Die Arbeitsbelastung ist hoch, aber auch die Anerkennung und so charakterisiert der Münsinger Allgemeinarzt Dr. Friedrich Wörz seinen Beruf als "schön, verantwortungsvoll und befriedigend". Seit 1985 praktiziert er in Münsingen und damit hat er in einer Zeit angefangen, in der jeder Arzt noch "rund um die Uhr" für seine Patienten da war. Sechs bis sieben Mal im Jahr schloss sich an eine fünftägige Arbeitswoche noch ein Wochenenddienst an. Zudem musste er damals noch sehr viele Hausbesuche in den Tagesablauf integrieren. "Das alles war sehr zeitintensiv und hat meiner Familie viele Opfer abverlangt", erinnert sich Wörz im Gespräch mit unserer Zeitung. Zugleich betont er, "Allgemeinarztpraxen haben eine Zukunft" und nennt dafür wichtige Gründe. Zum einen gebe es wieder eine "solide" finanzielle Grundlage durch den Hausarztvertrag, betont Wörz und zitiert den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Dr. Norbert Metke mit den Worten: "Wir sind dankbar dafür, dass der Hausarztvertrag vielen Praxen das Überleben gesichert hat". Ohne eine ausreichende finanzielle Entlohnung steige der Druck, Patienten rascher zu behandeln. Zunehmend wichtiger werde der Hausarzt auch in seiner Rolle als profunder Kenner der Patienten, der als Folge davon fähig sei, die psychologische Seite von Krankheiten zu beurteilen.

Sehr zufrieden zeigte sich Wörz mit den in seiner Praxis beschäftigten medizinischen Fachangestellten. "Es ist möglich, viele anspruchsvolle Aufgaben zu delegieren und für den Arzt bleibt mehr Zeit, die er dem Patienten widmen kann", bilanzierte Wörz.

Allerdings liegt die Zukunft nach seiner Einschätzung nicht unbedingt bei dem Einzelkämpfer alter Prägung. Er selbst beschäftigt seit eineinhalb Jahren die Weiterbildungsassistentin Claudia Schöder-Jäger und ist davon überaus begeistert. "Sowohl die Qualität in der Arbeit wie auch die Lebensqualität gewinnen dabei", so Wörz.

Überaus positiv schildert auch Claudia Schöder-Jäger ihre Arbeitsbedingungen. Das "eingespielte Team" bedeute eine große Entlastung, die den Patienten zu gute komme. Seit eineinhalb Jahren arbeitet sie an 20 Wochenstunden in der Münsinger Praxis. "Die Integration war problemlos", sagt sie, und wirbt für den Weiterbildungsassistenten, da dieser die Möglichkeit biete, den Beruf des Allgemeinarztes intensiv kennen zu lernen. Finanziert wird die Stelle überwiegend durch einen hälftigen Zuschuss der kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkasse. Dabei handelt es sich um ein Darlehen, das zurückzubezahlen ist, wenn der Weiterbildungsassistent nicht innerhalb von fünf Jahren die Ausbildung zum Facharzt abschließt.

Die Nachteile im Arbeitsablauf einer Praxis, die von einem Arzt allein geführt wird, lassen sich durch den Einsatz des Assistenten aufheben. Zum einen sind dies oft sehr lange Arbeitszeiten, die zum Beispiel Hausbesuche manchmal nur in der Mittagspause oder abends zugelassen haben. Zudem könne auf Notfälle besser reagiert werden, da im Hinterkopf nicht der Gedanke an Patienten und Mitarbeiter in der Praxis sei, die in solchen Fällen warten müssten. Der fachliche Austausch mit der Kollegin erleichtere manche Entscheidung, während diese wiederum von seiner langjährigen Erfahrung profitieren könne. Ausschlaggebend für Wörz, einen Weiterbildungsplatz anzubieten, war vor allem die zusätzliche Arbeitsbelastung durch die Übernahme weiterer Patienten von Münsinger Praxen, die keinen Nachfolger gefunden hatten. Bereits vor zehn Jahren hatte Wörz gute Erfahrungen mit einer Weiterbildungsassistentin gemacht. Nicht zuletzt denkt er auch an eine spätere mögliche Übernahme der Praxis. Durch die vorherige Mitarbeit seien der möglichen Nachfolgerin sowohl die Patienten bereits sehr gut vertraut wie auch das Praxisteam. Ein weiterer Vorteil der Mitarbeit von Schöder-Jäger, die selbst Mutter von zwei Kindern ist und an drei Tagen von ihrem Wohnort Reutlingen zur Arbeit nach Münsingen kommt, ergibt sich aus der Erweiterung des Spektrums der Praxis um die Bereich Kindervorsorge und Pädiatrie. Derzeit freilich denkt Wörz noch nicht an eine Übergabe, sondern hofft, die Kooperation noch lange fortsetzen zu können.

Im Alltag hat sich durch die Mitarbeit der Kollegin viel verändert, freut sich der Arzt. So kann er sich zum Beispiel stundenweise vertreten lassen und gewinnt dadurch etwas mehr privaten Freiraum, bei Notfällen geht der Ablauf in der Praxis weiter und er schätzt den kollegialen Austausch, der jederzeit ohne Aufwand möglich ist. Auch die Patienten können sich bei Bedarf eine zweite Meinung anhören oder auf Wunsch sich durch einen Mann oder eine Frau behandeln lassen.

Den aktuellen Nachwuchsmangel im hausärztlichen Bereich führt Wörz auf die überwiegend klinische Ausbildung der jungen Mediziner zurück. Folglich sei es für angehende Ärzte schwer zu erkennen, welches Potenzial der Beruf als Allgemeinarzt biete. Das bedauert er und verweist auf dessen große Bedeutung für viele Patienten. Der Arzt betreue über einen langen Zeitraum hinweg oftmals die ganze Familie und könne Krankheiten in einem familiären oder sozialen Zusammenhang bewerten. Dies wird nach der Erfahrung von Wörz zunehmend wichtiger, da immer mehr Menschen, die dem Druck der Leistungsgesellschaft nicht mehr gewachsen sind, mit Schlafstörungen oder psychosomatischen Beschwerden in die Praxis kommen. Hier reiche es nicht aus, allein nach einem organischen Befund zu suchen. Für ihn bieten Spaziergänge mit dem Hund oder das frühmorgendliche Schwimmen den nötigen Ausgleich, um beruflichen Stress abzubauen.