Evakuierung Bundeslager des Verbands Christlicher Pfadfinder komplett evakuiert

Münsingen/Buttenhausen / JOACHIM LENK 10.08.2014
Der Notfall wurde geübt und am Sonntag trat der Ernstfall ein. Das Bundeslager der Pfadfinder auf dem Schachen mit rund 4500 Menschen wurde wegen eines drohenden Unwetters komplett geräumt.

Am Sonntag Morgen um 6.30 Uhr traf die erste Warnung des Deutschen Wetterdienstes beim Verband Christlicher Pfadfinder (VCP) auf dem Schachen oberhalb von Münsingen- Buttenhausen ein. Dort verbringen seit Donnerstag rund 4500 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland in großen Zelten ihre Freizeit.

Vor Orkanböen am Abend und in der Nacht um die 110 km/h, vor Hagel und schweren Gewittern wurde gewarnt. Im Lauf des Sonntags verdichteten sich die Meldungen, die auf „ein schweres Unwetter aus Südwesten“ hindeuteten. Aufgrund der Situation, so Gero Beisel, der Leiter des Bereichs Notfallmanagement bei den Pfadfindern, habe man sich um 15 Uhr in Absprache mit dem örtlichen Krisenstab dazu entschlossen, das Lager rechtzeitig „ohne Hektik und ohne Panik“ zu räumen. „In zwei Wellen“ sollte das Unwetter über die Mittlere Alb hinwegfegen, so der Deutsche Wetterdienst, der außerdem vor Hagelkörnern von bis zu zwei Zentimetern Durchmesser warnte.

Nachdem alle Vorkehrungen getroffen waren, wurde um 16 Uhr die rote Fahne auf dem Zeltlagerplatz gehisst. Das Zeichen für die Kinder und Jugendlichen in Alter von 13 bis 20 Jahren und ihre Betreuer, alle Aktivitäten sofort einzustellen, die Zelte anzuspannen und die Materialien zu sichern. Außerdem wurden die mehr als 1000 Gäste des gestrigen Besuchertages gebeten, das Gelände auf dem Schachen sofort zu verlassen. Der geplante Gottesdienst um 17 Uhr unter freiem Himmel wurde abgesagt.

Derweil machten sich 42 Busse aus der Region Richtung Zeltplatz auf, außerdem 66 Mannschaftstransportwagen der umliegenden Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks (THW), so Kreisbrandmeister Wolfram Auch. Der oberste Feuerwehrmann des Landkreises Reutlingen hatte zusammen mit Vertretern des THW, des Deutschen Roten Kreuzes, der Polizei, des VCP und der Stadtverwaltung, an deren Spitze Bürgermeister Mike Münzing stand, den Krisenstab im Münsinger Rathaus eingerichtet. Fast 300 Hilfskräfte waren an der Räumungsaktion beteiligt.

Rund 1000 Kinder, Jugendliche und Betreuer machten sich ab 18 Uhr zu Fuß Richtung Hohenstein-Eglingen ins Gemeindehaus sowie in die Lautertalschule in Münsingen-Hundersingen auf, wo sie die Nacht verbrachten. Die restlichen Teilnehmer wurden mit den Fahrzeugen in Schulen und Turnhallen in der näheren Umgebung gefahren. Ruhig und ohne Hektik stiegen die Teilnehmer in die Fahrzeuge ein. Jeder musste seinen Namen nennen und wurde auf einer Liste vermerkt. So waren die Betreuer sicher, dass niemand vergessen wurde.

„Das ist unser achtes Bundeslager. Zum ersten Mal wurde es wegen einer Unwetterwarnung geräumt“, informierte VCP-Pressesprecherin Diane Tempel-Bornett. „Gott sei Dank gab es einen Notfallplan, den wir im Vorfeld durchgespielt hatten.“ Es sei schade, dass der Zeltplatz Schachen vorübergehend geräumt werden musste. „Wir hoffen, dass wir am Montag wieder zurück können“, hatte sie gestern betont.

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