Münsingen Bier-Express fährt über die Alb

Münsingen / MARIA BLOCHING 05.09.2016
Eisenbahnfreunde und Bierliebhaber kamen gestern voll auf ihre Kosten. Der Bier-Express brachte sie an sechs Stationen, wo Brauer warteten.

500 Jahre Reinheitsgebot – für die sechs regionalen Brauereien mit Berg Brauerei, Brauerei Blank, Böhringer Biere, Speidel´s Biermanufaktur, Zwiefalter Klosterbräu und Albquell Trochtelfingen ein guter Grund zu feiern und das Bier als Kulturgetränk einen Tag lang in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken.

Dank der Unterstützung von vier Gemeinden und Partnern aus der Region konnte gemeinsam mit der Schwäbischen Alb-Bahn ein umfangreiches, unterhaltsames und informatives Programm auf die Beine gestellt werden, das bei vielen Eisenbahnfreunden und Bierliebhabern bestens ankam.

Schon bevor der Gottesdienst im Münsinger Lokschuppen den Tag einläutete, wurde früh am Morgen von der Schwäbischen Alb-Bahn die Dampflok angeheizt. Sie machte sich bereits vor dem mühsamen Anstich des ersten Bierfasses durch den stellvertretenden Bürgermeister Dr. Eberhard Rapp auf den Weg nach Trochtelfingen und pendelte anschließend stetig zwischen Engstingen und Trochtelfingen hin und her. Schon ein ganzer Schwung an Besuchern nahm den ersten Zug, viele blieben aber auch, um zunächst in den Genuss der zahlreichen gebotenen Attraktionen in Münsingen zu kommen.

Mit den Tettnanger Hopfenhoheiten Regina Mack, Sarah Hillebrand und Ann-Kathrin Heine stießen Besucher auf diesen mittlerweile zweiten Bier-Express an, der Einblicke in die Braukunst der Region geben sollte. „Wir wollen heute zeigen, wie aus einem kleinen Gerstenkorn und aus Hopfen würziges Bier gebraut wird“, machte Ulrich Zimmermann von der Berg Brauerei deutlich.

Und die Tettnanger Hopfenkönigin Regina Mack versprach schon jetzt, dass auch für das kommende Jahr der Biervorrat dank einer guten Hopfenernte nicht ausgeht.

Den ganzen Tag über wurden an diesem Standort regionale Köstlichkeiten serviert, Albkorn-Landwirte demonstrierten den Weg vom Korn zum Bier, ein Drechsler präsentierte sein Handwerk und im Lokschuppen erregte eine Modell-Eisenbahn-Ausstellung das Interesse der Eisenbahnfreunde. Es wurden Kutschfahrten, Kräuterwanderungen und Stadtführungen geboten, das Mobilitätszentrum lud zum E-Bike-Fahren ein.

Viele Besucher nutzten die Chance, einen ganzen Tag lang munter mit Dampflock und Schienenbus über die Alb zu ruckeln. Nach Münsingen ging es schließlich weiter nach Offenhausen zur nächsten großen Station.

Der traditionelle Fassanstich war hier in einer Gemeinschaftsaktion von Bürgermeister Klemens Betz (Gomadingen) und Bürgermeister Mario Storz (Engstingen), vom Bundestagsabgeordneten Michael Donth und der Leiterin des Haupt- und Landgestüts Marbach Astrid von Velsen-Zerweck vorgenommen worden. Jetzt konnte mit verfolgt werden, wie früher Gerste gedroschen und Bier gebraut wurde. Als Andenken durften sich die Ausflügler an der historischen Flaschenfüllmaschine eine Sonderflasche zum Bier-Express 2016 abfüllen lassen.

Während die drei kleinen Brauereien Böhringer Biere, Speidel´s Biermanufaktur und Blank aus Zwiefaltendorf vor der imposanten Kulisse der Klosterkirche ihre Biere ausschenkten und dazu leckere Köstlichkeiten servierten, lockte eine Ausstellung mit 500 Bierexponaten aus dem Land ins Innere des Museums. Am Engstinger Bahnhof war zur Mittagszeit kaum mehr ein Durchkommen möglich. Die Besucher wurden nicht nur von witzigen Gauklern, sondern auch von stilechten Benediktinern der Zwiefalter Klosterbräu empfangen. Im Mönchsgewand brauten Brauer und Mälzer Lukas Bleher, Braumeister Hans-Peter Schumacher und Auszubildender Fabian Schumacher mit alten  Gerätschaften ein und erklärten dabei, was es mit dem 500 Jahre alten Reinheitsgebot auf sich hat.

 Bereits beim Ankommen der ersten Dampflok-Schar war eingemaischt worden, nun bot sich die einzigartige Gelegenheit, den Siede- und Brauprozess hautnah mitzuerleben. An Bauernständen und bei Direktvermarktern konnte eingekauft werden, bevor man mit dem Zug wieder Fahrt Richtung Trochtelfingen aufnahm.

Mit drei ohrenbetäubenden Böllerschüssen und Fanfarenmusik wurden die Reisenden hier von Bürgerwehr und Fanfarenzug feierlich empfangen, bevor sich die Schar der Führung durch die Brauerei Albquell anschloss, die anschauliche Einblicke ins Bierbrauen früher und heute zu bieten hatte. Sammler schauten sich im Bierkrugmuseum um und konnten beim Bierkrug-Flohmarkt nach raren Stücken Ausschau halten.

Die letzte Fahrt brachte am Abend alle Ausflügler wieder mit der Dampflock T 3 zurück nach Münsingen. Sie waren sich einig, dass nicht nur die teilnehmenden Brauereien für das abwechslungsreiche Programm an den einzelnen Stationen ein dickes Lob verdient hatten. Insbesondere die Schwäbische Alb-Bahn mit ihren mehr als 30 Akteuren legte eine logistische Meisterleistung an den Tag.

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