Sie haben „Bauchschmerzen mit dem Projekt“. Sie – das sind die rund 20 Mitglieder der Aktionsgruppe Beutenlay, das Projekt ist der von der Stadt geplante barrierefreie Waldlehrpfad am Münsinger Hausberg, inzwischen auch häufig „Heiliger Berg“ genannt. Die Gruppe ist aus verschiedenen Gründen gegen das Vorhaben, über das der Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Dienstag entscheiden wird. Gibt es im Gremium eine Mehrheit für den WildWechsel, werden Unterschriften für einen Bürgerentscheid (siehe Infokasten) gesammelt.

In Gesprächen mit vielen Leuten, so Haike Benski, habe man inzwischen Argumente gesammelt, mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Zum einen: Das Projekt sei mit Kosten von gut einer viertel Million Euro, bezuschusst mit circa 80 000 Euro aus dem Leader-Topf, einfach zu teuer. Zum zweiten habe das Vorhaben „einen geringen Nutzen“ und „zerstört zu viel Natur“. Das hat sich für die Gruppe am Mittwoch bei der Infotour über die geplante Strecke (wir haben berichtet) noch einmal bestätigt: Wegeneubau, Abgrabungen, Hangbefestigungen, Pflasterstreifen braucht’s für den Waldlehrpfad. Außerdem gehen die Gegner davon aus, dass das „wahre Ausmaß der Erdarbeiten im Moment nicht abschätzbar ist“: An vielen Stellen, über die der Pfad führen würde, ist zurzeit noch dichter Wald, „da hat man noch nicht ordentlich vermessen können“, ist Benski sicher.

Es gibt große Zweifel

 Klare Ansage und dritter Argumentationsschwerpunkt der Aktionsgruppe: „Wir zweifeln an der Barrierefreiheit.“ Unterstützung gibt es da von Kerstin Abele, Vorsitzende des Vereins „Behinderte helfen Nichtbehinderten“, die schon häufig zu Gast in Münsingen war. Schotterwege und -parkplatz kann sie aus Erfahrung „nicht empfehlen“, auch Rollatornutzer hätten da „große Probleme“.

Wenn sich Münsingen im barrierefreien, inklusiven Sektor weiterentwickeln wolle, gäbe es noch „weitaus wichtigere Baustellen in der Stadt“ als den Pfad am Beutenlay, sind die WildWechsel-Gegner überzeugt. Sie denken dabei unter anderem ans Absenken von Bürgersteigen.

 Auch das bemängeln die Mitglieder: In der Septembersitzung des Gemeinderates seien plötzlich Bildung und Schulen als Grund für das Projekt „vorgeschoben worden“. Dabei habe es, erklärt Benski, mit den Schulen bisher überhaupt keine Gespräche gegeben. Das sei erst auf den gestrigen Mittwoch anberaumt worden. Und Volker Armbruster findet es „einfach dreist“, wenn der Bürgermeister behaupte, der Beutenlay sei gewissermaßen als Bildungseinrichtung angelegt worden.

Ganz besonders sauer aufgestoßen ist der Aktionsgruppe die „mangel- und fehlerhafte Information der Bevölkerung“, betont Benski. Bei so einem „Großprojekt muss die Bevölkerung mitgenommen und eingebunden werden“. Akribisch haben die Mitglieder deshalb Sitzungsproto­kolle und Haushaltspläne durch­forstet, sind zu dem Schluss gekommen, dass sich das Gremium nie konkret mit Planungen, Ort, Umfang und Finanzierung des WildWechsels befasst hat. Die Stadt habe das in Statements immer wieder bestritten, doch „die haben sich im Nachhinein nicht als richtig erwiesen“, sagt Benski. Sie ist aber auch sicher, dass „die Stadt mit dem Waldlehrpfad Gutes im Sinn hatte, es eventuell einfach ein Schnellschuss war“. Armbruster ergänzt, es sei einfach der falsche Platz für das Vorhaben. Man müsse Vorteile, wie mit dem Pfad ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland zu schaffen, den Nachteilen gegenüberstellen. „Die Planungen waren nicht demokratisch. Wir wollen jetzt mit Mitteln der Demokratie etwas Besseres daraus machen“, erklärt Haike Benski.

Kreativität ist gefragt

Aber die Aktionsgruppe hat auch Vorschläge, was man statt des WildWechsels, von dessen pädagogischem Konzept und Bildungseffekt Horst Dauner sowieso nicht überzeugt ist, umsetzen könnte. Zum Beispiel die „Längeleshalde“ als Alternativgelände untersuchen. Das Gebiet sei nicht ganz ideal, nur in Teilen barrierefrei zu erschließen, aber „da muss man halt kreativ sein“, meint Christel Hack. Man könne doch die Schulen in Planung und Ausführung im Rahmen von Projekttagen einbeziehen. Ein Brief in dieser Sache ging bereits raus. Als ergänzendes Projekt ließe sich der  alte Waldlehrpfad auf der Viehweide wieder richten. Der sei ja nicht, wie behauptet abgebaut, sondern lediglich verwildert.

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