Münsingen Bahnbrechende Entwicklung

Gestern bei der Präsentation der neuen Triebwagen, die künftig die Strecke zwischen Münsingen und Ulm befahren werden: Links die Politiker, in der Mitte Bernd-Matthias Weckler, Chef der Schwäbischen Alb-Bahn, rechts die Männer, die zur Zeit für die Zulassung als Triebfahrzeugführer büffeln. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Gestern bei der Präsentation der neuen Triebwagen, die künftig die Strecke zwischen Münsingen und Ulm befahren werden: Links die Politiker, in der Mitte Bernd-Matthias Weckler, Chef der Schwäbischen Alb-Bahn, rechts die Männer, die zur Zeit für die Zulassung als Triebfahrzeugführer büffeln. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Münsingen / ULRIKE BÜHRER-ZÖFEL 26.04.2014
"Die Entwicklung ist dramatisch nach oben gerichtet": Die Schwäbische Alb-Bahn startet mit neuem Konzept, neuen Zügen, großen Vorhaben, viel Man-Power und mit Bahnhofsfest am 1. Mai in die Saison.

Drei Wochen haben sie Zeit, um fit fürs DB-Netz zu werden: Fünf Männer der Schwäbischen Alb-Bahn (SAB) büffeln gerade für ihre Zulassung als Triebfahrzeugführer. Ohne das Papier geht nichts, will man von der Privatbahn - Engstingen-Schelklingen - auf die Schienen der Deutschen Bahn nach Ulm fahren. Und genau das ist für die Alb-Bahner jetzt angesagt. Denn der Ulmer Spatz der Schienenbusfreunde ist ausgemustert.

Lediglich acht Wochen hatte die SAB Zeit, als Ersatz einen komplett neuen Zug zu beschaffen. Fündig geworden ist SAB-Chef Bernd-Matthias Weckler bei der Strohgäubahn. Vier Wagen, tauglich sowohl für die Personenbeförderung als auch für den Gütertransport, stehen jetzt auf dem Münsinger Bahnhof, betriebsbereit. Einer leuchtet auch schon in den "Hausfarben" der SAB - rot-creme. Außerdem zieren den Zug die Wappen der Gemeinden, die an der Strecke liegen, sowie die Wappen der Landkreise Reutlingen und Alb-Donau, die Hirschhörnchen und die Stauferlöwen. Der Grund: "Die Albbahn ist eine Bahn der Region. Mit den Wappen wollen wir zum Ausdruck bringen, dass die Zusammenarbeit positiv und partnerschaftlich ist", so Weckler gestern bei der Präsentation des Wagens.

Leicht habe sich der SAB-Vorstand die Entscheidung für die Neukonzeption nicht gemacht. Bedeute es doch Verdoppelung von Zugkilometern, Personalbedarf und Werkstattkapazität - das praktisch alles in ehrenamtlichem Engagement.

Dafür gab es Lob und Anerkennung, zum Beispiel von Landrat Thomas Reumann, der den Einsatz und Erfolg der SAB als "gigantische Gemeinschaftsleistung" bezeichnete. 1999 sei die Bahnstrecke noch von der Stilllegung bedroht gewesen, "heute ist die Schiene wieder en vogue".

Auch Bürgermeister Mike Münzing betonte: "Es ist einmalig, was hier entstanden ist, ein bahnbrechender Moment, eine neue Dimension für die Erschließung der Alb wurde eröffnet". Die SAB-Mitglieder sorgten seit elf Jahren dafür, "dass hier Leben herrscht", die Bahn als "touristisches Highlight den Erlebnisradius erweitert".

Dass so ein Unternehmen auf viele Partner angewiesen ist, versteht sich. Zum Beispiel auf die Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB). "Uns liegt der Schienenverkehr am Herzen", sagte RAB-Vertreter Jürgen Schnabel. Seit 1999 sei die RAB dem saisonalen Freizeitnetz mit dem Ulmer Spatz verbunden." Bleibt es - auch ohne ihn. Denn sie hat einen Spatzen-Wagen übernommen, die blau-weiße Lackierung durchs Ursprungsrot ersetzt. Der Wagen ist jetzt regelmäßig als Spätzles-Express unterwegs.

Auch ohne die Erms-Neckar-Bahn AG-Bad Urach (ENAG) geht nichts auf der Alb-Schiene. Sie versieht jetzt die Strecke mit einem Sicherheitssystem, damit mehrere Züge verkehren können, die Kleinengstinger Station zu einem Gemeinschaftsbahnhof der Hohenzollerischen Landesbahn(HzL) und der SAB wird.

Ebenfalls mit im Boot, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), die den Schienenpersonennahverkehr plant und koordiniert. Deren Vertreter Gerhard Schnaitmann fasste zusammen: "Die Entwicklung der Albbahn ist dramatisch nach oben gerichtet, dass einem schon fast schwindlig wird." Der Verein habe "eine tolle Dampfloksaison mit der T 3 hingelegt, an sieben Tagen 5000 Leute befördert.

Eine zweite Dampflok stehe zur Aufarbeitung im Lokschuppen, mit weiteren historischen Personenwagen liebäugelt der Verein.

Ebenfalls betriebsbereit sind drei frisch lackierte MAN-Triebwagen, die vorwiegend die Touren zwischen Münsingen und Schelklingen übernehmen werden. Und Entwicklungsmöglichkeiten stecken natürlich auch durch die Neuerwerbung: Die Fahrzeuge der Baureihe N 81 machen mit ihrer Leistungskapazität " eine Steigerung und Flexibilität im Güterverkehr möglich".

Ansehen kann man sich die neuen Fahrzeuge beim Bahnhofsfest zum Saisonstart am 1. Mai zwischen 10 und 17 Uhr. Die Besucher erwarten da auch weitere Attraktionen, zum Beispiel das österreichische Krokodil E 94 088, Führerstandsmitfahrten mit der Dampflok und eine Ausstellung amerikanischer Modellbahnen.

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