Münsingen Bodenständig, heimelig, gemütlich

Vereinsvorsitzender Hubert Wicker (Mitte) mit Mundartdichter Hugo Breitschmid (links) und dem Ehinger Dialektexperten Hermann Wax.
Vereinsvorsitzender Hubert Wicker (Mitte) mit Mundartdichter Hugo Breitschmid (links) und dem Ehinger Dialektexperten Hermann Wax. © Foto: Heike Feuchter
Münsingen / HEIKE FEUCHTER 22.10.2014
Die Erhaltung und Pflege der schwäbischen Mundart ist dem "Förderverein Schwäbischer Dialekt" ein Anliegen. Deshalb stand bei der Hauptversammlung auch ein attraktives Beiprogramm im Mittelpunkt.

Seit 2001 fördert der aktive Verein mit aktuell 1108 Mitgliedern die Vielfalt der Mundarten, unterstützt den Gebrauch dieser wichtigen Ausprägung der Volkskultur auf vielfältige Weise. Jährlich machen es Spenden und Beiträge möglich, 60 000 bis 80 000 Euro zur Förderung des Dialekts zur Verfügung zu stellen, erläuterte der 1. Vorsitzende Hubert Wicker. Auch im vergangenen Geschäftsjahr wurde diese Summe in die Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen und in Schulprojekte zum Thema Mundart investiert, außerdem wurde die Herausgabe von Büchern und CDs zum Thema im Rahmen der Möglichkeiten gefördert.

Mehr als 20 Veranstaltungen mit namhaften Dialektexperten und die Zusammenarbeit mit dem Theater Lindenhof zeigen weitere Aktivitäten des Vereins auf. Im Beiprogramm sorgten zwei Dialektexperten erster Güte für beste Unterhaltung. Als erstes trat Hermann Wax aus Ehingen ans Pult und verblüffte mit seinen Erläuterungen zur Entwicklung des Dialekts. Hermann Wax hat 1956 in Tübingen Neuphilologie, Romanistik, Französisch, Englisch und Geschichte studiert und seit seinem Studium auch die Sprachgeschichte der Wörter erforscht. Die von ihm verfasste "Etymologie des Schwäbischen" ist ein alphabetisch angelegtes Wörterbuch, das über 8000 schwäbischen Wörtern nachgeht, deren Geschichte und Werdegang vom ersten erfassbaren Ursprung bis zur Gegenwart dokumentiert.

Es ist das Ergebnis eines 50 Jahre langen Sammelns und zeigt, wie transnational unser Schwäbisch ist, wie vielsprachig der Schwabe spricht. Dass das schwäbische Vokabular außer dem Germanischen auch griechische, lateinische, arabische, französische, italienische, hebräische und jiddische Einflüsse auf weist, zeigte Wax amüsant und anschaulich auf und brachte die Zuhörer zum Staunen und Schmunzeln.

Feine Nuancen der Aussprache oder einzelne Wörter machen den Unterschied, geänderte Laute oder das Wegfallen und Umbauen von Vokalen machen das Schwäbische aus, zeigte er anhand vieler Beispiele auf. So führte er über das lateinische Wort für Höhlung (cavea) über italienische Einflüsse hin zum "Käpsele", er verblüffte mit den Verbindungen vom englischen Stallwächter zum Steward, vom Salz zum Gsälz, von lateinischen geflochtenen Zweigen (crates) zum schwäbischen Krätta.

Unterhaltend enthüllte er den langen Weg der Wörter in den Dialekt, zeigte Verwandtschaften, Zusammenhänge und Entwicklungen auf. Und so konnten schlussendlich alle einem Zitat zustimmen, welches Wax aus seinem Studium her in Erinnerung blieb: "Schwäbisch ist das größte Sprachgemisch in Zentraleuropa".

Mit Hugo Breitschmid war als zweiter Redner ein Mundartdichter von Format geladen. Der oberschwäbische Bauerndichter ist ein echtes Original und mit einer gehörigen Portion bodenständigem Humor gesegnet. Er hat mehrere Gedicht- und Geschichtenbände veröffentlicht, aus welchen er in Münsingen zum großen Vergnügen der Zuhörerschaft rezitierte. In seinen spritzig-witzigen Reimen nahm er Alltägliches und Zwischenmenschliches aufs Korn, plauderte über Besinnliches, Gewagtes, Heiteres und amüsierte mit Wortspielereien. Und das alles natürlich in herrlichstem schwäbisch: bodenständig, heimelig, gemütlich.

Info Informationen zum Verein unter www.schwaebischer-dialekt.de

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