Münsingen Angehende Berufskraftfahrer testen aktuelle Lkw-Modelle

Matthias Wöhrle, der bei der Firma Max Wild beschäftigt ist, wird in den Renault-Truck eingewiesen.
Matthias Wöhrle, der bei der Firma Max Wild beschäftigt ist, wird in den Renault-Truck eingewiesen.
REINER FRENZ 11.05.2013
Erstmals verleihen die Fachzeitschriften Fernfahrer, lastauto omnibus und trans aktuell den "Young Professionals Truck Award". Mehr als 200 Testfahrten fanden dazu auf dem ehemaligen Übungsplatz statt.

"Vom Ziehen her ist der Iveco topp". "Den Einstieg am Magnum finde ich nicht so toll". "Die Volvo-Betten sind riesig": 30 angehende Berufskraftfahrer, die in den nächsten Tagen ihre Abschlussprüfung an der Gewerblichen Schule in Ehingen absolvieren, kommentierten untereinander ihre Eindrücke von den fünf verschiedenen Lastwagenmodellen, mit denen sie am Dienstag und Mittwoch dieser Woche auf dem Gelände des ehemaligen Münsinger Truppenübungsplatzes ihre Runden drehten.

Insgesamt fanden mehr als 200 Testfahrten statt, und mit den neun Trucks wurden mehrere tausend Kilometer zurückgelegt. Hintergrund der Aktion: Die im EuroTransportMedia-Verlag erscheinenden Fachzeitschriften Fernfahrer, lastauto omnibus und trans aktuell haben erstmals den "Young professionals truck award" ausgelobt, ein Preis, der im Rahmen der Prämierung "Die besten Nutzfahrzeuge" am 18. Juni verliehen wird.

EuroTransportMedia-Geschäftsführer Werner Bicker betonte, dass es sich um keine übliche Testveranstaltung handle, bei der auf die zweite Stelle genau der Verbrauch der Fahrzeuge gemessen werde, sondern darum, zu erfahren, was die jungen Leute - die meisten von ihnen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren - von ihrem Arbeitsplatz der Zukunft erwarten.

Als Aktionspartner wurde die Gewerbliche Schule in Ehingen (GBS) gewonnen, die als eine der wenigen im Land einen Dualen Ausbildungsgang zum Berufskraftfahrer anbietet, in dem angehende Lkw-Lenker lernen, wie man Ladung richtig verstaut, Routen plant, Elektronik einsetzt. Sie werden mit der Kfz-Technik vertraut und lernen die rechtlichen Aspekte ihres Berufs kennen, erläuterte Max Eberle, Lehrer an der GBS.

Eineinhalb Tage lang konnten die jungen Leute nicht nur die von ihren Ausbildungsbetrieben her gewohnten Lastwagen steuern, sondern auch die Produkte anderer Hersteller unter die Lupe nehmen. Fünf der sieben großen auf dem deutschen Markt vertretenen Lkw-Hersteller hatten sich an der Aktion mit ein bis zwei Fahrzeugen beteiligt, Mercedes, Volvo, MAN, Iveco und Renault. Es fehlten lediglich DAF und Scania. Es handelte sich dabei um serienmäßige Fahrzeuge, die mit voll beladenen Auflegern und damit unter Praxisbedingungen unterwegs waren.

Ein ausgeklügelter Plan gewährleistete, dass jeder Berufsschüler mindestens zwei Runden à neun Kilometer mit jedem der Modelle zurücklegte. Und sich dann daran machte, die Bewertungsbögen auszufüllen. 27 einzelne Positionen galt es mit Schulnoten zu bewerten. Dabei waren Fragen wie die nach dem Design der Außenspiegel, dem Einstellen des Lenkrads, dem Tempomat, der Rundumsicht oder der Übersichtlichkeit der Instrumente. Am Ende galt es dem jeweiligen Fahrzeug eine Gesamtnote zu geben. Außerdem bestand die Möglichkeit zu notieren, was einem am Fahrzeug besonders gut oder gar nicht gefallen hat.

Vildan Baykal-Hils vom Mercedes-Testwagenmanagement betonte, dass sich die Hersteller durchaus verwertbare Informationen aus der Veranstaltung erhoffen: "Die jungen Leute gehen mit unverdorbenem Blick an die Fahrzeuge heran". Wer schon länger Berufskraftfahrer sei, habe in der Regel seine Markenvorlieben entwickelt, während es sich hier um Berufsanfänger handle, die sich einfach in die Brummis setzen und drauflos fahren würden. Heutzutage gebe es keine schlechten Lastwagen mehr, sagte die Expertin, weshalb oft das Design entscheidend sei bei einer Verkaufsentscheidung. Bei 60 000 bis 70 000 Euro fangen die Preise für die Sattelzugmaschinen an und sie enden erst jenseits der 200 000 Euro-Marke.

Ein Höhepunkt der Münsinger Veranstaltung war eine Gesprächsrunde unter dem Motto "Azubis fragen, Experten antworten" am Dienstagabend in der Hopfenburg, an der namhafte Vertreter aus der Industrie, darunter der Geschäftsführer von Volvo Deutschland Thomas Maurer, teilnahmen.