Geburtstag Bratwürste zum 90sten

Maria Napowanez feiert heute im Martha und Paul Stäbler Stift ihren 90. Geburtstag.
Maria Napowanez feiert heute im Martha und Paul Stäbler Stift ihren 90. Geburtstag. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Münsingen / szr 05.07.2018

Dass in ihrem Geburtsjahr, dem Jahr 1928, die erste Funksprechverbindung von Deutschland in die USA aufgebaut werden konnte und dass Boxer Max Schmeling durch einen K.-O. Sieg über den Italiener Michele Bonaglia seinen Europameistertitel im Halbschwergewicht verteidigte, interessierte die kleine Maria sicherlich noch nicht, als sie in Trailfingen geboren wurde. Obwohl die Kleine nicht bei ihren Eltern aufwachsen konnte, erfuhr sie eine wunderschöne Kindheit bei ihren Großeltern.

Auf die Frage, was zu den schönsten Momenten in 90 Jahren zählte, antwortet die Jubilarin prompt: „Meine Kinder- und Jugendzeit in Trailfingen“. Maria Napowanez denkt dabei vor allem an die Zeit vor dem Krieg, welche sie unbeschwert erleben durfte. Auch im Krieg, als die Panzer die „Trailfinger Schneck“ empor fuhren, konnte sie sich auf den Schutz der Großeltern verlassen. Dankbar zeigt sie sich heute noch darüber, dass ihr „Ene“ bei Elise Kuhn in Münsingen eine Schneiderlehre organisieren konnte.

Das Schneiderhandwerk war der jungen Maria zu dem Zeitpunkt nicht mehr fremd. Noch heute schätzt sie sich glücklich über die „Kinderarbeit“, die sie im Nähzimmer ihrer Oma, die einst in Heimarbeit nähte, ausführen durfte. Von den Großeltern hat Maria, die als älteste von vier Geschwistern geboren wurde, auch viel in puncto Sparen in kargen Zeiten gelernt. Unter anderem beim Ährenlesen in Gruorn, wo Großeltern und Enkelin gemeinsam die Ähren aufsammelten, welche nach der Ernte übrig blieben. „Da kam noch einiges zusammen“, erinnert sich das Geburtstagskind an die längst vergangene Zeit.

Mit 20 Jahren heiratete sie ihren Mann Sepp, der vor 14 Jahren verstarb und den sie heute fast täglich auf dem Friedhof besucht. Aus der Ehe gingen die Söhne Stefan, Horst, Richard, Karl-Heinz und Siegfried, welche ihr neun Enkelkinder und drei Urenkel schenkten, hervor. Neben der Liebe zur Handarbeit und zum Garten unternahm das Ehepaar auch weite Reisen, unter anderem nach China und Nigeria, wo einer der Söhne beruflich zu tun hatte.

Bis vergangenes Jahr wohnte die 90- Jährige noch zusammen mit ihrem ältesten Sohn in ihren eigenen vier Wänden in der Lehenstraße, wobei sie die  Tagespflege in Anspruch nahm. Bei einem etwas zu weiten Ausflug mit ihrem Rollator kam dann jedoch die Einsicht, dass eine professionelle Pflege für die Seniorin sicherlich das Beste ist.

Der Umzug ins Martha und Paul Stäbler Stift war daraufhin bald beschlossene Sache. Eine Entscheidung, welche die Rentnerin, die sich unter anderem durch das tägliche Lesen des ALB BOTE geistig fit hält, nicht bereut. „Hier fühl ich mich mehr als wohl“, freut sich Maria Napowanez und erzählt, dass sie dem Team immer wieder durch Kartoffelschälen oder das Zusammenlegen der Wäsche unter die Arme greift. Das Team wiederum muss ihr beim Aufstehen unter die Arme greifen, weil das seit einigen Monaten nicht mehr selbstständig geht.

Kaum ist die Heimbewohnerin auf den Beinen, marschiert sie mit ihrem Spezialrollator, der ihr eine aufrechtere Gangart erlaubt und den sie als ihr „Ein und Alles“ bezeichnet, los. Zeigt stolz ihr Zimmer, welches durch die Familienbilder eine ganz persönliche Note erhält. Heute stehen die Türen für die ganze Verwandtschaft im Stift offen und am Sonntag wird dann im kleineren Kreis noch einmal in der Wirtschaft gefeiert.

Gegessen wird dann à la carte, wobei sich die Jubilarin aber schon jetzt sicher ist, dass sie Bratwürste bestellen wird. Auf die freut sie sich schon ganz besonders.

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