreisbrandmeister Wolfram Auch das Sicherheitsteam um Sebastian Spiller. Darin eingebunden war nicht zuletzt die Stadt Münsingen. "Seit gut einem Jahr gibt es regelmäßig Treffen der Mitglieder des Krisenstabs", berichtete Albrecht Kuhn, Leiter des Schul-, Kultur- und Ordnungsamtes, der zusammen mit seinem Mitarbeiter Gottfried Scheu während der gesamten zehn Tage Bereitschaftsdienst hat. "Sturm, Hagel und Feuer" stehen als mögliche Gefahren im Vordergrund. Bei einem Brand greift allerdings, neben der Erstbekämpfung durch die Pfadfinder, die normale Einsatzroutine der Feuerwehr.

Droht allerdings ein schweres Unwetter, dann muss der Krisenstab entscheiden, ob das Lager evakuiert wird. Bleibt genügend Zeit, werden zwei Gruppen zu Fuß ins Eglinger Gemeindehaus und in die Lautertalschule geschickt. Von Seiten der Feuerwehr im Landkreis stehen 46 Mannschaftstransportwagen bereit, auch verschiedene Busunternehmen wurden mit Bussen und Fahrern eingebunden. Rettungsfahrzeuge fahren von Buttenhausen aus auf den Schachen, Busse nehmen die Route über Hundersingen - die Rückfahrt erfolgt jeweils über Eglingen, weil auf den engen Straßen kein Begegnungsverkehr möglich ist, erläutert Kuhn. Gestern Vormittag gab es eine Evakuierungsübung. "Innerhalb von 20 Minuten hatten sich alle an den Treffpunkten eingefunden", freut sich Gero Wolfgang Beisel, der Leiter des Bereichs Notfallmanagement. In den Münsinger Schulen sowie der Alenberg- und Beutenlayhalle gibt es 4580 Plätze für eine Notaufnahme, um im Bedarfsfall ein Dach über dem Kopf zu haben. Nach dem etwaigen Unwetter gilt es zu entscheiden, ob das Lager noch einsatzfähig ist, oder die Teilnehmer nach Hause reisen müssen. "Wir hoffen, dass unsere ganzen Vorbereitungen überflüssig waren", zog Kuhn gestern als Fazit.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel