Hayingen Burg Derneck feiert 50. Jubiläum

Hayingen / Von Maria Bloching 14.06.2018

Seit 50 Jahren trägt das Wanderheim Burg Derneck dazu bei, dass die Region mit allen Sinnen für Wandergruppen, Familien, Schulklassen und Vereine auf besondere Weise erlebbar wird. Dieser Erfolg ist vor allem jenen Menschen zu verdanken, die von Beginn an bis heute sich selbst mit ihren handwerklichen Fähigkeiten, mit ihrer Liebe zur Heimat und zu diesem einzigartigen Kleinod eingebracht haben.

Georg Fahrbach, im Jahr 1968 Präsident des Schwäbischen Albvereins, brachte die Atmosphäre auf den Punkt, die während der Bauzeit herrschte. Bei einem überraschenden Besuch beeindruckte ihn das große ehrenamtliche Engagement so sehr, dass er die „geordnete Freiwilligkeit auf Burg Derneck“ als sein schönstes Erlebnis bezeichnete. Ein Jahr zuvor war das halb verfallene Haus inmitten der eingewachsenen und überwucherten Burgmauern vom Land Baden-Württemberg im Rahmen eines Erbpachtvertrages an den Schwäbischen Albverein abgetreten worden mit der Maßgabe, dieses auszubauen und wieder herzurichten.

Die Idee dazu hatte Günther Hecht, damals Gauvorsitzender des Lichtensteingaus, der gemeinsam mit einigen Männern eine Wanderung unternahm und sich überlegte, aus diesem herrlichen, jedoch verkommenen Ensemble ein Wanderheim zu machen. Das Wohnhaus behielt seine äußere Form, im Inneren wurden in den oberen Stockwerken Schlafräume und im unteren Stockwerk Gemeinschaftsraum und Küche untergebracht. Die Kosten beliefen sich auf 138 000 Mark für das Material, darüber hinaus wurden Eigenleistungen in Höhe von rund 300 000 Mark erbracht.

Partner im Biosphärengebiet

Nach einem Jahr Bauzeit war es dann soweit: Am 26. Mai 1968 konnte Einweihung gefeiert werden. Seither wird ununterbrochen gebaut, verschönert, repariert und erhalten. Die Tenne wurde zur Burgschenke ausgebaut und der Burghof gepflastert, die Außenfassaden nachgebessert und letztmals im vergangenen Jahr neu gestaltet, die Küche wurde mehrfach erneuert, Wasserleitungen saniert und der Anschluss an die öffentliche Abwasserentsorgung vollzogen. Immer wieder wurden in beispiellosen Kraftakten bauliche Maßnahmen gestemmt, während parallel das Wanderheim mit 41 Betten samt Burgschenke von engagierten Mitgliedern des Betreuungsvereins in freiwilligen Burgdiensten betrieben wurde.

Der Betreuungsverein mit seinen rund 90 Mitgliedern hat das Wanderheim vom Hauptverein gepachtet und ist maßgeblich für den Erfolg verantwortlich. „Der Zusammenhalt innerhalb des Vereins ist enorm. Wir sind alle mit dem Derneck-Virus infiziert und gehen sämtliche Tätigkeiten gemeinsam an“, erzählt der erste Vorsitzende Hans Heiss. Allein in den vergangenen zwölf Jahren mussten fünf bauliche Maßnahmen für den Bestand und die Verbesserung der Infrastruktur durchgeführt werden, für die eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung notwendig war. Insgesamt wurden dafür gemeinsam von Hauptverein und Betreuungsverein 450 000 Euro investiert. „Bis zum heutigen Tag finden sich immer Albvereinsfreunde, die bereit sind mitzuhelfen, das damals Geschaffene zu erhalten und – wenn nötig – auszubauen und weiterzuentwickeln“, freut sich Heiss. Nur so sei es möglich gewesen, dieses hochwertige Kulturdenkmal als „Perle der Heimat“ zu erhalten.

Als „Meilenstein“ in der nunmehr 50-jährigen Geschichte des Wanderheims bezeichnet er die Zertifizierung zum Partner des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, für die es zahlreiche Qualitätsstandards zu erfüllen gab und gibt. Dadurch wird deutlich, wie sich die Zeiten und vor allem die Gegebenheiten auf Burg Derneck geändert haben. So schrieb Julius Wais 1920 in der 8. Auflage seines Albführers, dem offiziellen Wanderführer des Schwäbischen Albvereins: „Ein Abstecher nach Burg Derneck ist wenig lohnend“. Mittlerweile hat die Anmeldung für Gruppen ab zehn Personen eine Vorlaufzeit von einem Jahr, die Nachfrage ist ungebrochen. In den vergangenen 50 Jahren konnten 250 000 Übernachtungen gezählt werden, seit fünf Jahren wird Kleingruppen sogar Frühstück in der Burgschenke angeboten.

Aus dem einst verfallenen Haus inmitten der Ruine Derneck ist dank des engagierten freiwilligen Arbeitseinsatzes vieler Natur- und Heimatfreunde eine Schönheit geworden, die ihresgleichen sucht. Deshalb wird dieses 50-jährige Jubiläum gebührend gefeiert. Am Sonntag, 17. Juni beginnt das Fest um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst im Burghof mit Diakon Thuma und Pfarrer Reiniger, musikalisch umrahmt von der Stadtkapelle Hayingen, die auch beim anschließenden Frühschoppen und  Mittagessen unterhält.

Um 14 Uhr gibt es Grußworte, unter anderem von Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Vize-Präsident Thomas Keck, Landrat Thomas Reumann und Bürgermeister Kevin Dorner. Außerdem wird die Fritz-Wolf-Gedächtnisbank offiziell eingeweiht. Der gemütliche Burghock wird von der Bader-Alphorngaudi aus Grafenberg untermalt und es findet eine Wimpelbandausgabe statt.

Zwei Mittelaltergruppen führen mit kurzen Aufführungen in der Burg ins Mittelalter ein, während die Ortsgruppe Hayingen bereits am Vormittag eine sportliche Wanderung mit rund 35 Kilometern unter dem Motto „Von der Laichinger Alb zu einem runden Geburtstag“ anbietet. Für die Verköstigung der Besucher  sorgen die Derneckfreunde.

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