Trailfingen Buchstaben-Zahlensalat beim Ziegenfest

Neben Ziegen-Roten und Ziegen-Leberkäs wurde beim Ziegen-Fest auch eine Stola aus Ziegenhaar präsentiert.
Neben Ziegen-Roten und Ziegen-Leberkäs wurde beim Ziegen-Fest auch eine Stola aus Ziegenhaar präsentiert. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher Foto: szr
Trailfingen / SABINE ZELLER-RAUSCHER 30.08.2016
 „Schaltjahr-Ziegenbar“ lautete  das  Thema beim  Mitmachfest bei Claudia-Bärbel Kirsamer, wobei ein witziger Buchstaben-Zahlen-Salat entstand.

Friedrich der Schöne von Trailfingen,  ist ein stattlicher Ziegenbock, der auf eine ganze Schar von Frauen blicken kann. Den ließen am Sonntag jedoch sowohl die Ziegenweiber als auch die Gäste, welche zum Mitmachfest kamen kalt. Friedrich wollte nur eins, kühlenden Schatten. Da konnten selbst Moni Arens und Vera Kaiser, die mit orange gehäkelten Möhrenmützen zum Fest erschienen, nichts ausrichten. Auch nicht als die beiden ihre Instrumente auspackten, um zum gemeinsamen Ziegenlied anzustimmen. Meck, meck, meck, meck, ertönte es nur aus den menschlichen Reihen, die sichtlich das idyllische Kleinod am Ortsende von Trailfingen genossen. Ein wundervoller Platz, an dem es gelingt, die Zeit zumindest in Gedanken anzuhalten.

Auch im Schaltjahr, welches heuer aus aktuellem Anlass von Claudia Bärbel-Kirsamer und ihrem Mann Volker Eggebrecht neben der „Ziegenbar“ zum Motto des Mitmachfestes, das zum achten Mal auf dem Ziegenhof stattfand, gemacht wurde. Die Spielregeln  sind einfach. Jeder Gast bringt eine Flasche Schillerwein mit – ja auch Friedrich Schiller hat es der Kalligraphiekünstlerin schon immer angetan –  gute Ideen, die das Fest bereichern und eine ordentliche Portion Ziegenapplaus in Form von knackigen Mohrrüben.

Herrlich die Wort- und Zahlenspiele, welche sich die Teilnehmer zum aktuellen Motto ausgedacht hatten. Lehrreiches zum Thema gab es von der Gastgeberin selbst zu erfahren, wobei sie zum Beispiel anhand von einer einfachen Rechnung auf einer Schultafel, Licht ins Dunkel der Schaltjahrthematik brachte. Kirsamer klärte auch darüber auf, dass es ohne Ziegen wohl weder Wein noch Kaffee gäbe.

Als nämlich einst die Mönche, die beim Beten fast eingeschlafen sind, erkannten, dass die Ziegen, die sich an dem Kaffeestrauch bedienten, richtig mucker drauf sind, seinen sie auf die Idee gekommen, die Früchte für sich  zu trocknen und  zu sich zu nehmen. Eine ähnliche Erfahrung hätten die Österreicher gemacht, die ihre Trauben in Behältern aus Ziegenleder sammelten. Der Gäreffekt und die daraus resultierenden Folgen beim Konsum blieben nicht lange unentdeckt, weshalb bis heute die österreichische Weinziege zur Erntezeit verehrt wird.

Helmut Geismann nahm das Schaltjahrsdatum – also den 29. Februar 2016  –  genau unter die Lupe, wobei die Quersumme (die Nullen spielen dabei keine Rolle) 22 ergibt. Spätestens jetzt, bei der Schnapszahl 22,  würde man den Zusammenhang zwischen dem Schaltjahr und der Ziegenbar erkennen. „Nehmt das Schaltjahr wie es ist, auch wenn es nen Tag länger ist“, riet seine Frau Birgit Christel Geismann nach einem dichterischen Ausflug zum Tagesmotto.

In ihrer Likördestillerie kreierte  die Münsingerin einen besonders schmackhaften Ziegenmilchlikör zur Feier des Tages. Eine Köstlichkeit, welche die Gastgeber ab sofort auf einem der grünen Stühle, die bei den verschiedensten Freiluftveranstaltungen der Stadt Münsingen vor dem Rathausplatz aufgebaut werden, genießen können. Neben Likör, Poesie und Zahlenspielerei gab es von den Geismanns nämlich noch eine Stuhlpatenschaft obendrauf.

Der Zahl Vier, die ja im Schaltjahresablauf keine unwesentliche Rolle spielt, nahm sich Vierteles schlotzend das Alphabetisierungsexperten-Ehepaar Genueit an und Publizist Peter Fuhrmann fuhr zur Feier des Tages eine ganz eigenen Mitmachgeschichte auf, wobei überlegte Spontanität gefragt war. Fuhrmann ließ dabei unter anderem den negativen Effekt des Schaltjahres, bei dem alle aktiven Protagonisten einen Tag mehr Zeit zum Mist bauen hätten, genauso wenig aus wie die positiven Effekte, wie zum Beispiel der, dass Gastgeber Volker, der am 29. Februar Geburtstag hat, jetzt erst 14 wurde. Wehmütig blickte Fuhrmann auf das Schaltjahr 2016 bei dem nach 71 Jahren Frieden in Europa die Schalter umgelegt wurden. Weg vom Humanismus, der in 600 Jahren mühsam entwickelt worden wäre. Nachdenklich machte auch Fuhrmanns Erkenntnis, dass in einem Schaltjahr mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken können.

Neben nachdenklichen Erkenntnissen hatte Fuhrmann auch acht Adjektive mit im Gepäck, um der Kreativität der Mitmachfamilie beim Neuschreiben einer amüsanten „Ziegenbargeschichte“ freien Lauf zu lassen. Unterm Strich: Ein wortwitziger Wortsalat, der perfekt zu den Ziegenroten dem Ziegenleberkäs und dem Most an der Ziegenbar passte.

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