Ein Vollblutmusiker verlässt die Bühne: Insgesamt 25 Jahre lang hat Rudi Braun das Akkordeonorchester Münsinger Alb musikalisch geleitet und dabei all jene Akzente gesetzt, die das Orchester zu einer Besonderheit machen und ihm viele Fans aus dem ganzen süddeutschen Raum beschert haben. In der Alenberghalle ist das Jubiläumskonzert am nächsten Samstag unter der Überschrift „Reise durch die Zeit“ zugleich also auch ein musikalischer Abschied für den Münsinger, der es nicht zuletzt geschafft hat, die oft vorhandenen Vorurteile gegenüber dem Akkordeon zu entkräften. Gelungen ist das mit einem eigenen Stil, den Braun von Beginn an durch von ihm selbst geschriebene Arrangements und auch eigene Kompositionen entwickelt hat. „Im Grunde sind wir eher eine Akkordeon-Bigband“, erzählt Braun im Gespräch mit unserer Zeitung. „Keyboards, Drums, E-Piano, Bläser und Gesang sind bei uns gemeinsam im Einsatz“. Die Vielfalt spiegelt sich auch im musikalischen Repertoire, das von Rock, Pop und Jazz bis zum Piazzolla-Tango reicht. „Wir haben viele junge Spieler und bei denen kommen volkstümliche Stücke nicht an“.

Eine lange Tradtion, die nachhaltig überzeugt

So ist das Orchester, das 1969 und damit vor 50 Jahren durch Hans Brändle, einem Berufsmusiker, der als Ruheständler auf die Alb zurückkam, gegründet wurde, seit dem Einstieg von Braun als Leiter musikalisch vielfältig unterwegs. Braun selbst beherrscht neun Instrumente und hat bereits im Alter von neun Jahren begonnen, Akkordeon zu spielen, die Trompete kam ein Jahr später dazu. Als Zwölfjähriger war er mit dem Bläserensemble „Die 7 Schwaben“ sowohl bei Rundfunk- und TV-Aufnahmen wie auch bei zahlreichen Konzerten im In- und Ausland unterwegs. Mehr als 40 Jahre lang hat Braun in verschiedenen Tanz-, Rock-, Irish-Folk Gruppen und Jazz Bigbands mitgespielt und sich so einen immensen musikalischen Erfahrungsschatz erworben. „Die Prämisse für uns war immer, niveauvolle Unterhaltung zu bieten und zugleich den Geschmack des Publikums zu treffen“. Der Erfolg spricht für sich, so besuchen seit zwei Jahrzehnten regelmäßig rund 450 bis 500 Zuschauer die Jahreskonzerte in der Alenberghalle.

Vier Orchester mit rund 70 bis 80 Aktiven umfasst das Akkordeonorchester: Die Jüngsten spielen und lernen bei den „Kids“, die Jugendlichen sind aktiv bei „Blue Note“ und im HauptorchesterInTakt“ – dazu kommt die HobbygruppeDa Capo“. Alljährlich stehen zahlreiche Auftritte der vier Orchester bei Soirees, Kirchen- und Kurkonzerten oder zum Beispiel beim Stadtfest im Terminkalender. Höhepunkt ist jedoch zweifellos das Jahreskonzert, das immer unter einem bestimmten Motto steht. Auch heuer werden die Besucher natürlich in einer passend dekorierten Halle empfangen und können sich neben neuen Arrangements auf Musical-Songs, Rock-, Pop- und Jazzstücke sowie Evergreens und obendrein den Auftritt von Hannes Nedele freuen, der als Musical-Sänger in Stuttgart Erfolge gefeiert hat.

Nicht nur spielen, sondern fühlen

„Mir ging es immer darum, nicht nur die musikalischen Fertigkeiten zu vermitteln, sondern auch Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit sowie einen respektvollen Umgang miteinander einzufordern“. In musikalischer Hinsicht hat Braun viel Wert auf Stilistik, Dynamik und rhythmische Prägnanz gelegt. „Es geht nicht darum, ein Stück herunterzuspielen, sondern Musik muss so klingen, wie sie gedacht war“. Gelegenheit dazu bot sich ihm bereits im Musikunterricht, den er in seiner privaten, 1985 gegründeten, Musikschule fast allen Akteuren des Orchesters gegeben hat. Darüber hinaus hat sich die von ihm vor 20 Jahren initiierte Kooperation mit der Astrid-Lindgren-Schule und der Hardtschule Auingen als sehr erfolgreich gezeigt. „Im Akkordeonorchester gab es nie Nachwuchssorgen“, betont Braun, der seinen guten Draht zu den Schülern hervorhebt.

Seine Freiheit war und ist ihm sehr wichtig. „Es ist schön, die eigenen Ideen umsetzen zu können. Dabei haben Vorstandschaft und die Musiker immer mitgezogen“. Während Braun seine Musikschule weiter betreibt, will er die gewonnene Zeit nutzen, um mehr zu komponieren und Noten zu bearbeiten. Seit 25 Jahren veröffentlicht er regelmäßig in mehreren Musikverlagen seine eigenen Stücke, die schon mehrfach in den Top Ten der meistverkauften Arrangements für Akkordeonorchester gelandet sind – wobei Braun seine Kompositionen für unterschiedliche Instrumente und Besetzungen verfasst. „Ich sehe ja im Unterricht, worauf es ankommt“, betont er. Der Aufwand für Orchester-Kompositionen ist hoch, da genaue Vorgaben erforderlich sind. Ganz besonders gefreut hat ihn die Uraufführung seiner Komposition „Evolution“ durch die weltbekannte Klassik-Band „Spark“ im April vergangenen Jahres.

Info Das Abschiedskonzert ist am Samstag, 9. November, in der Alenberghalle. Beginn: 19.30 Uhr, Einlass 18.30 Uhr. Tickets nur an der Abendkasse.

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Eine musikalische Biographie


Rudi Braun studierte von 1982 bis 1985 am Hohner-Konservatorium in Trossingen (Akkordeon, Klavier, Gitarre und Dirigieren). Seit 1985 ist er selbstständiger Privatmusiklehrer sowie Dirigent und Ausbilder in mehreren Blasorchestern. Berufsbegleitend hat er vor einigen Jahren ein Studium in den Fächern Musikbearbeitung und Komposition absolviert und eine Vielzahl von Bearbeitungen und Kompositionen für Akkordeonorchester, Akkordeon Solo oder Duo sowie mit Violine, Klavier mit Blasinstrumenten, Bläserensemble, Gitarre mit Fläte sowie für gemischte Kammermusikensembles geschrieben. rot