Wer in diese Räume in der Karlstraße kommt, dem steht der Sinn wohl recht wenig nach Kunst. Und doch können ihm in seiner Trauer vielleicht die Bilder von Karl Striebel einen Lichtblick und bestenfalls sogar etwas Trost geben.

Für den Künstler ist diese Ausstellung ein Novum: „Ein Bestattungsinstitut betritt man in der Regel niemals unbefangen. Deshalb war ich auch skeptisch, ob meine bunten Landschaften genau hier her passen“. Und tatsächlich vermitteln die farbenfrohen Bilder eine Ahnung von Hoffnung und Zuversicht, die Motive aus der näheren Umgebung von Münsingen und von der Schwäbischen Alb lassen das Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit aufkommen. Wer hierher kommt, sucht und findet – so passt sich der Titel der Ausstellung „Suchen und Finden“ perfekt den Ausstellungsräumen an und beschreibt die Entstehung – von der Künstleridee bis zum fertigen Bild.

Denn Karl Striebels Malerei und Grafik basiert auf Fotografie, mit der er einen Landschaftsausschnitt festhält und die er schließlich spannungsreich malerisch umsetzt. Er sucht nach Motiv und Medium, nach Farbe und Format – und findet eine Möglichkeit, Stimmungen und Landschaften auf die Leinwand zu bannen. Nicht immer ist der erste auch gleich der richtige Weg: „Während meiner Arbeit suche und finde ich immer auch Unklarheiten, Unstimmigkeiten, falsche Farbsetzungen und Auswege. Manchmal gerate ich in eine Sackgasse und muss umkehren“. Nicht zuletzt geht es auch um das Finden des richtigen Zeitpunkts, an dem das Bild fertiggestellt ist, bevor die Landschaft „totgemalt“ und der Spannung und Spontaneität beraubt wird.

In Striebels Bilder finden sich Himmel, Wiesen, Bäume, Gebirge, Hochflächen und Wälder, verschiedene Farben übernehmen wechselnd die Dominanz. Manchmal werden auch leuchtende Kontraste reduziert eingesetzt, die dann zugleich pointiert aus dem Bildraum hervorbrechen.

Mit seiner Kunst lässt er die Jahreszeiten nachempfinden, er stellt Landschaften mal üppig blühend auf dem Höhepunkt ihrer Entfaltung und dann wieder bedürftig und verletzt dar. Doch er begnügt sich nicht mit nostalgischer Heimatverbundenheit, sondern nutzt die traditionsreiche Gattung der Landschaftsmalerei, um Phänomene der Gegenwart sowie rein künstlerische Fragestellungen malerisch zu erörtern. So sind in seinen Arbeiten keine illusionistisch wiedergegebene Landstriche zu sehen, die im Detail auf lokale Besonderheiten hinweisen.

Seine Malerei bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion, sie ist vielfach expressionistisch anmutend in gestischem Pinselstrich auf die Leinwand gebracht und vor allem in den zeichnerischen Arbeiten sehr frei gehalten. Der Betrachter sucht vergeblich eine romantisierende Seelenmalerei, die symbolisch oder motivisch auf bessere Zeiten verweist, er findet auch keine Figuren oder Staffagen, die ihm einerseits als stets willkommene Identifikationsfiguren dienen, andererseits die Szenerie anekdotisch beleben könnten. Das Medium der Zeichnung kommt per se der schnell hingeworfenen Idee, dem spontanen Gedanken durch die Unmittelbarkeit und Einfachheit der künstlerischen Technik entgegen. So sind lediglich eine Horizontlinie, eine Erdformation zu erkennen oder eine Komposition aus Form und Farbe.

Rund 30 Bilder sind in der abwechslungsreichen Ausstellung zu sehen, darunter auch großformatige Arbeiten, die eine Kombination aus grafischen Linien- und Strichelementen sowie malerisch modellierten Flächen – also eine kunstvolle Verbindung von Zeichnung und Malerei – aufweisen.

Striebel legt seinen Arbeiten zwar Landschaftseindrücke als Impulsgeber zugrunde, doch ihnen fehlt der unmittelbare Eindruck und das Nebensächliche. Neben klar zu definierenden Landschaften werden auch urbane Landschaften gezeigt, die teilweise auf Acrylglas gearbeitet sind und dabei auch fotografische Elemente in die Malerei einbeziehen.

Angelehnt an den außergewöhnlichen Ausstellungsort wird es auch eine außergewöhnliche Laudatio bei der Vernissage am Donnerstag, 9. Februar, 19 Uhr, geben. Karl Striebel ergreift als Künstler selbst das Wort und erzählt in Kurzfassung, wie er bei der Landschaftsmalerei vorgeht, was zu beachten ist und wie sich, wenn man diese von ihm angesprochenen Punkte beherzigt, ganz schnell eine Landschaft aufs Papier oder auf die Leinwand zaubern lässt.

Die Ausstellung im Bestattungsinstitut Michael Schwarz in der Karlstraße 22 ist bis zum 29. April zu sehen. Öffnungszeiten sind am Montag und Mittwoch von 16 bis 18.30 Uhr sowie Donnerstag und Samstag von 9 bis 11.30 Uhr.