Am SMV-Tag im Herbst vergangenen Jahres hatten alle Schüler die Möglichkeit, zu notieren, was man am Münsinger Gymnasium so alles verbessern könnte. Zu den häufigsten Vorschlägen zählte das digitale Schwarze Brett, das es an anderen Schulen bereits gibt. Drei Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 - Nico Brandstetter, Tim Strakeljahn und Markus Käppeler - nahmen dies zum Anlass, um bei Schulleiterin Kathrin Lehbrink vorstellig zu werden, und sie zu fragen, ob sie dies nicht entwickeln könnten. Alle drei sind in Programmierdingen beschlagen. Allen voran Markus Käppeler, der vor zweieinhalb Jahren mit dem Programmieren von App-Programmen begonnen hat, und von dem es bereits Spiele im App-Store zu erwerben gibt. Er infizierte die beiden Mitschüler, die sich als Trio in den Herbstferien an die Arbeit machten.

Zwischen 100 und 150 Stunden hat jeder von ihnen investiert, vor allem in die neue Gymnasium App, die es seit ein paar Wochen im Google Play Store zum kostenlosen Herunterladen gibt. Stolz berichten sie, dass sie in der Kategorie Lernen auf Platz 2 der Top Apps geschafft haben, insgesamt auf Platz 170. "Alle Schüler haben die App praktisch gleichzeitig heruntergeladen", so Nico Brandstetter.

Die App ist absolut professionell. Im Kopf der Schriftzug Gymnasium Münsingen, daneben stilisiert Gebäude und Hof. Darunter Ansichten der Schule - in stetem Wechsel. Darunter wiederum die verschiedenen Kategorien, in denen es Informationen zu finden gibt, farblich voneinander abgesetzt und mit klaren Piktogrammen versehen. Der Reihe nach: Schwarzes Brett - Jede Klasse erfährt hier zum Beispiel, ob es Änderungen am Unterrichtsablauf gibt oder wer Pausenaufsicht hat. "Eine tolle Sache, wenn man zum Beispiel am Wochenende zuhause mitkriegt, dass die erste Stunde am Montag ausfällt, weil der Lehrer krank geworden ist. Früher hat man das erst in der Schule erfahren", so Tim Strakeljahn; Termine - Aktuell beispielsweise die Skiausfahrt am 29. Januar oder Aufführungen der kleinen Theater AG am 29. und 30. Januar; Unsere Schule - unterteilt in Leitbild, Schulsozialarbeit, Lehrer und Schulleitung; Schüler - gegliedert in SMV, AG, Abi und Schwarzes Brett; Eltern - hier gibt es die Kapitel Richtlinien, Elternbeirat, Elternarbeit, Links für Eltern und Förderverein. Zu guter Letzt: Kontakt. Die App kann von den Schülern so eingestellt werden, dass nur Nachrichten auftauchen, die die eigene Klasse betreffen. Auch kann man wählen, in welchen Zeitabständen Aktualisierungen erfolgen.

Die App wurde von den drei Schülern schließlich zum digitalen Schwarzen Brett weiterentwickelt und mit der Website des Gymnasiums abgestimmt. Die präsentiert sich inzwischen im gleichen frischen Outfit wie die App, wird derzeit noch inhaltlich auf Vordermann gebracht.

Bestimmt 5000 Euro hätte die Arbeit der Schüler gekostet, hätte man sie an eine darauf spezialisierte Firma vergeben. "Wir haben es gemacht, um etwas für unsere Schule zu tun - aber auch, um dabei zu lernen", erklären die Drei. Schulleiterin Kathrin Lehbrink jedenfalls freut sich riesig über dieses weit über das Übliche hinausgehende Engagement ihrer Schüler.

Die ganze Aktion wurde übrigens streng geheim gehalten. Einzig das Schulleiterteam und der Hausmeister waren Mitwisser. Am vorletzten Samstag vor den Weihnachtsferien montierten die Schüler gemeinsam mit Hausmeister Hans-Dieter Hirschle den großen Monitor an einer Wand in der Aula. Als Lehrer wie Schüler am darauffolgenden Montag ins Gymnasium kamen, war der Überraschungseffekt perfekt: "Ist denn schon Weihnachten?", hätte mancher gefragt, schmunzelt Lehbrink.