Dapfen Aids grenzt noch immer aus

Die filigranen Balletttänze der jungen Tanzschülerinnen der Tanzschule Gitte Wax zauberten ein wenig Leichtigkeit in die Martinskirche in Dapfen.
Die filigranen Balletttänze der jungen Tanzschülerinnen der Tanzschule Gitte Wax zauberten ein wenig Leichtigkeit in die Martinskirche in Dapfen. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Dapfen / Von Sabine Zeller-Rauscher 02.12.2018

Ein Solidaritätsgottesdienst für die knapp 37 Millionen Menschen, die aktuell mit dem HI-Virus leben, ist in der Martinskirche in Dapfen am Welt-Aids-Tag längst Tradition. Am 1. Dezember 1981 wurde Aids als eigenständige Krankheit erkannt. Eine Krankheit, die anders als die meisten anderen Krankheiten, häufig Vorwürfe, Ängste, Diskriminierung und Stigmatisierung mit sich bringt. Auch 37 Jahre später besteht weltweiter Aufklärungsbedarf. Nicht nur was die verschiedenen Ansteckungsmöglichkeiten betrifft.

Der Welt-Aids-Tag, der jährlich am 1. Dezember stattfindet, hat sich zum Ziel gesetzt, für ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung zu sensibilisieren. Pfarrer Siegfried Kühnle, der im Bezirk als Aidsseelsorger fungiert, hat den 1. Dezember seit Langem fest in seiner Jahresterminplanung verankert. Auch heuer ist es Kühnle, zusammen mit seiner Frau Ursula Bogner-Kühnle, seinen Konfirmanden, dem Jugendchor der Martinskirche Münsingen unter der Leitung von Stefan Lust, der Schule für Tanz unter der Leitung von Gitte Wax sowie mit dem Gesprächs- und Arbeitskreis HIV/Aids gelungen, einen bunten und informativen Gottesdienst, der zum Nach- und Weiterdenken anregte, zu gestalten.

Da immer weniger Menschen an den Folgen der Infektion sterben, steigt die Zahl der HIV-positiven Menschen an. Rund 86 100 Menschen leben in Deutschland mit dem HI-Virus. Hinzu kommen viele, die nichts von ihrer Krankheit wissen. Dass unter anderem aktuell in Osteuropa Neuinfektionen rasant ansteigen, war von Pfarrer Kühnle zu erfahren. Auch dass weltweit jede Minute ein Mensch an Aids stirbt. Und dass, obwohl HIV zwischenzeitlich gut therapierbar – wenn auch noch nicht heilbar – ist. Tatsache jedoch ist, dass die Medikamente vielen Menschen, unter anderem in afrikanischen Ländern, schlichtweg nicht zur Verfügung stehen.

Medikamente sind das eine, das menschliche Miteinander das andere bei der Diagnose HIV-Infektion. Wie hart es manche Menschen mit der Diagnose treffen kann, zeigten die Mitglieder des Gesprächs- und Arbeitskreises anhand von Beispielen auf. So berichteten sie unter anderem von einem Zahnarzt aus München, der durch die Boulevardpresse geoutet wurde, und dadurch seine ganze Existenz verlor. Berührend auch das Beispiel der jungen Frau aus Ghana, die ohne Behandlung schon jung an Aids starb. Schwer die Gedanken, die einen umtreiben, wenn man mit den einzelnen Schicksalen konfrontiert wird. Leichtigkeit dagegen zauberten die filigranen Balletttänze der jungen Tanzschülerinnen der Tanzschule Gitte Wax unter anderem mit dem Tanz der Klarheit ins Kirchenschiff.

Mit dem Tod, dem Alleinsein, und dem Warum setzten sich unter anderem die vier Konfirmanden auseinander. HIV sei keine Strafe Gottes, sondern eine Krankheit, die jeden treffen kann. Mittig in der Kirche aus brennenden, roten Kerzen aufgebaut, die leuchtend rote Red-Ribbon Schleife, die weltweit die Solidarität mit all den Menschen, die sich mit dem HI-Virus infiziert haben, ausdrückt.

Nach dem Segen bestand für die Gottesdienstbesucher die Möglichkeit, eine Kerze aus dem Arrangement zu nehmen, und unter dem Kreuz auf dem Altar abzustellen. Wobei jede einzelne Kerze für eine Million infizierte Menschen leuchtete. Schön, der klangvolle Rahmen durch den Jugendchor. Weniger schön empfindet Pfarrer Kühnle die Tatsache, dass seiner Meinung nach in den Medien viel zu wenig über den Welt-Aids-Tag berichtet wird.

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