Das Schild „Der Gestütsgasthof bleibt voraussichtlich bis im Frühjahr 2019 geschlossen“ hängt am Aufgang zum ehemaligen Restaurant, in dem seit sieben Jahren nicht mehr gekocht wird. Wer sich auf die Wiedereröffnung in ein paar Wochen gefreut hat, wird enttäuscht. Es wird wohl noch mal ein Jahr ins Land gehen, bis das Lokal seine Pforten wieder öffnet.

Das für den Unterhalt und die Verpachtung zuständige Amt des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Tübingen bestätigt, dass der Gestütsgasthof dieses Jahr noch saniert werden soll. Mit einer Fertigstellung in den nächsten Monaten rechnet dort aber niemand. Man befinde sich derzeit noch „im Genehmigungsprozess“. Wann genau mit den Baumaßnahmen begonnen werde, stehe derzeit nicht fest, ist von Amtsleiter Andreas Hölting auf Anfrage zu hören. Wie viel Geld in diese Maßnahme gesteckt werde, könne er aktuell ebenfalls nicht sagen. „Das hängt von der Genehmigung der Bauunterlagen ab.“

Rückblick: Anfang Mai 2009 hatte das letzte Pächterehepaar den Gestütsgasthof von der Familie Gulewitsch übernommen, die das renommierte Lokal eine halbe Ewigkeit lang hatte. Dort gibt es einen Gastraum mit 40 sowie zwei Nebenzimmer mit zusammen knapp 60 Sitzplätzen. Der Innenhof verfügt über 70 Sitzgelegenheiten auf der Gartenterrasse. Das Restaurant ist Teil des Haupt- und Landgestütes Marbach, eingebunden in den historischen Gestütshof Offenhausen.

Gulewitsch schaffte es in vier Jahrzehnten, dass der Ortsteil von Gomadingen kulinarisch gesehen weit über die Grenzen der Schwäbischen Alb hinaus zu einem Begriff wurde. Dort speisten unter anderen die Ministerpräsidenten Filbinger, Späth und Teufel, der ehemalige Bundeskanzler Kiesinger sowie die schwäbischen Schauspieler Sailer und Schultheiß. Alt-Bundespräsident Roman Herzog ließ sich dort ebenfalls mit schwäbischen Speisen verwöhnen.

Im Februar 2012 mussten Gulewitsch‘ Nachfolger aus finanziellen Gründen, so war damals zu hören, das Lokal schließen. Seitdem versuchte man mehrmals, das Lokal an andere Interessenten zu verpachten, mit der Auflage, dass „die Gastronomie eine gutbürgerliche deutsche Küche mit regionaltypischen Angeboten bietet“.

Ohne Erfolg. „Es zeigte sich, dass der Markt an geeigneten Pächterinnen und Pächtern im ländlichen Raum sehr schwach ist“, sagt Hölting und fügt hinzu, dass man jetzt „glücklicherweise einen geeigneten Pachtinteressenten“ gefunden habe. Namen nennt er jedoch keinen.

Auch wenn er keine Namen preisgibt, weiß diese Zeitung, wen er meint. Es sind Klaus und Margit Winter, die seit drei Jahren „mit großem Erfolg“, wie sie sagen, das gleichnamige Restaurant und Landhotel betreiben, das rund 400 Meter vom Gestütsgasthof entfernt ist. Schon 2016 sprachen die Wirtsleute davon, eines Tages den Gestütsgasthof pachten zu wollen. Auf Nachfrage bestätigt Margit Winter das Interesse. Es ist geplant, dass Sohn Marc, der von Beruf Koch ist, den Gestütsgasthof einmal leiten soll. Sie geht davon aus, dass die Wiedereröffnung nicht vor 2020 gefeiert werden könne. Wir erinnern uns. Als Gulewitsch‘ damals das Lokal hatten, führten sie zudem zeitgleich das von ihnen im Jahr 1976 gebaute Hotel und Restaurant in Offenhausen. Ebenfalls mit großem Erfolg.

Im Zuge der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen soll auch ein Teil der darüberliegenden Wohnungen für den neuen Pächter hergerichtet werden, teilt das Amt des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Tübingen mit.

In Sachen Haupt- und Landgestüt-Kiosk, wo der langjährige Pächter gekündigt hat, gibt es noch nichts Neues. Ein genauer Eröffnungstermin stehe noch nicht fest, da die Ausschreibungsfrist erst vor Kurzem geendet habe, so Hölting.