Freizeit „Wir verkaufen den Leuten Freude“

Von Reiner Frenz 21.04.2017

Seit 39 Jahren bietet Volker Schmack Kanutouren im Lautertal an. Im Juli beginnt somit die 40. Saison. Das hätte sich der Unternehmer sicher nicht vorstellen können, als er 1978 begonnen hatte, in Reutlingen Sozialpädagogik zu studieren. Weil es wesentlich billiger war als unter der Achalm, mietete er sich ein Häuschen im Münsinger Stadtteil Bichishausen – und sah dort im Sommer, wie Leute mit Kanus auf der Lauter fuhren. „Ich dachte mir, das könnte ich doch mal versuchen“, erinnert sich Schmack.

Gesagt, getan. In den beiden Münsinger Sportgeschäften kaufte er sich fünf Boote, malte ein auffallendes Holzschild, auf dem „Kanuverleih“ stand – und stellte schnell fest, dass Nachfrage da war. Aus dem Studenten wurde so fast über Nacht ein erfolgreicher Geschäftsmann. „Manches machte ich am Anfang noch etwas blauäugig“, so Schmack.

Innovative Idee

Richtig innovativ war er vor allem mit der Idee des Personentransfers, den er als erster Kanuverleiher in Deutschland überhaupt anbot. Angehende Kanuten werden von Bichishausen aus mit Bussen zum Startpunkt nach Buttenhausen gebracht und – sofern sie nicht in Bichishausen wieder aussteigen – von Gundelfingen oder Indelhausen aus abgeholt. Ein Service, der gut ankommt, der für die Wassersportler die ganze Sache noch komfortabler macht. „Das ist immer noch ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Schmack. Mit Bussen können bei Bedarf auch ganze Gruppen abgeholt werden. Der „Fuhrpark“ umfasst immerhin fünf Omnibusse, vier Kleinbusse und zwei Jeeps und der „Wasserfahrzeug-Park“ 140 Kanus, wobei die Palette von Einern bis zu Viersitzern reicht.

„An den Wochenenden war hier früher die Hölle los“, erinnert sich Schmack. Letztlich führte dieser Riesenandrang auf die Lauter zur heute gültigen saisonalen Einschränkung. Die Lauter darf nur noch von Anfang Juli bis Mitte Oktober befahren werden, und das nur unter der Woche.

Auf diese sehr kurze Saison reagierte Volker Schmack, indem er Donau-Touren ins Programm nahm. Die Donau-Saison beginnt Mitte Mai und endet Ende September. Leider nicht mehr möglich sind die anfangs noch offerierten Mehrtagestouren an der Donau, was Schmack bedauert. Doch Übernachtungen am Flussufer sind nicht mehr erlaubt. „Wer solche Abenteuer erleben will, muss ins Ausland“, bedauert der 66-Jährige.

Ein Meilenstein für das Unternehmen war das Jahr 2001. Damals wurde das Bootshaus eröffnet. Bis dahin gab es in Bichishausen einen Kiosk, der aber längst nicht mehr alle Wünsche der Kanuten erfüllen konnte. Das ist seit 16 Jahren kein Thema mehr und längst sind die Kanuten, die an schönen Tagen den Bootshaus-Biergarten füllen, in der Minderheit.

Vor allem Biker haben den traumhaft schönen Platz unterhalb der Burgruine Bichishausen und direkt an der Lauter entdeckt. An manchen Tagen kann man so den Eindruck gewinnen, dass es ein Motorradfahrer-Treff sein muss. 250 Plätze gibt es im und ums Bootshaus, und an nicht wenigen Tagen sind sie restlos besetzt. Während Volker Schmack sich weiter hauptsächlich um die Abwicklung der Kanutouren kümmert, ist seine Frau Gabriele für die Gastronomie zuständig. Insgesamt gibt es 15 Mitarbeiter, davon sechs fest angestellt und außerdem neun Saisonkräfte.

Im Bootshaus beginnt die Saison je nach Wetter bereits Mitte März und dauert ebenfalls bis Ende Oktober. Geöffnet ist während der Kanu-Saison ab 9 Uhr und dann kann man bereits ein Frühstück serviert bekommen. Ab 11 Uhr ist durchgehend warme Küche mit wechselnden regionalen Spezialitäten. Außerdem gibt es Kaffee und selbstgemachten Kuchen. Außerhalb der Kanusaison hat das Bootshaus an Tagen mit Regenwetter auch schon mal geschlossen.

Attraktion und Problem

Seit ein paar Jahren nutzen nicht mehr nur Kanuten und Enten die Lauter, auch der Biber ist ja bekanntlich heimisch geworden, nicht immer zur puren Freude von Volker Schmack: „Es kann schon ärgerlich sein, wenn mal wieder ein Baum über der Lauter hängt und die Leute zum Aussteigen gezwungen werden“, berichtet er. Andererseits übt der fleißige Bauherr auf die Menschen auch eine große Anziehung aus, „ist eine Attraktion“. Zu Saisonstart wird am Bootshaus eine große Infotafel angebracht, auf der alles Wissenswerte über den Biber zu erfahren ist.

Naturschutz ist für Schmack ein wichtiges und sensibles Thema. Jeder Kanute, der bei ihm eine Tour antritt, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man mit dem Boot wenn möglich in der Flussmitte fahren soll. Zwischen den Booten soll Abstand gehalten werden, damit Wassertiere Platz haben. Das Rasten ist nur an gekennzeichneten Orten gestattet. Gerade die Uferbereiche und Flachwasserzonen sind Lebensräume vieler Vögel und Kleintiere, weiß Schmack.

In einem Alter, in dem andere schon längst den Ruhestand angetreten haben, hat Volker Schmack noch Pläne. Er will bis spätestens 2019 eine neue Toilettenanlage bauen. Die bestehende kommt immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen und ist vor allem nicht behindertengerecht. Vielleicht noch in diesem Jahr soll zudem noch eine E-Tankstelle eingerichtet werden. Die Nachfolge ist übrigens bereits geregelt. Sohn Vincent wird nach Abschluss seines BWL-Studiums den Betrieb übernehmen.

„In den fast 40 Jahren hat es noch keinen ernsthaften Unfall gegeben“, freut sich Volker Schmack und fügt schmunzelnd hinzu: „Wer in der Lauter versauft, ist nicht fähig hinzustehen“. Spaß macht ihm die Arbeit auch nach so langer Zeit noch: „Wir verkaufen Freude“, weiß Volker Schmack. Vor allem Kinder, aber auch die Erwachsenen würden strahlen, wenn sie nach einer Kanutour wieder zurückkommen.

140

Kanus stehen in Bichishausen zur Verfügung. Sie warten derzeit noch in und um die ehemalige Bichishausener Säge auf den Saisonstart, der Anfang Juli sein wird.

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