Münsingen / Von Sabine Zeller-Rauscher  Uhr

Es war nicht der Glanz der Diamanten, der Maria und Johann Gunesch durch 60 Jahre Eheglück begleitete. Dennoch, oder vermutlich gerade deshalb, sind die beiden nun schon seit sechs Jahrzehnten ein Ehepaar. Verzicht und Genügsamkeit schweißte das Ehepaar zusammen. Dass sie heute ihre Diamantene Hochzeit feiern dürfen, führen beide auf gegenseitige Akzeptanz und die gegenseitige Bereitschaft zum Verzeihen zurück. „So funktionierts“, ist sich Maria Gunesch, die weiß, dass jeder Mensch seine Fehler hat, sicher.

Die Anfänge der über Jahrzehnte funktionierenden Ehe klingt wie der Refrain des Schlagerhits von Klaus Lage „tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert…“. Johann (87) und Maria (79) Gunesch wuchsen nämlich gemeinsam im 500-Seelendorf Schaal in Siebenbürgen auf. Kannten sich also von Kindesbeinen an. Zwischen den beiden gefunkt hat es dann aber erst bei der Arbeit auf einer Staatsfarm, wo die zwei in der Landwirtschaft und in den Weinbergen Hand anlegten.

Mit wenig zufrieden

Das Leben der beiden war nicht immer einfach. Von Anfang an haben sie gelernt, mit wenig zufrieden zu sein, „ich musste aber nie Hunger leiden, meine Mutter hat immer aus allem etwas gemacht“, erinnert sich Maria Gunesch dennoch dankbar an die kargen Jahre ihrer Kindheit. Reich durften sich beide dann 1956 schätzen, als der entscheidende Funken übersprang und aus der ganz normalen Dorffreundschaft mehr wurde. Eine Liebe fürs Leben, die heute vor 60 Jahren auf dem Standesamt in Wurmloch durch die Unterschrift der beiden amtlich besiegelt wurde.

Das große Fest fand dann am 24. Februar im Heimatdorf Schaal statt. Nicht in Weiß, sondern in der siebenbürgischen Tracht. Schon morgens in der Früh holten die Hochzeitslader – Jugendliche aus dem Dorf – das Brautpaar ab, um mit buntem Stab in der Hand und dem Lied: „Wachet auf ihr Hochzeitsgäste, auf der Hochzeit muss man Essen und das Trinken nicht vergessen“ von Haus zu Haus zu ziehen. Sämtliche geladenen Gäste wurden so zusammengetrommelt. Schnell zog ein langer Hochzeitszug durchs Dorf, um sich noch vor der Kirche zum gemeinsamen Gulaschsuppenessen im Gemeindesaal zu treffen. Ein schönes Fest.

„Die Hochzeiten in Siebenbürgen gehen irgendwie unter die Haut“, weiß Schwiegertochter Christine. Geschenke gab es keine sonderlich wertvollen. Viel brauchbares Emaillegeschirr war dabei. Eine der Emailleschüsseln, die die die junge Maria damals von ihrem Vater bekam, findet sich noch heute in der modernen Küche im Hause Gunesch. Aus der Ehe gingen mit Regina (1958) und Hans (1960) zwei Kinder hervor. Tochter Regina ist heute in Metzingen verheiratet und Sohn Hans wohnt und lebt mit dem Jubelpaar im Dreigenerationenhaus in der Einsteinstraße, wo auch Enkel Christian mit seiner Freundin Selina wohnt.

Viele Stationen gingen dem voraus. Nach dem Tod von Nicolae Ceausescu entschieden sich die drei Generationen,  aus Rumänien fortzugehen, weil der Druck für Deutsche immer größer wurde und sie für ihre Jüngsten keine Zukunftschancen mehr sahen. In Münsingen wurden sie letztendlich mit dem Kauf einer Doppelhaushälfte in der Einsteinstraße sesshaft. Nach und nach wurde das Haus erweitert, so dass heute genug Platz für die drei Generationen ist.

Wer die Guneschs kennt, kennt sie als freundliche, genügsame und fleißige Menschen. Tugenden, die von Generation zu Generation bei den Guneschs weiter gegeben werden und für das Jubelpaar ganz wichtige Bausteine für ein langes Eheglück sind. So wird auch das Fest der Diamantenen Hochzeit nicht groß, sondern im kleinen, familiären Rahmen gefeiert.