Hohenstein will Schwerpunktgemeinde im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) werden (wir haben berichtet). Um das zu erreichen, müssen die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde beteiligt werden. Das geschah am Dienstagabend im Rahmen einer Bürgerwerkstatt in der Hohensteinhalle. Bürgermeister Jochen Zeller freute sich, dass doch eine große Zahl von Hohensteinern – mehr als 100 – der Einladung gefolgt waren: „Wir sind sehr gespannt, was sie mitgebracht haben“, sagte Zeller.

Es gehe darum, mit den Bürgern die zukünftige Entwicklung Hohensteins zu diskutieren, gemeinsam Ideen zu entwickeln, Ziele zu erarbeiten, Aufgaben zu definieren und konkrete Maßnahmen anzusprechen. Natürlich rede man im Gemeinderat ständig über die Weiterentwicklung der Kommune, „doch wir sind uns sicher, dass wir nicht alles auf der Agenda haben, was sie in Hohenstein bewegt“. Zeller weiter: „Sie müssen uns sagen, an was wir noch nicht gedacht haben und ob es andere Schwerpunkte in der Gemeinde geben soll. Man wolle letztlich ein Gemeindeentwicklungskonzept erarbeiten, das die Grundlage für das Handeln der Gemeinde in den nächsten Jahren sein soll.

„Besondere Auszeichnung“

Über das ELR-Programm, aber auch das Landessanierungsprogramm (LSP) biete das Land strukturelle Fördermöglichkeiten, mit denen die Lebensqualität erhalten und verbessert werden und die Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums erhalten werden soll. Die Gemeinde Hohenstein nutze diese Fördermöglichkeiten schon lange. Erfreulich sei, dass man in diesem Jahr sämtliche privaten Projekte durchgebracht habe, die mit 450 000 Euro gefördert würden. Es handle sich dabei vor allem um Wohnraummaßnahmen. Eine Anerkennung als Schwerpunktgemeinde im ELR-Programm bezeichnete Zeller als „besondere Auszeichnung“. Diese wolle man erreichen, zumal eine um zehn Prozent höhere Förderung anerkannter Projekte winke.

Allerdings sei die Anerkennung alles andere als ein Selbstläufer, ergänzte Städteplaner Clemens Künster. Ein wichtiges Thema in der Ortsentwicklung sei die Revitalisierung der Dörfer, und da sei man in Hohenstein schon sehr weit gekommen.

Deshalb gehe es auch darum, wie man modellhaft dieses Niveau erhalten und verbessern könne und wie die Bürger beteiligt werden. Es gebe verschiedene Handlungsfelder, informierte Künster: Sicherung der Infrastruktur, flächensparende Siedlungsentwicklung, Schutz von Natur und Landschaft, Umgang mit der Demografie sowie Sonstiges.

Künsters Mitarbeiter Martin Homm stellte die aktuelle Situation der Gemeinde vor. In seiner Analyse ging es um die Demografie, die Arbeitsplätze, die Siedlungsentwicklung und die Infrastruktur: „Die Grundausstattung ist auf hohem Niveau“, meinte er.

Den weiteren Abend moderierte der frühere Laichinger Bürgermeister Friedhelm Werner, der inzwischen unter anderem als freiberuflicher Trainer und Moderator tätig ist. Ihm gelang es, die Anwesenden mit einer Prise Humor zu packen: „Sie sind heute alle Führungskräfte“, betonte er. Es gelte, jetzt vom Ist zum Soll zu kommen und dazu Maßnahmen zu formulieren: „Sie sollen Stärken und Schwächen und geeignete Maßnahmen notieren“, erklärte er, und zwar für die zuvor genannten fünf Handlungsfelder. Mit „Die Gedanken sind frei“, das über die Hallenlautsprecher von Werners Handy schallte, gab er die Richtung vor.

Tafeln für fünf Themen

Im hinteren Hallenbereich waren Stelltafeln zu den fünf Themengebieten zu finden, die von Mitarbeitern des Büros Künster betreut wurden, die Anregungen und Anmerkungen der Bürgerinnen und Bürger auf gelben (Maßnahmen) , grünen (Stärken) und roten (Schwächen) Zetteln vermerkten und an die Tafel pinnten. Nach zögerlichem Beginn füllten sich die Tafeln alsbald. Nach einer halben Stunde rief Werner zum Hammelsprung ein. Alle Beteiligten konnten sich jeweils drei rote Punkte abholen und dann die drei Maßnahmen, die ihnen persönlich am wichtigsten sind, herauspicken und mit rotem Punkt versehen.

Auf diese Weise sollte erreicht werden, dass Schwerpunkte aus der Flut der Anregungen und Wünsche herauskristallisiert werden. Diese waren etwa bei der Infrastruktur: Mobilfunknetz ausbauen, Nahwärmenetz mit regenerativen Energien, Fortführung bestehender Betriebe wie die Post, Dorfladen als Bürgerinitiative und ein Bikepark für Jugendliche. Bei der Siedlungsentwicklung gab es die meisten Punkte für das Vorhalten von Bauplätzen für Einheimische, für das Aufkaufen von Leerständen und es wurde gefordert, Anreize für den Umbau alter landwirtschaftlicher Gebäude zu bieten.

Bei der Demografie wurde der Bürgerbus zur Vernetzung der Ortsteile gewünscht. Außerdem wurde angeregt, Plätze und Räume für Begegnungen von Jung und Alt zu schaffen. Unter Sonstiges waren viele rote Punkte zu finden ebenfalls beim Bürgerbus. Ein Kulturhaus fand viele Unterstützer, außerdem wurde ein Mitfahr-App angeregt. Bei Natur und Landschaft war die Vermarktung regionaler Produkte ein Thema. Moniert wurde die zu geringe Zahl von Hundekotboxen.

Es ist erstaunlich viel zusammengekommen an Anregungen, Wünschen, an Lob und Kritik. Über all das wird der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung beraten, zu der auch Bürgerinnen und Bürger besonders nachdrücklich eingeladen sind.