Roland Hocker, Direktor des Staatlichen Schulamts Tübingen, machte es am Montagabend deutlich: „Wir haben nicht einfach nur das Namensschild „Hauptschule“ gegen „Gemeinschaftsschule“ ausgetauscht, sondern etwas Neues geschaffen. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel“. Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten der Grünen, Thomas Poreski, mit Schulleiterin Nicole Breitling, Jan-Dirk Naegelsbach als Elternvertreter der Schillerschule sowie Lehrern, Eltern und Rektoren aus der Region tauschte er sich über die Erfahrungen der letzten sechs Jahre und über die anstehenden Herausforderungen aus.

Durch die Einführung der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg sei eine neue Mischung der Schülerschaft erfolgt. Zuvor fanden die Hauptschulen im Land keine Akzeptanz mehr, in Tübingen wechselten gerade noch sechs Prozent der Schüler nach der Grundschule zur Hauptschule. Die Schillerschule Münsingen konnte noch eine bessere Quote erreichen, was laut Hocker der guten Kooperation mit der Realschule, dem stimmigen Umfeld und der Unterstützung durch die Kommune zu verdanken war.

Das Schulamt hatte die Entwicklung der Schillerschule zur Gemeinschaftsschule eng begleitet: „Wir wussten, dass wir hier einen Standort haben, der individuell auf die Kinder schaut und einen hohen Gelingensfaktor aufweisen kann“. Das derzeitige Vier- bis Fünf-Säulen-Modell mache es jedoch dem Schulamt nicht leicht, auch das dreigliedrige Modell sei von einem Drittel an gleichmäßigen Übergängen abhängig.

„Mein Wunsch ist es deshalb, konsequent in Richtung Zwei-Säulen-Modell zu gehen“, betonte Hocker und gab zu bedenken, dass jedoch die Zielsetzung von Gemeinschaftsschule und Gymnasium nicht die gleiche sein könne. An Gemeinschaftsschulen sei die Zahl der individuellen Kinderförderung derzeit sehr hoch: „Hier gibt es Nachholbedarf“. Es wäre eine Beruhigung, wenn es an allen Standorten so gut klappen würde wie an der Schillerschule Münsingen.

Nicht umsonst hat sich diese laut Nicole Breitling deshalb für den Deutschen Schulpreis beworben und liegt derzeit unter den besten 20 Gemeinschaftsschulen. Sie sprach von der Entwicklung neuer Lernformen, von einem engagierten Lehrerteam und einem guten Zusammenspiel von Schule, Eltern und Bildungspartnern, von individuellem Lernen, einer Leistung auf drei Niveaustufen und von einer Schülervielfalt, die als Chance genutzt werde. „Inklusion ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die wir hier an der Gemeinschaftsschule umsetzen. Aber dieser Leistungsauftrag benötigt ausreichend Ressourcen“, machte Nicole Breitling deutlich und verwies auf die Verantwortung des Landes, durch ausreichend Entlastungszeiten, Ausstattung, Weiterbildung und genügend Personal die Schulentwicklung voranzutreiben und zu unterstützen.

„Keine Konkurrenz unter den Schulen und eine Schulart für die Klassen eins bis 13, gleiche Lehrerausbildung und gleiche Bezahlung“, das ist die Vision von Elternvertreter Jan-Dirk Naegelsbach, der in den Gemeinschaftsschulen einen ersten Schritt in diese Richtung sieht. Für Thomas Poreski bieten Gemeinschaftsschulen eine überzeugende Möglichkeit, gute und kindgerechte Pädagogik im Alltag umzusetzen. Die regionale Schulentwicklung in Münsingen bezeichnete er als „gelungen und weitgehend abgeschlossen“, am Zwei-Säulen-Modell müsse allerdings in ganz Baden-Württemberg noch gearbeitet werden.

Diese Veranstaltung sollte nicht dazu dienen, das Modell Gemeinschaftsschule zu feiern, sondern um Impulse zu sammeln für eine künftige Weichenstellung.

So setzten sich die Teilnehmer im Anschluss an die Ausführungen in Arbeitsgruppen zusammen und beschäftigten sich mit der Frage, welche Perspektiven es für eine weiterhin erfolgreiche Gemeinschaftsschule gibt und was dafür gebraucht wird.

Wichtig ist laut Thomas Poreski, dass eine grundsätzliche Oberstufe möglich ist und dass eine faire Lehrer- und Ressourcenverteilung erfolgt.