Ali strahlt. Der schmächtige Junge aus Syrien hat sein Sticker-Album in die Schule gebracht. Ronaldo ist sein Held. Während er seine Schätze ausbreitet, sind Mahmoud und Mohammad in den Lernstoff vertieft, obwohl die Stunde noch gar nicht begonnen hat. Sie könnten seine Brüder sein, sind wie er Geflüchtete. Die verspielten Kleinen und die ernsthaft wirkenden älteren Schüler besuchen die beiden Vorbereitungsklassen an der Schillerschule. Zurzeit sind es 44 Schüler im Alter von zehn bis 15 Jahren. Wie es sich anfühlt, alles Vertraute zu verlassen, sich in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen, davon könnten sie erzählen. Von Krieg und Vertreibung, den Gefahren während der Flucht. Aber meist schweigen sie, und die beiden Lehrerinnen Susanne Sauer und Dominika Myschor fragen nicht nach. Außer es kommt der Wunsch, darüber zu reden. Diese Sensibilität ist eine von vielen Voraussetzungen, um in diesen Klassen das bestmögliche zu erreichen. Das reine Lernziel heißt B1-Niveau. Mit diesen Deutschkenntnissen kann in die Regelklassen gewechselt werden. Wissen allein schützt nicht vor Ausgrenzung. Die Persönlichkeit zählt. "In der Zeit, in der sie hier sind, möchten wir ihnen Heimat geben, damit sie auch stark werden", betont Susanne Sauer. "Jedes Kind ist gleich, weil alle unterschiedlich sind". Rektorin Nicole Breitling, unterstreicht diesen Satz.

Die Übereinstimmung in den Gegensätzen wird in den Vorbereitungsklassen überdeutlich, was an die Lehrkräfte besondere Ansprüche stellt. Ein Jugendlicher stand kurz vor dem Schulabschluss, ein anderer musste jahrelang unterbrechen, weil er in einem Lager in Jordanien gelebt hat. Einige können weder lesen noch schreiben, kennen vielleicht nur die arabischen Schriftzeichen. "Da ist individuelles Lernen gefragt", sagt Nicole Breitling - mit einem Lächeln, das so gar nicht nach Überforderung aussieht.

Die positiven Erfahrungen überwiegen eindeutig. "Die Schüler sind hochmotiviert", lobt Susanne Sauer. Sie bringen den Lehrern viel Vertrauen entgegen, drücken ihre Dankbarkeit aus. "Sie sind eine Bereicherung", ergänzt die Rektorin. Das Leben in der Schule sei durch sie "bunter und vielfältiger" geworden. "Das passt zu uns".

Was sicherlich eine Rolle spielt: Integration ist kein neues Thema. Zweihundert Kinder aus Aussiedlerfamilien wurden vor rund zwanzig Jahren in den Klassen aufgenommen, viele Geflüchtete aus dem ehemaligen Jugoslawien. Damals und heute gelte, dass alle Schüler die gleichen Chancen erhalten sollen. In einem Willkommensbrief an die Eltern, übersetzt in zehn Sprachen, werden die Regeln klar definiert, die Beratungsangebote deutlich gemacht. Einmal im Monat findet ein Frühstückscafé statt. Gegenseitiges Kennenlernen wird so erleichtert.

Interaktiver Unterricht (Susanne Sauer: "Das geht besonders gut in Technik, Sport und Kochen"), ambitionierte Sozialarbeiter und Ehrenamtliche, die Unterstützung durch die Stadt, die Zusammenarbeit mit anderen Schulen - viele Vernetzungen lassen Barrieren erst gar nicht aufkommen.

Zuallererst sind es die Schüler selbst, die schnell Freundschaften schließen und die Flucht und ihre Ursachen zu ihrem Thema machen. "Begegnungen mit Flüchtlingen" war Thema einer Projektprüfung der Klasse 9. Ein Elternnachmittag wurde gestaltet, ein Fußballturnier ("ohne Sieger und Verlierer") organisiert. "Schule ohne Rassismus": Teil dieses Netzwerkes zu sein, ist mehr als eine Grundüberzeugung. Wer sich in an der Schillerschule umsieht, kann es sogar hören. Da mischen sich arabische, türkische, kurdische, kroatische, russische, somalische mit deutschen und schwäbischen Tönen. Ali wird in vielen Sprachen für sein Sticker-Album gelobt. Deshalb strahlt er so.