Hohenstein / Von Maria Bloching

Vor drei Jahren übernahm Eberhard Wolf von Irmgard Naumann die Präsidentschaft des Chorverbandes Ludwig Uhland, jetzt haben ihn 94 Delegierte erneut gewählt. Sie waren gestern zum Chorverbandstag in die Hohensteinhalle gekommen, um das vergangene Gesangsjahr Revue passieren zu lassen und Ausschau auf 2020 zu halten, in dem der Chorverband sein 100-jähriges Bestehen feiert. 113 Vereine gehören ihm derzeit mit 4726 Mitgliedern aller Altersgruppen an. Der Rückgang in den vergangenen Jahren ist offensichtlich, waren es 2012 doch noch 122 Vereine mit 5818 Mitgliedern.

„Die Entwicklung der Zahlen erfordert weitere Anstrengungen und größere Aktivitäten“, machte Wolf in seinem Bericht deutlich. Seit vielen Jahrzehnten würden Gesangvereine in jedem Dorf oder jeder Stadt zur kulturellen Vielfalt beitragen. Aber die Konkurrenz und die Angebote seien gegenüber früheren Zeiten deutlich gestiegen, deshalb sei eine stärkere Vernetzung mit anderen Vereinen nötig. Das gemeinsame Singen müsse auch weiterhin eine lebendige und offensive Entwicklung in der Gesellschaft erfahren. „Vermitteln wir die Freude, die wir selbst beim Singen erfahren“, betonte Wolf und appellierte an eine verstärkte Jugendarbeit. Man müsse mit dem Tempo in der Gesellschaft mithalten, Veränderungen wie etwa die Digitalisierung oder die wachsende Vielzahl der Freizeit-, Bildungs- und Betreuungsangebote erkennen und sich den Herausforderungen stellen. Wolf zeigte sich überzeugt, dass aus den Veranstaltungen im Jubiläumsjahr 2020 besondere Möglichkeiten und Chancen für das Singen im Chor erwachsen: „Wir können das gemeinsame Singen in seiner Vielfalt und Kreativität der Gesellschaft und damit einer großen Öffentlichkeit präsentieren“.

Irmgard Naumann stellte die einzelnen Höhepunkte vor, zu denen unter anderem auch das Festwochenende in Bad Urach vom 17. bis 19. Juli 2020 zählt. Bei allen Jubiläumsveranstaltungen steht der Chorgesang im Mittelpunkt, deshalb kommt es laut Naumann besonders auf die Sängerinnen und Sänger in den Vereinen an: „Wir sind gut und rechtzeitig unterwegs. Jetzt liegt es an euch mitzumachen“. Als Werbemittel werden bedruckte Karten eingesetzt, die sich um die Leidenschaft des Singens drehen, außerdem sollen 5000 mit Spätzle und Flyern befüllte Werbedosen in Umlauf gebracht werden. Das Präsidium hat sich bis 2020 vorgenommen, alle freien Stellen innerhalb des Gremiums zu besetzen. Denn bei den Wahlen konnte es nicht gelingen, jemand für die unbesetzten Ämter des zweiten Vizepräsidenten, des Protokollanten und des Öffentlichkeits- und Medienbeauftragten zu finden. Als kommissarischer Protokollführer fungiert derzeit der erste Vizepräsident Waldemar Koitsch, Irmgard Naumann ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und wurde darin bestätigt.

Dass die Arbeit der Chöre in der Gesellschaft geschätzt wird, zeigten die Ausführungen von Landrat Thomas Reumann. „Chöre sind aus dem kulturellen Leben des Landkreises nicht wegzudenken, sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen und sozialen Infrastruktur“. Der gemeinsame Gesang lasse Gemeinschaft erleben, bewege Seele, Herz und Gemüt, vermittle Werte und sei eine Möglichkeit der Kommunikation über alle Sprachbarrieren und Völker hinweg. „Chöre führen Menschen zusammen und haben durch den ehrenamtlichen Einsatz eine Vorbildwirkung, die öffentliche Anerkennung verdient“, so Reumann. Man müsse die Sehnsucht der Menschen nach Nähe und Heimat ernst nehmen und darauf Antworten finden. Nur durch die Mitverantwortung füreinander könne das Auseinanderfallen der Gesellschaft verhindert werden. „Der Chorverband Ludwig Uhland feiert im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen, darauf kann man stolz sein. Denn ein Verband wird nur alt, wenn er jung bleibt und Antworten auf die Veränderungen in der Gesellschaft findet“, betonte der Landrat.

Für Hohensteins Bürgermeister Jochen Zeller stehen Chöre für Tradition, Verwurzelung, Beständigkeit und Wertigkeit: „Vereine bringen mit dem Chorgesang all dies zum Ausdruck“. Wie rege die Vereine im Chorverband waren und sind, wird durch die zahlreichen Aktivitäten in 2018 ersichtlich und auch die Finanzen sind laut Finanzvorstand Manfred Müller „geordnet“, wie er mit einem Überschuss von 9339 Euro im letzten Jahr bescheinigte. Für besondere Verdienste wurde Hermann Fleck, Bezirkschorleiter Neckar-Erms, mit dem Ehrenzeichen in Silber geehrt. Der Chorpreis 2018 ging an den Liederkranz Walddorf für seine beispielhafte Arbeit mit Erwachsenen-, Kinder- und Jugendchören. Die musikalische Umrahmung des Chorverbandstages übernahmen die Sängerrunde Hohenstein unter der Leitung von Bärbel Haarmann-Thiemann und der Ludwig-Uhland-Chor unter der Leitung von Chormeister Jürgen Knöpfler.