Wie Glühwürmchen leuchten die 44 Erstklässler in ihren neuen Sicherheitswesten auf dem Schulhof der Astrid-Lindgren-Schule. Allein in Baden-Württemberg sind fast 100 000 Schulanfänger damit vom ADAC ausgestattet worden, weil nach wie vor die hohen Unfallzahlen junger Verkehrsteilnehmer alarmierend sind. 2011 wurden in Deutschland rund 31 000 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr verletzt, 86 starben.

Die Gefahr, im Straßenverkehr zu verunglücken, ist in der dunklen Jahreszeit doppelt so hoch als im Sommer, deshalb hat sich der ADAC zum Ziel gesetzt, die Unfallzahlen durch die Verteilung von Sicherheitswesten zu senken. "Damit werden Kinder rascher und besser gesehen", sind sich Dominik Bückle und Reiner Goller vom AMC Münsingen sicher. Gemeinsam mit Uli Schwenk als Vertreter der Stadt Münsingen und Polizist Harry Zilz haben sie die Leuchtwesten an die Erstklässler verteilt und hoffen nun, dass diese auch regelmäßig getragen werden, denn nur dann erfüllen sie auch ihren Zweck.

Sicherheit im Straßenverkehr ist in Münsingen nichts Neues. Seit 30 Jahren führt die Verkehrswacht mit der Kreissparkasse und mit der VR-Bank Aktionswochen durch, in deren Rahmen ABC-Schützen mit Leuchtdreiecken und gelben Mützen ausgestattet werden. Die bisher einmalige Schutzaktion des ADAC ist eine weitere Ergänzung. So können Kinder im Straßenverkehr auch bei Dunkelheit gut wahrgenommen werden. Nun kommt es auf die Eltern an, ihre Kinder auch konsequent mit diesen Sicherheitsmaßnahmen auszustatten und alle Verkehrsteilnehmer tragen eine besondere Verantwortung in Bezug auf Aufmerksamkeit.

Insbesondere in Münsingen hat sich herauskristallisiert, dass nicht vorrangig der Fußweg von Zuhause zur Schule große Gefahren birgt, sondern die Tatsache, dass der Großteil der Schüler morgens mit dem Auto gebracht und am Mittag wieder abgeholt wird. Regelrecht "chaotisch" gehe es dann vor dem Schulgebäude zu, ist vom Lehrerkollegium zu hören. Manchmal kommt es sogar zu Streitereien unter den Eltern, die sich gegenseitig behindern. Die Schule hat dieses zunehmende Problem jedes Jahr am Beginn des neuen Schuljahres auf ihrer Agenda und appelliert an die Eltern, ihren Kindern doch etwas zuzutrauen. Meist jedoch ohne Erfolg. Auch im Stadtrat hat diese gefährliche Situation schon Aufmerksamkeit erregt, so Uli Schwenk: "Wir brauchen Menschen, die Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können. Das lernen Kinder unter anderem, wenn sie zu Fuß zur Schule gehen", ist Schwenk überzeugt. Und auch Harry Zilz, der jedes Jahr die Kinder in der Jugendverkehrsschule intensiv auf ihren Schulweg vorbereitet, ist der Meinung, dass Erstklässler durchaus in der Lage sind, diesen allein zu bewältigen. "Die Gefahren beim Bringen und Abholen sind sehr groß". So können die Westen laut Zilz nur ihren Zweck erfüllen, wenn Eltern ihre Kinder auch laufen lassen.

Zu Beginn eines neuen Schuljahres würden alle Verkehrsteilnehmer um erhöhte Rücksichtnahme gebeten. Die Schüler seien mit Sicherheitswesten, Leuchtdreiecken, Reflektoren an ihren Schulranzen und gelben Mützen bestens ausgestattet. Wenn alle am Straßenverkehr Beteiligten Verantwortung übernehmen und die Erstklässler selbstbewusst ihren Weg alleine gehen, könne die Sicherheit auf dem Schulweg deutlich erhöht werden.