In diesen Tagen sieht man ihn öfter, schließlich ist der Schornsteinfeger wie Hufeisen und Kleeblatt das Glückssymbol schlechthin und dient zur Dekoration an Silvester. Doch auch im Alltag ist er ein gerngesehener Geselle: schwarz von Kopf bis Fuß sorgt er dafür, dass Heizungs-, Abgas- und Lüftungsanlagen einwandfrei funktionieren. „Der Typ in Schwarz mit Zylinder und Auto“ hat nun in Zwiefalten, Hayingen, Pfronstetten und im Lautertal ein neues Gesicht. Daniel Klingele zog zum 1. November mit Frau und 14 Monate altem Töchterchen von Köln ins Schwabenland und übernahm diesen großen Schornsteinfegerbezirk mit knapp 2800 Haushalten.

„Ich wollte aufs Land und in den Süden“, erzählt der 37-jährige Rheinländer, dessen Namen schon ganz schwäbisch klingt. Überall sei er freundlich aufgenommen worden, denn hier im Schwabenland sei der Schornsteinfeger im Gegensatz zur Stadt noch gern gesehen: „Man hat noch einen Stellenwert weil die Leute wissen, dass der Kaminkehrer mit seiner Arbeit für ihre Sicherheit sorgt“. Dass er keine Angst vor Dreck hat, sieht man ihm an. Handfeger und Schaufel braucht er nicht, schließlich besitzt Daniel Klingele zwei gesunde Hände, die er ohne Bedenken mitten im Ruß versenkt.

Als er mit elf Jahren Mary Poppins sah, wusste er, dass er Schornsteinfeger werden will. „Das habe ich bis heute noch nie bereut“. Seine Arbeit bietet ihm viel Abwechslung und vor allem jede Menge Kontakt zu unterschiedlichsten Kunden: „Ob Knüttelmensch oder freundliche Leute – ich hab schon alles erlebt“. Sogar eine tote Frau hat Daniel Klingele während seines Dienstes schon aufgefunden. „Man muss als Kaminkehrer auf alles gefasst und total schmerzfrei sein“.

Sehr schnell wurde der neue Bezirksschornsteinfegermeister mit der schwäbischen Sprache vertraut, mittlerweile versteht er das meiste. „Nur bei den ganz Derben stehe ich oft noch vor einem Rätsel“, lacht er. Der blonde Mann mit dem Ruß im Gesicht ist ein kommunikativer Mensch und kommt sehr schnell mit seinen Kunden ins Gespräch. Hier und da wurden ihm deshalb auch in der Adventszeit mal Kaffee oder Plätzchen angeboten.

Um sich mit seinem Arbeitsbereich vertraut zu machen, ist er im Vorfeld durch die Dörfer gefahren oder gelaufen und hat über die ordentlichen Häuser und die rege Betriebsamkeit der Menschen gestaunt. „Selbst im hohen Alter wird hier noch richtig gearbeitet. Das beeindruckt mich sehr“.

Und auch wenn der Kaminkehrer mit seinen schmutzigen Schuhen anstatt aufs Dach quer durch die Wohnung laufen muss, verschimpft hat ihn deshalb hier noch niemand. Vielmehr hat er bereits während seiner kurzen Zeit erfahren, dass die Leute flexibel, offen und zugänglich sind.

Er nimmt Feststoffmessungen vor, reinigt den Kamin, macht Feuerstättenschauen und berät natürlich dahingehend, welche Feuer- und Lüftungsanlagen zu welchem Haus passen und wie man bestehende Anlagen erneuern oder erweitern sollte. Daniel Klingele kennt sich mit Brandschutz und Energieverwendung aus und muss über Gesetze und Verordnungen Bescheid wissen. Zwar ist das Monopol für einen Bezirksschornsteinfegermeister weggefallen, allerdings ist er nach wie vor verwaltend für den Kehrbezirk zuständig und darf als einziger Kaminkehrer Abnahmen durchführen. Außerdem ist er der alleinige Ansprechpartner für das Umweltamt.

Nach wie vor ist sein Beruf mit viel Handarbeit verbunden. Ein Teil der Arbeit findet auf dem Dach statt, wo er oft ungesichert unterwegs ist. Daher gehört es natürlich zu den Grundvoraussetzungen, dass er sich in der Höhe schwindelfrei bewegen kann und dass er darüber hinaus weder Dreck noch Dunkelheit scheut. Und hier und da darf er sich sogar darüber freuen, dass ihn jemand vorsichtig berührt, ihm über die Schulter spuckt oder den Knopf an seiner Arbeitskleidung reibt, weil derjenige hofft, dass es ihm Glück bringt.

Derzeit hat er noch die Sechs-Tage-Woche, ab 1. Januar arbeitet der gebürtige Hayinger Schornsteinfegermeister Clemens Oberhofer an seiner Seite. „Allein ist dieser große Bezirk nicht zu bewältigen. Doch ich freue mich, dass ich hier gelandet bin. Die Gegend ist toll und die Leute sind nett“.