Geschichte Ausstellung im Stadtmusuem

Münsingen / Ulrike Bührer-Zöfel 13.02.2018

Sie  waren der Kontakt zur Heimat: Feldpostbriefe und -postkarten aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Durch Zufall ist Dieter Reichhold, Vorsitzender  des Münsinger Geschichtsvereins,  im Seeburger Pfarrhaus  kistenweise auf sie gestoßen – „bei einer Großputzaktion“, erzählt er. Entdeckt hat er die Korrespondenz zwischen Soldaten aus Münsingen und Umgebung  mit dem  damaligen Seeburger Pfarrer Ferdinand Klein. 

Sie dankten fürs Weihnachtspäckle, wünschten „ein gesegnetes Neujahr“, schrieben übers Wetter, aber auch über die furchtbaren Zustände  an der Front, teilten ihre Sorgen und Nöte mit. „Und es ist auch viel Propaganda dabei, so Reichhold. Bemerkenswert findet er vor allem auch eine Reihe von Briefen eines Soldaten, in denen sich dessen geänderte Einstellung zum Krieg widerspiegelt.

Beim  Sichten und Auswerten der Feldpost hat Reichhold, der dabei von Paul Fink, Gerhard Haag und dem ehemaligen Rietheimer Ortsvorsteher Ludwig Goller unterstützt wird, auch die Briefe von Gottlieb Wall in die Hände bekommen. Er stammte aus Rietheim, das als Filial zu  Seeburg gehörte, war der Großvater von Reichholds Frau. Und ihn erreichte die Nachricht, dass sein 14-jähriger Sohn gestorben war, fernab der Heimat und ohne die Chance, bei seiner Familie zu sein oder gar an der Beerdigung teilzunehmen.

 Die Briefe geben einen  recht umfassenden Einblick in die Lebensumstände der Soldaten, werden  im Mai in einer Ausstellung im Stadtmuseum unter dem Titel „Gesund bin ich gottlob immer noch“ präsentiert (siehe Info unten). Der Fokus liegt dabei auf drei Einzelschicksalen, dem Leben des Pfarrers und  die Stimmung in Münsingen vor 100 Jahren als  der Erste Weltkrieg endete, mit der Weimarer Republik ein neuer Abschnitt deutscher Geschichte begann.

Genau der Zeit ist eine Vortragsreihe gewidmet, die sich übers ganze Jahr erstreckt. Stadtarchivar Yannik Krebs konnte dafür „namhafte und renommierte Historiker“ gewinnen. Auftakt ist  am Donnerstag, 22. Februar, mit Dr. Bernd Braun, Lehrbeauftragter an der Uni Heidelberg und  stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte. Sein Thema „Zu den Waffen! Die deutschen Intellektuellen und der Erste Weltkrieg“. Anhand von Fallbeispielen zeigt er auf, ob „der deutsche Geist“ im Krieg versagt hat.

Mit „Safe for Democracy? Die USA und der  Erste Weltkrieg“ befasst sich Prof. Dr. Manfred Berg, Inhaber der Curt-Engelhorn-Professur für Amerikanische Geschichte an der Uni  Heidelberg, am  22. März. Warum trat die USA erst so spät in den Krieg ein und wie wirkte sich das auf die amerikanische Gesellschaft aus?

Am 19. April setzt sich  Prof. Dr. Jörn Leonhard mit „Der überforderte Frieden: Das Ende des Krieges 1918 und die Neuordnung der Welt“ auseinander. Er ist Lehrstuhlinhaber für Westeuropäische Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Wie erlebten die Menschen das Kriegsende, wie stellten sie sich nach vier Jahren den Frieden, wie die  neue Ordnung der Welt vor?

 Dann wird es regional: Zum Thema „Revolution in Reutlingen – ein mikro- und makrohistorischer Rückblick auf 1918/19“ spricht am 7. Juni Prof. Dr. Ewald Frie, Professor für Neuere Geschichte an der Uni Tübingen und Direktor des Seminars für Neuere Geschichte.

Nach der Sommerpause steht am 11. Oktober der nächste Vortrag auf dem Programm: Mit dem politischen Umbruch und der Konstituierung der Republik in  Baden und Württemberg befasst sich der Vortrag  „Von der Monarchie zur Republik in Südwestdeutschland“. Referentin ist Prof. Dr. Ursula Rombeck-Jaschinski, Lehrbeauftragte an der Universität Stuttgart. Sie hat auch die Bachelorarbeit von Krebs betreut. 

Zum Schluss der Vortragsreihe kommt nochmals Prof. Dr. Manfred Berg auf die Alb. Er referiert am 22. November über „Wilson-Frieden“ oder „Schanddiktat“? Der Versailler Vertrag in historischer Perspektive“. Berg  ist Autor einer neuen Biografie über den US-Präsidenten Woodrow Wilson.

Anmeldung und Stehempfang

Der Eintritt zu den sechs Vorträgen inklusive Stehempfang im  Münsinger Stadtmuseum  – Beginn jeweils um 19 Uhr – ist frei, Spenden natürlich erwünscht. Ebenso eine Anmeldung spätestens eine Woche vor der Veranstaltung bei Stadtrachivar Yannik Krebs unter  Telefon (0 73 81) 182-115 oder stadtarchiv@muensingen.de. Ist der Andrang groß, finden die Vorträge in der Zehntscheuer statt.

Ausstellung im Mai

Die Ausstellung „Gesund bin ich gottlob immer noch“  wird am Donnerstag, 17. Mai,  um 19 Uhr im Münsinger Stadtmuseum eröffnet.
Präsentiert werden dort die Feldpostbriefe an Pfarrer Ferdinand Klein.

Besuchen können Interessierte die Ausstellung bis zum 22. Juli jeweils donnerstags, sonn- und  feiertags  zwischen 13 und 17 Uhr.

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