Region / Norbert Leister  Uhr

Vor wenigen Tagen hat das Verwaltungsgericht Sigmaringen entschieden, dass für den Windräder-Standort Hohfleck bei Undingen „denkmalschutzrechtliche Bedenken“ keine Bedeutung haben. Nun sagt der Regionalverband Neckar-Alb: „Die bisherige regionale Windkraftplanung hat zum Ergebnis, dass aufgrund der hohen und nahezu flächendeckenden Restriktionen in der Region Neckar-Alb im Teilregionalplan Windkraft kein substanzieller Beitrag zur Förderung der erneuerbaren Energien erfolgen kann“, wie Eugen Höschele als Verbandsvorsitzender am gestrigen Dienstag während eines Pressegesprächs ausführte.

Kurz zusammengefasst heißt das: Vor allem der Rotmilan und in einem Fall der Schwarzstorch macht den untersuchten Standorten bei Hayingen, Pfronstetten und Haigerloch/Rangendingen/Grosselfingen einen Strich durch die Planung. Allerdings werde auch der Standort Engstingen/St.Johann nicht weiterverfolgt – weil der im Landschaftsschutzgebiet liege, so Höschele. Was bleibe sei der „Planwald“ bei Gomadingen, der bereits Ende 2016 genehmigt wurde. Allerdings sei der Bau von Windanlagen dort bislang nicht angegangen worden. Und bei Römerstein-Donnstetten werde der Artenschutz erst noch untersucht, betonte Regionalverbandsdirektor Dr. Dirk Seidemann.

Detailliert unter die Lupe genommen wurden innerhalb der zurückliegenden sieben Jahre mögliche „windgünstige Standorte“ in der Region, so Seidemann. Will heißen: Es wurden nur solche Regionen untersucht, an denen der Wind durchschnittlich mit mindestens 5,75 Meter pro Sekunde bläst. „Im Februar 2014 hatten wir 41 Suchräume mit 2035 Hektar im Blick, auf denen mehr als 250 Windräder hätten gebaut werden können“, erläuterte Dr. Peter Seiffert als leitender Planer des Vorgangs.

Die Zahlen schrumpften nach und nach allesamt deutlich, im November waren es aufgrund der zahlreichen zu berücksichtigende Gesetze und Kriterien noch acht Suchräume mit 519 Hektar und 58 möglichen Rädern. „Jetzt sind es noch zwei Vorranggebiete mit jeweils drei möglichen Windrädern“, so Seiffert. Deswegen „nochmals in Planung zu gehen, macht keinen Sinn“, betonte Seidemann.

„Wir sind relativ ernüchtert“, fasste Höschele die Empfindungen beim Regionalverband zusammen. „Grundsätzlich verhindert der Regionalverband keine Windanlagen, wir haben mit der aktuellen Gesetzgebung geschaut, was möglich ist und was nicht.“ Und das ohne jegliche politische Bewertung. In Bezug auf die fünf Windräder bei Undingen habe das Regierungspräsidium und das Landratsamt Reutlingen ja vor einiger Zeit gesagt, dass der Denkmalschutz diesem Vorhaben entgegenstehe. Nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts, dass dem nicht so sei, „muss jetzt das ganz normale Verfahren durchlaufen werden“, so Seidemann.

Also muss auch hier der Artenschutz untersucht werden – „wenn ein Rotmilan-Horst gefunden wird, der aber seit zwei Jahren nicht mehr belegt ist, dann könnten Räder gebaut werden“, so Peter Seiffert. Aber es müsse auch der Überflug von Rotmilanen über das Gebiet geprüft werden. Auch hier gilt: Klar ist, dass nichts klar ist. Manches sticht allerdings ins Auge: „In den zurückliegenden zwölf Jahren ist im Bereich des Regionalverbands keine Anlage gebaut worden.“ Das hänge laut Seiffert mit der „kleinteiligen Lage“ hier zusammen, die von Rotmilanen bevorzugt werde – im Gegensatz zum Hohenlohischen etwa. Statt der Windkraft werde der Regionalverband nun die Sonnenkraft mit dem Ausbau von Photovoltaikanlagen verfolgen. Der Vorteil sei da, dass keine fliegenden Vögel dem entgegenstehen könnten. Aber vielleicht Kröten, Käfer und Reptilien.