Münsingen / Anne Laaß  Uhr

Es sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, als der Angeklagte im März dieses Jahres auf den Bekannten seiner Exfreundin mit einem Teppichmesser losgegangen ist. „Ich wollte ihn in den Oberschenkel stechen“, erklärte der 28-Jährige vor dem Amtsgericht Münsingen. Keinesfalls habe er den Mann am Oberkörper verletzen wollen, betonte er wiederholt.

Schwere Körperverletzung

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft, die auf schwere Körperverletzung mit einfacherer Körperverletzung plädierte, ist aber genau das passiert: Auf dem Weg zum Einkaufen sah der 28-Jährige seine heutige Exfreundin mit einem anderen Mann reden. Er soll dann mit einem Teppichmesser auf den Begleiter eingestochen und ihn mit Fäusten geschlagen haben. Dieser erlitt eine Schnittwunde und fiel auf den Boden, wo er in Folge dessen eine Verletzung erlitt. Daraufhin ging die Exfreundin dazwischen und wurde vom Angeklagten ebenfalls attackiert. Sie und ihr Bekannter erlitten Schädelprellungen und Hämatome.

Bei der Verhandlung vor dem Münsinger Amtsgericht wirkte der junge Mann reumütig und geständig. Er machte eine umfängliche Aussage – soweit er sich an den Tathergang erinnerte. Seiner Schilderung zufolge sei sein Wutausbruch durch das falsche Spiel seiner damaligen Freundin entstanden. Für ihn war die Beziehung noch zu retten, es seien ihm sogar Hoffnungen gemacht wurden, erklärte er wiederholt. Für die Geschädigte, die als Zeugin aussagte, sei die Beziehung definitiv beendet gewesen.

Am Tattag habe der 28-Jährige, der bereits mehrfach versucht hatte von den Drogen loszukommen, dass er unter Drogeneinfluss gestanden habe. Abends hatte er mit seiner Freundin noch Cannabis konsumiert. Am nächsten Morgen nahm er nach eigener Aussage noch Speed, THC und ein starkes Schmerzmittel ein. Für die Zeugin war das die Erklärung, warum er auch sie angegriffen und geschlagen habe. Ein Passant ging dazwischen, als beide Opfer am Boden lagen und warf den Angeklagten mit Wucht ebenfalls zu Boden. Zu dieser Zeit waren sowohl Polizei als auch Rettungskräfte informiert worden. Der Beschuldigte sei kurz nach der Tat gegangen, hatte sich aber gleich am nächsten Morgen telefonisch bei der Polizei gemeldet. Zudem kontaktierte er die beiden Geschädigten. Er hatte sogar 1500 Euro Schmerzensgeld angeboten. „Ein lahmer Bestechungsversuch“, kommentierte der 34-jährige Zeuge, der durch die Tat eine Stichwunde am Arm erlitten hatte. Das Angebot habe er abgelehnt, erklärte er vor Gericht.

Für Richter Joachim Stahl, Direktor des Amtsgerichtes, war es wohl kein lahmer Versuch. Er, Staatsanwalt Beiler und Pflichtverteidiger Maximilian Keller waren der Auffassung, dass es durchaus als Wiedergutmachung zu sehen war. Auch das der Angeklagte ein vollumfängliches Geständnis ablegte, sich selbst bei der Polizei meldete und sich in einer persönlichen Ausnahmesituation befand, sprachen für den 28-Jährigen.

Bewährungsstrafe

Die Staatsanwaltschaft forderte aufgrund der Schwere der Tat eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung, 120 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Auflage, dass der Angeklagte regelmäßig zur Drogentherapie gehe. Rechtsanwalt Keller plädierte hingegen für acht Monate und merkte an, dass sein Mandant aufgrund einer Verletzung an der linken Hand keine schwere Arbeit ausführen könne, das Gericht aber sicher eine geeignete Auflage finden werde. Das berühmte letzte Wort, wie Richter Stahl erklärte, lag beim Angeklagten. Dieser betonte, dass es ihm leid tue und machte darauf aufmerksam, dass seine linke Hand nicht mehr belastbar ist.

Richter Stahl überdachte die Aussagen, bevor er das Urteil verkündete: zehn Monate Freiheitsstrafe für schwere Körperverletzung mit einfacher Körperverletzung, ausgesetzt zur Bewährung. Zur Seite gestellt wurde dem 28-Jährigen auch ein Bewährungshelfer. Eine weitere Auflage ist eine einjährige ambulante Drogentherapie. Hinzu kommen 100 Stunden gemeinnützige Arbeit, die innerhalb von sechs Monaten abzuleisten sind. „Sie brauchen einen gewissen Anschub“, erklärte Richter Stahl. Es gebe leichte Tätigkeiten, die trotz der Verletzung ausgeübt werden können. In den kommenden drei Jahren dürfe sich der 28-Jährige nichts zu schulden kommen lassen, betonte Stahl.

Er verdeutlichte, dass es das letzte Warnzeichen sei. Würden sie sich im Gerichtssaal wiedersehen, würde das Urteil nicht so milde ausfallen. Dennoch motivierte er den jungen Mann und sprach eine eher positive Prognose aus, da der 28-Jährige zumindest versuche seine Probleme anzugehen.

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